VW Polo GTI Cup Edition Kleinwagen extrem
Erst vor kurzem lancierten die Wolfsburger den Polo GTI. Ein Auto im Kompaktformat mit 150 PS und 216 km/h Höchstgeschwindigkeit, das der Kleinwagenbaureihe von VW die Krone aufsetzte. Doch wie man jetzt weiß, galt das nur vorübergehend. Denn nun schieben die Niedersachen ein nochmals stärkeres Modell hinterher: den Polo GTI Cup Edition, dessen 1,8-Liter-Turbomotor gar 180 PS leistet und das Auto auf bis zu 225 km/h beschleunigt. Der "schnellste Serien-Polo aller Zeiten", wie VW schwärmt, wird ab sofort zu einem Preis ab 22.425 Euro verkauft.
Das Auto ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Autohersteller längst gelernt haben, starke Motoren mit unsinnig hoher Leistung sozusagen in Alibi-Modellen unterzubringen und so die Akzeptanz solcher Geschosse zu erhöhen. Denn gegen einen Kleinwagen wird doch wohl niemand etwas haben. Weder der neidische Nachbar noch der umweltbewegte Spirtsparer dürfte auf den ersten Blick etwas gegen Autos wie VW Polo, Mercedes A-Klasse, Renault Clio oder Opel Meriva einzuwenden haben.
Auf den zweiten Blick aber schon. Wenn er nämlich erkennt, dass es sich um einen muskulös bespoilerten Wagen handelt, der auf 17 Zoll großen Breitreifen daherrollt, am Heck ein doppeltes Auspuffendrohr trägt und auch sonst einen auf Rennstrecke macht. Beim neuen Polo GTI Cup Edition ist diese Assoziation durchaus stichhaltig, denn tatsächlich lehnt sich die Optik des neuen Serienmodells an die Fahrzeuge aus dem ADAC-Volkswagen-Polo-Cup an, in dem Rennfahrertalente mit baugleichen Flitzern und je 150 PS unter der Haube um erste Lorbeeren auf der Piste wettfahren.
Aus den Marketingabteilungen der Automobilhersteller, die mehr als 200 km/h schnelle Kleinwagen im Angebot haben, hört man immer wieder, dass diese Autos vor allem bei männlichen Kunden ankommen. Offenbar soll damit ein Gegengewicht geschaffen werden zur weit überwiegenden Klientel in dieser Fahrzeugklasse, denn gerade Kleinwagen werden überdurchschnittlich oft von Frauen gekauft und gefahren. Auch heißt es, dass die Käufer PS-strotzender Knirpse im Durchschnitt jünger seien als die Kunden der gemäßigteren Varianten.
Dicke Motoren, magere Absatzzahlen
Fest steht, dass die stärksten Modelle der jeweiligen Kleinwagenbaureihe nur einen verschwindend kleinen Anteil am Gesamtabsatz stellen. Für den Opel Meriva OPC etwa, ein 222 km/h schneller Minivan mit 180 PS, entscheiden sich lediglich zwei von hundert Meriva-Kunden. Der Mitsubishi Colt CZT, der 150 PS leistet, erreicht nach Angaben von Unternehmenssprecher Helmut Bauer rund fünf Prozent des gesamten Colt-Absatzes, und bei der Mercedes A-Klasse mit dem 193-PS-Motor sind es nach Herstellerangaben "weniger als zehn Prozent".
So richtig rechnen dürften sich die Rennzwerge also nicht. Andererseits: Die aufgekratzen Kleinwagen sind keineswegs Sonderangebote. 25.752 Euro verlangt Mercedes für die stärkste A-Klasse, und der potenteste Mini, das Modell John Cooper Works GP mit 218 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h, ist sogar 30.900 Euro teuer. Dennoch war die auf 2000 Autos limitierte Serie rasch ausverkauft. Vielleicht ist doch was dran an der Theorie, dass Sportwagen im unverfänglichen Kleinwagenlook offenbar umso attraktiver werden, je höher die Spritpreise klettern und je näher der Klimakollaps rückt.
jüp