VW Passat: Kurs Richtung Oberklasse - DER SPIEGEL
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VW Passat Kurs Richtung Oberklasse

Der neue VW Passat kommt. Erstmals zu sehen sein wird die sechste Generation des Mittelklasse-Bestsellers auf dem Genfer Autosalon, ab März dann auch auf den Straßen. Die Kombiversion Variant soll im Herbst folgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ins Auge fällt sofort das neue Markengesicht, wie es bei den beiden Studien Concept R (Roadster) und Concept C (Cabriolet-Coupé) schon angedeutet und beim neuen VW Jetta/Bora erstmals in Serie zu sehen war. Ein in Chrom gehaltener Wappen-Kühlergrill mit leicht auslaufenden Scheinwerfern und getrennten Blinkerbändern, darüber spannt sich eine V-förmig konturierte Motorhaube. Die Seitenlinie blieb nahezu unverändert. Das Heck hingegen zieren LED-Rundleuchten, ein integrierter Spoiler im Kofferraumdeckel und ein großes VW-Logo.

Selbstverständlich ist der neue Passat mal wieder in allen Dimensionen gewachsen. In der Länge um 6,2 Zentimeter auf 4,77 Meter, in der Breite um 7,4 Zentimeter auf 1,82 Meter und in der Höhe um einen Zentimeter auf 1,47 Meter. Der Radstand misst 2,71 Meter, im Vergleich zum Vorgänger sechs Millimeter mehr. Diese Maße kommen vor allem dem Kofferraum der Limousine zugute, der mit 565 Liter rund 90 Liter größer als beim Vorgänger ausfällt. Zum Vergleich: Die E-Klasse besitzt 540 Liter Laderaum, der 5er BMW 520 Liter. Aber nicht nur in der Größe, auch in punkto Technik und Komfort steuert VWs Bestseller-Baureihe, von der bislang mehr als 13 Millionen Modelle verkauft wurden, in Richtung Oberklasse.

So besitzt der neue Passat serienmäßig eine elektronische Parkbremse, die mittels elektronischer Steuerung und Vernetzung mit anderen Steuergeräten eine dynamische Notbremsfunktion, Anfahrassistent (am Berg) und eine Auto Hold-Funktion (Ampel-Halt ohne dauerhafte Bremspedalbetätigung) mit einschließt. Auch einen Zündschlüssel gibt es nicht mehr. Der Sender zum Öffnen und Schließen der Zentralverrieglung wird in eine Halterung rechts vom Lenkrad geschoben und der Motor dann per Knopfdruck gestartet.

Neu im Segment ist die automatische Distanzregelung, die VW bislang nur im Phaeton einsetzt. Der Passat bremst dabei automatisch aus einer zuvor via Tempomat eingestellten Geschwindigkeit ab, sobald ein definierter Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug unterschritten wird. Ist die Fahrbahn wieder frei, beschleunigt er auf das alte Tempo. Ebenfalls bisher nur aus der VW-Oberklasselimousine bekannt ist die zugfreie Zwei-Zonen-Klimaautomatik, die als Sonderausstattung zu haben ist.

Gegen Aufpreis wird der neue Passat auch mit einer Telefonanlage mit Bluetooth-Schnittstelle ausgerüstet. Novum: Gespräche mit einem entsprechenden Handy, die außerhalb des Passat begonnen wurden, können nach dem Einsteigen und Losfahren weitergeführt werden. Weitere Neuerungen sind mitlenkende Bi-Xenon-Scheinwerfer mit integriertem Abbiegelicht, ein 600 Watt starkes Zehn-Kanal-Soundsystem, DVD-Navigation, 230-Volt-Steckdose sowie ein ESP mit Gespannstabilisierung für alle Modelle mit Anhängekupplung. Das System sorgt bei Gespannfahrten mittels gezieltem Bremsen- und Motoreingriff dafür, das gefürchtete Schlingern des Anhängers zu verhindern.

Für den Antrieb stehen zunächst sieben Motoren zur Wahl. Bis auf die Einstiegsversion mit 102 PS (75 kW) sind alle Benziner neu im Passat-Programm - wenn auch aus anderen Konzernmodellen bereits bekannt. Die Vierzylinder-FSI mit Direkteinspritzung leisten 115 PS (85 kW), 150 PS (110 kW) und 200 PS (147 kW) und können zusätzlich mit einer Sechsgangautomatik geordert werden. Im Herbst 2005 soll ein 3,2-Liter V6-FSI mit 250 PS (184 kW) das Angebot nach oben abrunden.

Auch die drei TDI-Diesel sind bekannt, kommen aber erstmals in der Passat-Baureihe zum Einsatz. Und zwar in den Leistungsstufen 105 PS (77 kW), 140 PS (103 kW) und 170 PS (125 kW), die beiden letzteren gegen Aufpreis auch mit dem DSG-Doppelkupplungsgetriebe. Zum späteren Zeitpunkt sollen auch Modelle mit Allradantrieb folgen. Und schrittweise will VW sogar - was stört sie das Gerede über "innermotorische Maßnahmen" von einst - alle Selbstzünder auch mit Partikelfilter anbieten.

Bei der Preisgestaltung hat VW offensichtlich aus der vermasselten Golf-Einführung gelernt. "Wir wollen nicht an der Preisschraube drehen", verlautet es aus den gut informierten Konzernkreisen. Der derzeitige Einstiegspreis liegt bei 21.800 Euro. Damit sollte die neue Basisversion auch weiterhin zu einem Preis um die 22.000 Euro zu haben sein.