Volvo-Sicherheitssystem: Ohne Rempler durch die Stadt - DER SPIEGEL
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Volvo-Sicherheitssystem Ohne Rempler durch die Stadt

Drei von vier Auffahrunfällen passieren in der Stadt oder im Stau. Dem will Volvo mit dem "City Safety"-System elektronisch einen Riegel vorschieben. Mit Radaraugen beobachten die Schweden den Vordermann und bremsen notfalls automatisch. In spätestens zwei Jahren soll es losgehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sicher, es gibt schlimmere Unfälle. Doch auch wenn es bei den leichten Remplern in der Rushhour nur selten Schwerverletzte gibt, klagen die Beteiligten doch häufig über ein schmerzhaftes Schleudertrauma. Außerdem sind in der Regel zwei Stoßfänger, vier Front- und Heckleuchten und - wenn es dumm läuft - auch noch ein Kühler kaputt. Die Folge sind lästige Werkstattbesuche, hohe Rechnungen und steigende Versicherungsprämien. Es gibt also gute Gründe, sich dieser Karambolagen anzunehmen, müssen sich die Entwickler im Sicherheitszentrum von Volvo gedacht haben. Zumal nach ihren Untersuchungen immerhin 75 Prozent aller Auffahrunfälle in genau jene Kategorie von leichten Remplern fallen, die sich in der Regel in der Innenstadt oder im Stau bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h ereignen.

Vor diesem Hintergrund haben die Schweden jetzt das "City Safety"-System entwickelt, das in spätestens zwei Jahren auf den Markt kommen soll und dem Wagen eine elektronische Knautschzone verschafft. Herzstück des Systems ist ein Radarsensor, der hinter dem Innenspiegel montiert wird und etwa sechs Meter weit nach vorn schaut. Registriert die Elektronik, deren Algorithmus 50-mal pro Sekunde gestartet wird, in diesem Bereich ein stehendes oder langsamer in die gleiche Richtung fahrendes Auto, schärft sie automatisch die Bremsen vor und macht den Fahrer auf die Gefahr aufmerksam. Lässt sich die Kollision nicht mehr vermeiden, steigt das System auch automatisch in die Eisen, um wenigstens die Folgen des Aufpralls zu lindern.

Sechs Meter Sichtfeld bieten keine völlige Sicherheit

Angesichts des eingeschränkten Sichtfeldes von sechs Metern arbeitet "City Safety" nur bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h und verfolgt dabei zwei Ziele: Liegt die Differenzgeschwindigkeit beider Fahrzeuge unter 15 km/h, kann der Unfall mit Hilfe des Assistenzsystems in der Regel vermieden werden, versprechen die Schweden. Bei einer Differenzgeschwindigkeit von 15 bis 30 km/h dagegen geht es allein um eine Reduktion der Aufprallgeschwindigkeit und damit um eine Minimierung des Schadens.

"Mit diesem System helfen wir allen, die an einem Unfall beteiligt sind", sagt Ingrid Skogsmo, die das Sicherheitszentrum des schwedischen Autoherstellers leitet. "Für die Insassen des vorderen Fahrzeugs reduziert sich das Risiko eines Schleudertraumas. Und bei beiden Fahrzeugen lassen sich Unfallschäden und teurere Reparaturen minimieren oder ganz vermeiden", sagt die Schwedin.

Auch Honda und Mercedes haben diese Technik

"City Safety" ist freilich nicht die erste teilautonome Bremsung, die im Auto angeboten wird. Bei Honda arbeitet ein vergleichbares System auch bei höheren Geschwindigkeiten im neuen Flaggschiff Legend, und bei Mercedes gibt es seit der Premiere des CL im großen Coupé und der S-Klasse die sogenannte PreSafe-Bremse, die ebenfalls in die Eisen steigt, wenn der Fahrer zur spät oder gar nicht reagiert. Sie ist allerdings an den Abstandsregeltempomat gekoppelt, arbeitet dafür aber mit einem Nahbereichs- und einem Fernradar, schaut weiter voraus und kann deshalb auch bei höheren Geschwindigkeiten den Fahrer unterstützen. Die PreSafe-Bremse ist bei Geschwindigkeiten zwischen 30 und 180 km/h aktiv, sobald vorausfahrende Autos erfasst werden. Außerdem reagiert das System auch bei der Annäherung an eine stehende Fahrzeugkolonne, wenn der Wagen nicht schneller als 70 km/h fährt.

Allerdings ziehen die Schwaben nicht vollständig an der Reißleine, sondern bremsen zunächst nur mit 40 Prozent der maximalen Leistung. Mehr wäre zwar technisch möglich, würde den Fahrer aber entmündigen. Doch reicht auch dieser Ruck allemal, um unaufmerksame Lenker augenblicklich wieder nach vorne blicken zu lassen. Und selbst wenn dann immer noch eine Reaktion ausbleibt, wird aus einem sonst fatalen Crash hoffentlich nur ein banaler Blechschaden.

tom

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