VW Golf V: Im Prinzip wie Mallorca - DER SPIEGEL
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VW Golf V Im Prinzip wie Mallorca

Nüchterner lässt sich eine Premiere kaum inszenieren. Zwei Reden, zwei kurze Filme und dann schnell die Bühne frei für den eigentlichen Hauptdarsteller der Veranstaltung: den neuen Golf. Heute Mittag debütierte der Wagen vor rund 500 Journalisten in Wolfsburg.
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Zur Feier des Tages ist der Himmel über der Autostadt so blau wie das VW-Logo. Und die Drinks, die den Pressevertretern gleich am Eingang zum Kundencenter gereicht werden sind es auch: blauer Sirup mit Tonic und einer Kugel Zitroneneis - exquisit und erfrischend. "Extra für den neuen Golf kreiert", klärt eine Dame des Servicepersonals auf.

Der neue Golf, die fünfte Generation des seit 1974 gebauten Kompaktwagens, wird heute vorgestellt. Die Premiere, Teil eins, sozusagen. Statische Präsentation heißt das im Branchenjargon, "Streicheltermin" nennen Motorjournalisten solche Veranstaltungen, bei denen es zwar Autos, aber keine Zündschlüssel dazu gibt. Am Samstag in einer Woche feiert die Werksbelegschaft das Debüt des neuen Modells, kurz darauf folgt die Publikumspremiere während der IAA in Frankfurt, danach schließen sich die Fahrtermine für die Presse an.

Während der sechswöchigen Golf-Tournee bis zur Markteinführung bei den Händlern nennt sich Wolfsburg "Golfsburg". Auf zahlreichen Ortsschildern wurde heute Morgen das "W" mit einem "G" überklebt, doch ausgerechnet die Schilder an der Heinrich-Nordhoff-Straße, der direkten Zufahrt von der Autobahn zur Autostadt, wurden dabei vergessen.

VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder kümmern solche Kleinigkeiten natürlich nicht. Er spricht in seinem Vortrag vom neuen VW-Slogan "Aus Liebe zum Automobil", preist "die Leidenschaft und das Engagement" der Mitarbeiter und erklärt, warum die Golf-Premiere in Wolfsburg stattfindet: "Auch ein Star braucht Wurzeln." Er verkündet, der neue Golf sei "der größte Evolutionssprung in der Geschichte des Modells" und nennt als Beispiele auch Details wie die Rücklichter, die an die wesentlich größeren und teureren VW-Modelle Phaeton und Touareg erinnern sollen. "So", sagt der Chef, " profitieren auch Golf-Kunden von unserem Einstieg in die Luxusklasse."

Trotz der Luxuslampen und anderer Innovationen, die im Golf V stecken, habe man den Preis für das Einstiegsmodell nicht erhöht. "Der Basis-Golf wird weiterhin 15.220 Euro kosten", sagt Pischetsrieder. Seine Rede beendet er mit einer kämpferischen Prognose: "Wir haben etwas gewagt, und wir werden gewinnen."

Dann erscheint der Star. Der neue Golf fährt auf die Bühne. Ein fünftüriges Modell in Silber. Sofort ist es von Kamerateams und Fotografen umstellt. Das Auto, von dem der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann zuvor gesagt hatte, dass es zu einer "Ikone der emotionalen Vernunft" geworden sei, sieht tatsächlich nach Vernunft mit einem kleinen Schuss Emotion aus. Das Design des neuen Modells, das nach Veröffentlichung der ersten Fotos als zu brav und zu uninspiriert kritisiert worden war, ist nach Ansicht von Wippermann trefflich gelungen. Seine These: "Die Versportung des Golf stärkt seinen Kultstatus und nimmt den gesellschaftlichen Trend der Versportung des Alltags auf."

Von welchen optischen Eindrücken genau das abzuleiten sei, bleibt offen. Vermutlich darf sich jeder Betrachter des neuen Autos seinen eigenen Reim darauf machen. "Der Golf", so Wippermann, sei schließlich vergleichbar mit Mallorca. "Alle lieben diese Insel, aber jeder auf seine ganz individuelle Art und Weise."