VW-Studie GX3: Der Coolness-Beschleuniger - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

VW-Studie GX3 Der Coolness-Beschleuniger

Würden Sie so ein Fahrzeug kaufen? Auf diese Frage sollen die Besucher der Los Angeles Autoshow VW eine Antwort geben. Die Wolfsburger könnten die Dreirad-Studie GX3, die sie dort enthüllen, "sehr schnell als Serienversion realisieren" - falls genug Leute "yeah" sagen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei Volkswagen hat der Wind gedreht, und wer das bislang noch nicht so recht mitbekommen hat, wird es spätestens jetzt kapieren. Auf der Los Angeles Autoshow (6. bis 15. Januar) steht eines der radikalsten Vehikel mit VW-Logo der letzten Jahrzehnte. GX3 heißt das Gerät. Bislang ist es noch eine Studie, doch wer jetzt abwinken möchte - nach dem Motto "Je mutiger das Konzeptauto, desto geringer seine Realisierungschance" -, irrt in diesem Fall womöglich. VW teilt mit, dass man dieses Mobil rasch anbieten könnte, und schiebt die Entscheidung an das staunende Publikum weiter. "Von entscheidender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das Feedback der amerikanischen Kunden zum GX3", heißt es in einer Mitteilung aus Wolfsburg.

Fotostrecke

VW-Studie GX3: Grünes Licht vom Publikum?

Ob die Modellpolitik am Messestand funktioniert? Die VW-Leute sind zuversichtlich. Seit gut einem Jahr arbeitet bei Volkswagen in den USA der Produktstrategiebereich "Moonraker", eine Gruppe junger Ingenieure, Designer und Vertriebsfachleute. Das Team wurde gebildet, um speziell für die Kunden in den USA Fahrzeuge zu konzipieren, die ähnlich cool und kultig werden sollen, wie es einst Käfer, Buggy oder VW-Bus waren. Erster Vorschlag der "Moonraker"-Truppe und des VW-Designstudios im kalifornischen Santa Monica ist der GX3.

Es ist alles schon durchgerechnet. Sollten die Messebesucher Begeisterung und Kauflust signalisieren, würde der dreirädrige Zweisitzer zur Serienreife gebracht werden und als fertiges Fahrzeug weniger als 17.000 Dollar kosten, also rund 14.000 Euro. Dafür gäbe es ein Spaßgerät, das vorne an frühere Formel-1-Autos erinnert, am Heck jedoch eher an ein Motorrad, denn dort bringt ein breiter Superbike-Reifen an einer Einarmschwinge die Kraft auf den Asphalt. 3,75 Meter misst der GX3 in der Länge, breit ist das Teil 1,85 Meter. Die Scheinwerfer sitzen, ebenfalls wie bei einem Motorrad, mittig auf der Fronthaube. Die Überrollbügel sind in Längsrichtung montiert. Die Karosserie besteht aus Fiberglas über einem Stahlgitterrahmen.

125 PS treffen auf gerade mal 570 Kilogramm

Auch bei den Gewichtsklassen muss der GX3 zwischen Motorrad und Auto eingeordnet werden. Die Studie wiegt 570 Kilogramm, und entsprechend leichtes Spiel hat der 1,6-Liter-Vierzylindermotor mit dem Vehikel. Die Maschine leistet 125 PS (92 kW) und setzt ein Drehmoment von 152 Newtonmeter frei. Damit lässt sich der Spurt von 0 auf Tempo 100 in 5,7 Sekunden realisieren, und als Höchstgeschwindigkeit wären wohl 200 Sachen drin. Doch für die angepeilte US-Kundschaft dürfte das weniger wichtig sein. Viel eher könnte das Umweltargument ziehen, denn der GX3 geht mit einem Verbrauch von 5,2 Liter je 100 Kilometer als "green racer" durch. Und er dürfte, falls er denn auf die amerikanischen Straßen kommt, die für US-Großstädte typischen "carpool lanes" benutzen, auch wenn nur der Fahrer mit dem Ding unterwegs ist.

VW reiht sich mit dem GX3 in einen Trend ein, der schon seit einiger Zeit zu beobachten ist: dreirädrige Fahrzeuge. Zuletzt sorgte Peugeot mit dem 20Cup in dieser Kategorie für Aufsehen. Und etwas Erfahrung haben die Wolfsburger ja auch, denn die meisten Trikes nutzen die gute, alte Käfer-Technik. Jetzt beim GX3 wurden die Räder neu sortiert, und VW liefert auch den ganzen Rest dazu. Was nun noch fehlt, ist ein vielstimmiges "yeah".