Volvo XC60: Der Wachstumsbeschleuniger - DER SPIEGEL
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Volvo XC60 Der Wachstumsbeschleuniger

Volvo will wachsen. Um die Produktion auf über 600.000 Autos zu treiben, entern die Schweden nicht nur mit dem C30 die Golf-Klasse. Ab 2009 wollen sie mit dem XC60 auch vom Boom der kleinen Nobel-Allradler profitieren. Eine Studie soll jetzt schon mal die Neugier wecken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dass auch Volvo auf den Trend der auf edel getrimmten kompakten SUV-Modelle aufspringt, lag auf der Hand. Denn Marktforscher halten das Segment der kleinen aber feinen Softgeländeautos, das bislang fast ausschließlich vom BMW X3 bedient wird, für ausbaufähig. Bis 2009, so die Prognosen, soll das Volumen um 75 Prozent auf mehr als 400.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen.

Konsequenterweise arbeiten nun die Edelmarken an kleinen Ablegern ihrer großen SUV-modelle: Audi lässt dem Q7 einen Q5 folgen, Mercedes plant eine kompakte Ausgabe der M-Klasse. Da ist es nur folgerichtig, dass auch der König der Wikinger einen kleinen Prinzen bekommt und neben dem XC90 demnächst ein XC60 in Stellung geht. Allerdings müssen die Schweden noch bis 2009 um Geduld bitten. Um die Neugier zu wecken und die Kunden bei der Stange zu halten, wird die Marke bei der Detroit Motor Show ein überraschend seriennahes Konzeptauto enthüllen. "Die Studie zeigt schon deutlich, wie das Serienmodell aussehen wird", verspricht Volvo-Chef Fredrik Arp.

Doch ist die Studie nicht nur ein Platzhalter. Sie ist auch das erste Auto, auf das der vor rund einem Jahr berufene Designchef Steve Mattin wirklich Einfluss nehmen konnte - und gibt insofern die Stilrichtung für alle künftigen Modelle vor. Wie es aussieht, wird Volvo dabei einiges an nordischer Zurückhaltung aufgeben. Das Logo wird deutlich größer, der Kühler saugt künftig gieriger nach Luft und die stark angeschnittenen Scheinwerfer bekommen einen etwas böseren Blick.

Das Design legt die nordische Zurückhaltung ab

"Mit diesem Showcar heben wir unsere Designphilosophie auf die nächste Entwicklungsstufe, indem wir ihr im Wortsinn Volumen geben", erläutert Mattin sein Konzept. Dazu gehören seiner Ansicht nach expressive und emotionale Formen, die den Blick des Betrachters fesseln. "Wenn heute jemand sagt, er erkenne einen Volvo auf fünfzig Meter Entfernung, dann soll ihm das bald aus 100 Metern gelingen", sagt Mattin und meint damit nicht nur die größeren Lettern des Schriftzuges, der sich künftig beinahe über den gesamten Heckdeckel ziehen wird.

Weil der XC60 - genau wie der XC90 - eher für die Straße als für den Querfeldeinbetrieb gemacht wird, ist er alles andere als ein kantiger Offroader. Zwar geben ihm die 20-Zoll-Räder und die große Bodenfreiheit auf den ersten Blick einen sehr stabilen und souveränen Stand. Doch lassen ihn die aufsteigende Fenster- und die abfallende Dachlinie zusammen mit dem weit gegen die Fahrtrichtung geneigten Heck und den filigranen Linien der Karosserie auch sehr sportlich aussehen.

Ein neues Prinzip der Heckklappenöffnung

Wie immer bei Studien haben sich die Designer zudem ein paar Spielereien erlaubt, die wohl nicht in Serie gehen werden. Da ist zum Beispiel das riesige Panoramadach, das von einem Y-förmigen Träger durchzogen wird. Oder die zweigeteilte Heckklappe, deren Form vom C30 inspiriert ist. Damit man in engen Parklücken weniger Platz braucht, klappt das untere Teil nicht wie üblich nach vorn, sondern wird wie ein amerikanisches Wohnzimmerfenster einfach vor der zweiten Scheibe nach oben geschoben. Ebenfalls in die Rubrik "Spielerei" fällt die semitransparente Konstruktion des Hecks: Von außen blickdicht, ist die untere Klappe so beschaffen, dass der Fahrer von innen bis auf die Stoßstange schauen kann.

Auch innen haben die Designer ein wenig übertrieben: Maßgeschneidert für die iPod-Generation schwelgt der XC60 in einer Farbwelt aus kühlem Weiß und warmem Espresso-Braun, schmeichelt dem Betrachter mit vornehmem Sattlerleder und poliertem Aluminium und funkelt aus dem Cockpit mit zwei Projektionsdisplays und einem analogen Rundtacho wie eine teure Stereo-Anlage. Dazu gibt es eine Mittelkonsole, die nun noch dünner im Raum schwebt, sowie einen Schiebehebel für das Getriebe, der an die Regler auf einem Mischpult erinnert.

Viele Ideen werden wegfallen - "City Safety" bleibt

Auf dem Weg in die Serie wird davon Vieles auf der Strecke bleiben, das City Safety System jedoch gilt als gesetzt. Mit ihm wollen die Schweden die vordere Stoßstange und das Heck des Vordermanns künftig vor Gebrauchspuren schützen. Um Auffahrunfälle zu vermeiden, wacht künftig ein Sensor über den Freiraum vor dem Wagen und leitet bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h im Zweifel eine automatische Notbremsung ein.

Während Volvo zur Theorie schon viel verraten hat, schweigen sich die Schweden zur Technik des XC60 noch weitgehend aus. Aber dafür braucht es auch nicht viele Worte, sondern allenfalls einen Blick zur Schwestermarke Land Rover. Dort heißt der Wagen zwar Freelander und will es, anders als der XC60, sehr wohl auch im harten Gelände wissen. Doch dürften Plattformstrategie und Kostendruck im Ford-Konzern für enge Familienbande zwischen den beiden Vettern sorgen.