Werben per Kinofilm: Das Autoleben ist schön! - DER SPIEGEL
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Werben per Kinofilm Das Autoleben ist schön!

Pixar macht die Leinwand zur Rennstrecke. Die Disney-Tochterfirma bringt am 7. September den Animationsfilm "Cars" in die Kinos. Opel nutzt die ebenso rührselige wie lustige Geschichte um "Lightning McQueen" als Rahmen für eine neue Werbekampagne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Reifen quietschen, die Achtzylinder bollern, und in einem Höllentempo jagen die Autos über den Speedway. Nur noch eine Runde, dann steht der Gewinner des wichtigsten Rennens der Saison fest. Oder auch nicht. Denn selbst in der Zeitlupe können die Juroren nicht entscheiden, ob der begehrte "Piston Cup" an den alten Champion Strip Weathers, an seinen fiesen Konkurrenten Chick Hicks oder an den überdrehten Grünschnabel Lightning McQueen geht. Deshalb bitten sie zu einem Extra-Finale, eine Woche später, 5000 Kilometer weiter am anderen Ende des Landes. Damit wäre die Geschichte des neuen Pixar-Films "Cars" eigentlich schon erzählt.

Doch Autos sind auch nur Menschen. Deshalb ist der vollständig im Computer entstandene Blechkisten-Blockbuster eben nicht Rennreportage, sondern Roadmovie aus einer wunderbaren Welt, in der Tankstellen zu Drive-In-Restaurants werden, Reifenhandlungen zu Schuhgeschäften und Werkstätten zu Body Shops. Und richtig spannend wird es, wenn Lightning die Rundstrecke verlässt und auf Umwegen im richtigen Leben landet.

Im Schlaf kullert der Held vom Autotransporter

Weil er auf der Fahrt Richtung Westen im Schlaf aus seinem Renntransporter rollt, verschlägt es den Helden auf die legendäre Route 66. Auf der "Mutter aller Straßen" kommt er in das Wüstennest Radiator Springs, in dem die Zeit stehen blieb, als der Highway durchs Nachbartal gebaut wurde. Er trifft auf Autos, die so gar nichts mit dem Rennzirkus zu tun haben: Den rostigen Abschleppwagen Hook, den Fiat 500 namens Luigi, der in der "Casa della Tires" die neueste Schuhmode verkauft, den 42er Army-Jeep Sarge, der sich regelmäßig mit seinem Flowerpower-Nachbarn Bully von der Tankstelle "Organic Fuels" in die Putzwolle kriegt, den strengen Bürgermeister Doc Hudson und die charmante Porsche-Lady Sally, mit dem neckischen Tatoo unter dem Heckspoiler.

Sie alle holen den Helden runter von der Überholspur und zeigen ihm, dass Leben mehr ist als ein Rennsieg. Klar, dass Lightning es trotzdem rechtzeitig zum Rennen schafft. Und auch der Ausgang wäre ziemlich vorhersehbar – wenn da nicht die neu erwachten Moralvorstellungen den Zieleinlauf durcheinander bringen würden. Doch egal, ob er nun als Erster oder Letzter die karierte Flagge sieht: Sieger wird Lightning auf jeden Fall. Und aus dem einsamen, überdrehten Star wird ein sympathischer Kerl, auf den in Radiator Springs zum ersten Mal im Leben ein paar echte Freunde warten – und der kuschelige Kotflügel der kessen Sally.

Drei Jahre lang wurde der Film im Computer bearbeitet

Technisch ist der Film ein Meilenstein: Weil die Rechner in San Francisco nun etwa tausend Mal schneller sind als noch bei "Toy Story" vor zehn Jahren und sich die Designer für ein einzelnes Bild im Schnitt 17 Stunden Zeit gelassen haben, sind Animation und Wirklichkeit nach drei Jahren Produktionszeit kaum mehr zu unterscheiden. Wenn Lightning McQueen mit Hudson Hornet durch die Wüste jagt oder mit Sally eine romantische Abendausfahrt macht, dann wirken Staubwolken, Laub und die Gischt aus den Pfützen so echt, als flögen da tatsächlich Wüstensand, Blätter oder Wassertropfen.

Aber "Cars" ist nicht nur ein Erlebnis für die Augen. Weil Pixar Synchronsprecher mit Benzin im Blut gewonnen hat, kommen auch die Ohren auf ihre Kosten. So hört man eben nicht nur Daniel Brühl als Lightning McQueen, Rick Kavanian und Christian Tramitz aus der Bully Parade als Reifenhändler Luigi und fiesen Renngegner Chick Hicks sowie Nadja Tiller als Grand Dame. Sondern die Formel-1-Kommentatoren Heiko Wasser und Christian Danner mimen die Rennreporter, Cora Schumacher spricht zwei dralle Boxenluder, Niki Lauda leiht seine Stimme dem alternden Champion The King und sogar Michael Schumacher und Mika Häkkinen haben Gastauftritte.

Opel nutzt die "Cars"-Filmwelt für eine Werbekampagne

Mit diesem Sujet ist "Cars" natürlich prädestiniert für die Kooperation mit einem Autohersteller und damit eine willkommene Bühne für Pixar-Partner Opel. Zwar kommen die einzigen Autos, die im Film von Europäern auf Anhieb erkannt werden, aus Stuttgart, Wolfsburg, Turin und Maranello. Doch um "Cars" herum haben die Rüsselsheimer reichlich Gelegenheit, sich zu positionieren. Für Marketing-Vorstand Alain Visser ist das Projekt ein weiterer Schritt zur Emotionalisierung der Marke: "Damit legen wir nahe, dass unter der Haube mit dem Blitz eine gute Seele wohnt."

Die Werbekampagne wurde nicht, wie sonst üblich, aus Filmszenen zusammen geschnitten, sondern tatsächlich von der Pixar-Crew gezeichnet. Also rollt auch der Astra GTC mit den Augen, der Meriva bekommt ein sympathisches Eigenleben, und der Zafira zeigt echte Gefühle, wenn das Trio durch Radiator Spring rollt und für "Incredible cars, unbelievable deals" wirbt.

"Cars"-Regisseur John Lasseter zu diesen Überstunden zu überreden, dürfte nicht schwer gewesen sein. Schließlich sagt der Mann von sich selbst, dass in seinen Adern außer Zeichentusche auch Motoröl fließe. Das verdankt er seiner Jugend, die er zu großen Teilen in dem kalifornischen Chevrolet-Autohaus verbracht hat, in dem sein Vater das Ersatzteillager verwaltete. "Irgendwie gehöre ich damit ohnehin zur GM-Familie."

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