VW- Brennstoffzellenauto: Über den Berg - DER SPIEGEL
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VW- Brennstoffzellenauto Über den Berg

Zwischen Monte Leone (3553 Meter) und Weissmies (4023 Meter) schlängelt sich der Simplon-Pass (2005 Meter) über den Alpenhauptkamm. Dort testete VW jetzt ein neues Brennstoffzellenauto und einen Wagen mit "Designer-Sprit".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jahrelang sah es so aus, als verschlafe Volkswagen die Zukunft. Während andere Hersteller immer neue Fahrzeuge mit Brennstoffzellen-Antrieb auf die Räder stellten oder mit Wasserstoff betriebene Verbrennungsmotoren vorstellten, kam aus Wolfsburg keine Kunde in Sachen alternative Antriebssysteme.

Allenfalls wurde davon gesprochen, dass VW-Chef Ferdinand Piëch gesagt habe, er werde noch in seiner Amtszeit (also bis Mitte April diesen Jahres) in einem Ein-Liter-Auto von VW fahren. Jetzt könnte er sogar in einem Null-Liter-Mobil herumkurven.

VW vermeldet, dass ein Bora HY.Power mit Brennstoffzellen-Antrieb und ein Bora TDI mit dem synthetischen Kraftstoff SunFuel im Tank einen Wintertest über den Simplon-Pass zwischen Italien und der Schweiz problemlos gemeistert hätten. Und auf einmal können sich die Wolfsburger vorstellen, dass "innerhalb von zwei Jahrzehnten die Wasserstoff-Brennstoffzelle zum Antriebskonzept einer neuen Ära avancieren" könne.

Beim VW-Modell handelt es sich sogar um einen besonderen Typus. Die Technik stammt aus einem Gemeinschaftsprojekt der VW-Forschung, des Paul Scherrer Instituts (PSI) in Zürich und dessen Partnern Eidgenössische Technische Hochschule Zürich und FEV Motorentechnik GmbH in Aachen. Zwei wesentliche Neuerungen hat der Bora HY.Power zu bieten.

Zum einen zwei Hochleistungskondensatorenmodule, die VW schlicht "Supercaps" nennt. Eines sitzt vor der Vorderachse, das andere vor der Hinterachse. Die Supercaps speichern Energie, die beim Bremsen gewonnen wird, und geben sie in besonderen Fahrsituationen wieder ab. So steht zum Beispiel beim Überholen dem Elektromotor (255 Nm), der eine Dauerleistung von 62 PS (45 kW) entwickelt, kurzfristig 102 PS (75 kW) zur Verfügung. Aus dem Stand kann das Auto auf Grund dieser Technik in zwölf Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen.

Die zweite Neuheit steckt in der Brennstoffzelle selbst, VW spricht von einem Bipolarplattenkonzept. Hinter der komplexen Technik verbirgt sich eine neuartige Membran, deren größter Vorteil es ist, dass sie leichter zu fertigen ist und deshalb weitaus günstiger hergestellt werden kann als die bislang vorwiegend eingesetzten Nafion-Membranen. Das bedeutet: "Volkswagen und PSI sind damit dem Ziel, die Brennstoffzelle für den flächendeckenden privaten Nutzen bezahlbar zu machen, einen großen Schritt näher gekommen."

Neben dem Brennstoffzellen-Auto wurde die Simplon-Fahrt auch von einem Bora TDI mit SunFuel bestritten. Bei SunFuel handelt es sich um einen synthetisch produzierten, schwefel- und aromatenfreien Kraftstoff, mit dem sich "bislang nicht für möglich gehaltene Abgaswerte" erzielen lassen. VW behauptet etwa, die Partikelmesswerte des Autos lägen in dem Bereich von Fahrzeugen mit "teurer Filtertechnik", womit offenbar auf das von Peugeot entwickelte und eingesetzte, hochgelobte FAP-Filtersystem für Dieselmodelle angespielt wird.

Die Parallelfahrt der beiden Bora-Modelle gibt in etwa die Strategie des VW-Konzerns auf dem Gebiet der neuen Antriebstechnologien wider: Die Wolfsburger propagieren den allmählichen Übergang in die Wasserstoff-Welt. Zunächst, so das Szenario, werden mit SunFuel aus nachwachsenden Rohstoffen herkömmliche Verbrennungsmotoren gespeist. Schon dies käme der CO2-Bilanz zu Gute.

Mit SunFuel lässt sich in einem zweiten Schritt via Reformer auch Wasserstoff für den Brennstoffzellenbetrieb gewinnen. Sobald die Wasserstoff-Versorgung dann steht, kann der endgültige Übergang zu den Brennstoffzellen-Fahrzeugen vollzogen werden. Schöne neue VW-Welt.