VW-Vision für 2028 Grünes Gezwitscher
Ein Samstagnachmittag im Jahr 2028: Vater und Sohn plaudern über die Zeit vor zwanzig Jahren, und Papi erklärt: "Früher fuhren alle Autos mit Benzin." Das Kind ist baff. Und staunt dann noch mehr, als der Vater von Staus erzählt, in denen er "stundenlang stand" und von einem Auffahrunfall, bei dem "ich aber immerhin deine Mutter kennengelernt habe". War es vielleicht doch nicht so schlecht, das Jahr 2008?
So beginnt ein Kurzfilm auf der aufwändig gestalteten Internetseite Volkswagen2028.com , auf der die Niedersachsen zumindest virtuell alle wesentlichen Probleme des Individualverkehrs lösen und eine scheinbar perfekte Welt erschaffen, vor allem in automobiler Hinsicht. Denn in der Welt, die VW virtuell entfaltet, können Autos mit Ampeln kommunizieren, gibt es keine Verkehrsstaus mehr und - scheinbar die größte Überraschung für die Macher dieser Webseite: das Autofahren ist erstens emissionsfrei geworden und macht zweitens trotztdem noch Spaß!
Je nachdem, wie man sich durchs Menü klickt, erscheinen Designer und Entwickler von VW, die in kurzen Interviews Ausblicke auf die automobile Zukunft werfen. Und es gibt auch drei neue Autokonzepte zu sehen, die "one", "ego" und "room" heißen und so aussehen, wie garantiert kein VW im Jahre 2028 aussehen wird. Allerdings fallen zwei Dinge auf: Erstens setzt Volkswagen in Zukunft offenbar ausschließlich auf Kleinwagen - was ja vernünftig wäre, und zweitens trägt ausgerechnet der sportliche Flügeltürer "ego" ein grünes VW-Logo. Auch das ein Hinweis darauf, dass die Einsicht, es könne nicht ewig so weitergehen mit der "Immer-mehr-PS-Gewicht-Luxus"-Doktrin inzwischen auch bei den Entscheidern angekommen ist.
Fünf nicht so ganz neue Visionen entfaltet VW auf der Internetseite. Erstens die Vision vom emissionsfreien Auto. Zweitens die Vision vom Auto als Lebensraum. Drittens die Vision von der vernetzten Mobilität. Viertens die Vision vom unfallfreien Fahren und fünftens die Vision vom Auto nach Maß. Das Gesamtpaket soll in die "Markenvision" münden, dass Volkswagen der innovativste Volumenhersteller der Welt zu sein gedenkt.
Bis 2028 bleibt nur noch wenig Zeit
"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen", sagte einst Helmut Schmidt. Andererseits kann es ja nicht schaden, über die Zukunft nachzudenken und solche Überlegungen dann in eine nachvollziehbare Form zu bringen. Überraschend ist allerdings schon, wie radikal anders VW in Zukunft sein möchte. Angesichts der langen Entwicklungszyklen in der eher trägen Automobilindustrie - zuletzt konnten die deutschen Hersteller ja nicht einmal die selbst gesteckten Ziele zur CO2-Reduzierung erreichen - ist es höchst unwahrscheinlich, dass bis 2028 die auf der Webseite beschworenen, radikalen Veränderungen bereits Realität geworden sind.
Warum dann ein solcher Aufwand? Allein um zu veranschaulichen, "dass auch ohne Emissionsausstoß noch mehr Fahrspaß generiert werden kann", wie Jochen Sengpiehl, Marketing-Leiter der Marke Volkswagen Pkw es ausdrückt. Die schöne neue Auto-Welt wird jedoch kaum durch noch mehr Elektronik in den Fahrzeugen oder noch sauberere Motoren allein Wirklichkeit werden. Das Umdenken müsste grundsätzlicher sein.
Es gibt zum Beispiel ein emissionsfreies, sportliches, billiges, gesundes, ausgereiftes und durchaus lustvoll zu nutzendes Kurzstreckentransportmittel. Es heißt Fahrrad. Und davon profitiert sogar VW, denn gerade erst wurde die Zubehör-Kollektion der Wolfsburger um vier neue Fahrrad-Modelle erweitert. Doch offenbar sind Drahtesel in der Welt des Jahres 2028, wie sie Volkswagen sieht, ausgestorben.