Wiesmann-Manufaktur: Gecko aus Metall - DER SPIEGEL
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Wiesmann-Manufaktur Gecko aus Metall

Dülmen, an der Autobahn 43 zwischen Recklinghausen und Münster gelegen, ist ab diesem Wochenende um eine Attraktion reicher. Der Sportwagenhersteller Wiesmann hat nämliche eine neue Produktionshalle errichtet - über die sich ein riesiger Gecko schmiegt.
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Tiere als Symbole für Automarken sind ja nichts seltenes. Ferrari hat das Pferd, Peugeot den Löwen, Lamborghini den Stier, Jaguar den Jaguar - und Wiesmann den Gecko. Den Haftzeher haben sich die Gebrüder Martin und Friedhelm Wiesmann deshalb zum Markenemblem erkoren, weil ihre Autos am Asphalt kleben sollen wie das kleine Reptil an Wänden und Decken. 1988 entwickelten die Wiesmanns ihren ersten Sportwagen - einen Roadster im Retrodesign mit moderner Antriebstechnik. In den vergangenen 20 Jahren erblühte die Firma zum potenten Kleinserienhersteller, verkaufte seit dem Produktionsstart im Jahre 1993 rund 850 Fahrzeuge. Jetzt eröffnet Wiesmann sogar eine neues Produktionsgebäude.

Der Clou der neuen Manufaktur ist ein riesiges Gerüst in Form eines Geckos, das sich über die neuen Hallen spannt. Für rund 7 Millionen und in zwei Jahren Bauzeit entstand das Ensemble. Allein der Gecko ist 155 Meter lang, die Schwanzspitze ragt 30 Meter hoch in Nordrhein-Westfalens Himmel und rund 50 Tonnen Metall sowie 250 Kubikmeter Holz und 550 Quadratmeter Glas wurden für die Tierskulptur verbaut.

Es sieht so aus, als laufe da eine XXL-Eidechse über die Fertigungsanlagen, in denen knapp 100 Mitarbeiter die feinen Roadster und Coupés weitgehend in Handarbeit bauen. "Manufaktur der Individualisten" nennt sich das Unternehmen gern, in dem es nicht einen Roboter und keine Montagebänder gibt. Stattdessen wird werkeln Sattler, Mechaniker, Dreher, Elektroniker und Schweißer rund 350 Stunden an einem Auto, bis es fertig ist.

Sogar die Kabelbäume werden individuell gefertigt

Die Sportwagen werden ganz nach den Wünschen der Kunden gebaut. Ob es sich um das Leder des Lenkrads handelt, die Farbe des Verdecks oder die Elektrik, die im Auto installiert sein soll - stets ist die Wahl der Käufer ausschlaggebend. Und so heißt es bei Wiesmann nicht ohne Stolz, es seien in der kompletten Firmengeschichte noch nicht zwei Autos mit zum Beispiel identischen Kabelbäumen ausgeliefert worden. Die wesentliche Technik der drei angebotenen Modelle ist dann allerdings doch identisch: Motoren, Getriebe und Bremsen bezieht Wiesmann nämlich von BMW.

Das jüngste Modell, der erst vor kurzem vorgestellte Wiesmann MF5 etwa, wird vom Motor aus dem BMW M5 befeuert, einem V10-Zylinder mit einer Leistung von 507 PS. Das dramatisch geformte Coupé mit den barocken Backen um die Räder rennt in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht nach Werksangaben eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h. "Der MF-5 ist die ideale Abrundung unserer Modellpalette nach oben", sagt Martin Wiesmann. Das trifft auch auf die Preispalette zu. Der MF5 kostet rund 179.000 Euro, die Modelle MF4 (116.000 Euro) und der Roadster MF3 (100.000 Euro) sind etwas günstiger - und auch nicht ganz so üppig motorisiert.

Im Kopf des Geckos werden die Kunden bedient

Wie in der Autowelt inzwischen üblich, werd am Stammsitz des Unternehmens in Dülmen die Fahrzeuge nicht nur produziert, sondern es wird auch die Marke zelebriert. Auch deshalb wurde das neue Gebäude errichtet. Denn im Kopf des Architektur-Geckos findet das neue Kundenzentrum der Marke Platz. Außerdem können Besucher von einer Galerie aus einen Blick in die Fertigungshalle werfen. Und natürlich gibt es einen Shop mit Wiesmann-Devotionalien, eine Restaurant und eine Eventfläche für spezielle Veranstaltungen.

Obwohl Wiesmann teure und exklusive Autos baut, gibt sich das Unternehmen bodenständig. Für ein etwas anderes Herangehen an das Thema Luxus-Sportwagen waren die Wiesmann-Brüder schon immer zu haben. Als das erste Auto fertig, aber kein Geld mehr für Werbung übrig war, buchte Friedhelm Wiesmann Anfang der neunziger Jahre während des Tennis Turniers am Hamburger Rothenbaum ein Zimmer im gleichen Hotel wie die meisten Spieler. Für ein Extra-Trinkgeld parkte der Portier den Wiesmann-Roadster direkt vor dem Hoteleingang - und prompt zog das Auto das Interesse von André Agassi, Boris Becker und Pete Sampras auf sich. Natürlich stand wie zufällig Friedhelm Wiesmann in der Nähe, erklärte dies und das, lud zur Probefahrt und interessierte so nicht nur potenzielle Kunden für das Auto mit dem Gecko, sondern auch die Presse.