VW und die Formel 1: Der Gerüchte-Motor - DER SPIEGEL
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VW und die Formel 1 Der Gerüchte-Motor

Kaum ein Tag vergeht, an dem das Thema "VW und die Formel 1" nicht diskutiert wird. Selbst die Chefetage der Wolfsburger führt die Debatte. Noch-Boss Ferdinand Piëch hetzt gegen die "Geldvernichtungsmaschine"; der künftige VW-Lenker Bernd Pischetsrieder dagegen bekennt sich als "eingefleischten Formel-1-Fan".
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Unter diesen Umständen liegt es nahe, immer und immer wieder nachzuhaken und zu fragen, wer sich denn nun durchsetzen wird. Der ranghöchste Formel-1-Gegner Piëch tritt den VW-Vorstandsvorsitz im April nächsten Jahres an Pischetsrieder ab und wechselt in den Aufsichtsrat. Überhaupt scheint die Anti-Formel-1-Front allmählich zu bröckeln. Denn kürzlich antwortete Piëch auf die derzeit unvermeidliche Frage nach einem VW-Engagement im Rennzirkus für seine Verhältnisse relativ konkret: "Das kann sein."

Die Grundsatzfrage, ob VW nun tatsächlich auch bald mit Vollgas im Kreis mitfährt, scheint damit geklärt. Spannend wird nun das Thema, wie es die Wolfsburger anstellen wollen, im kleinen Kreis der Auserwählten mitzumachen. Generell gibt es zwei Wege in die so genannte Königsklasse des automobilen Rennsports: Entweder VW baut ein komplettes Auto nach Vorbild von Toyota oder Ferrari - oder die Wolfsburger treten lediglich als Motorenlieferant in Erscheinung, wie es auch Honda, Renault, Mercedes oder BMW machen.

Wenn Rennsport-Experten über diese Alternativen sprechen, dann läuft es stets auf letzteres Szenario hinaus: VW wird Motoren liefern und kein komplettes Rennauto in Eigenregie entwickeln. Erstens wäre man so viel schneller am Start, denn um einen Formel-1-tauglichen Wagen zu bauen, bedarf es neben hochqualifiziertem Personal auch mehrere Jahre Zeit.

Und zudem kommt es billiger, nur einen Motor zu entwickeln. Auch diese Frage also scheint geklärt. Und damit ergibt sich schon die nächste, nämlich jene nach dem Team, das in nicht allzu ferner Zukunft mit Motoren aus dem VW-Konzern um WM-Punkte fährt. Zwei Namen werden immer wieder genannt. Der eine lautet Sauber.

Das Schweizer Team von Peter Sauber gilt als idealer Partner für VW. Insider berichten von engen Kontakten zwischen dem Rennstall und Audi. Sauber kauft derzeit für angeblich 60 Millionen Dollar pro Rennserie Ferrari-Motoren. Es handelt sich bei den Triebwerken aus Italien um die Motoren der Vorsaison - also nicht um allerneueste Ferrari-Technik, denn die behalten sich die Italiener für ihre eigenen Rennwagen vor.

Angeblich steht bei Audi ein Zehnzylinder-Motor bereit, der bereits unter Formel-1-Bedingungen getestet wurde. Die "Braunschweiger Zeitung" vermeldete vor wenigen Wochen, das Aggregat leiste 800 PS (592 kW) und drehe bis 17.000 Touren. Doch ob und vor allem in welchem Chassis es zum Einsatz kommen könnte, steht noch nicht fest. Denn neben dem Sauber-Team tauchen in Spekulationen um einen Empfänger eines Motors aus dem VW-Konzern auch immer wieder der italienische Rennstall Minardi und das irische Jordan-Team auf.

Gleichgültig bei welcher Formel-1-Equipe VW in Zukunft als Motorenlieferant einsteigen würde, frühestens wäre dies in der Saison 2003 möglich, denn an eine Hauruck-Aktion mit dem hohen Risiko, im ersten Jahr nur unter ferner liefen mitzufahren, glaubt im Formel-1-Zirkus niemand. Der lange Vorlauf birgt aber andererseits doch die Möglichkeit, dass die finanziellen Ressourcen in Zukunft eben doch einen Verzicht auf den Formel-1-Einstieg nahe legen.

Zumal es im Konzern von einer Seite immer noch heftigen Widerstand gegen Pischetsrieders Renn-Vorliebe gibt. Betriebsratschef Klaus Volkert wurde vor kurzem in der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" wie folgt zitiert: "Dass Herr Pischetsrieder ein Formel-1-Freund ist, heißt doch noch lange nicht, dass VW in die Formel 1 muss. Er geht ja angeblich auch gerne angeln, aber deshalb werden wir in Zukunft kein Fischfutter verkaufen."