Wild-Crashtest Achtung, Schwein von links!
Tod durch Zusammenprall - allein in Deutschland kollidieren jedes Jahr etwa 210.000 Wildtiere mit Autos. Immer wieder kommen bei solchen Karambolagen auch Menschen zu Schaden. Im vergangenen Jahr wurden bei Wildunfällen 2700 Pkw-Insassen verletzt, 14 starben sogar infolge dieser Crashs. Wie gefährlich Wildunfälle sein können, hat das Sachverständigen-Unternehmen Dekra jetzt unter möglichst realistischen Bedingungen untersucht.
Die Wild-Crashtests fanden am Rande eines Waldstücks in Marsberg im Sauerland statt. Erstmals zum Einsatz kamen dabei drei Wild-Dummies von Reh, Dammhirsch und Wildschwein in Originalform, -größe und gewicht. Drei Autos kollidierten mit jeweils 55 km/h mit jeweils einer Tierattrappe - und bei allen drei Fahrzeugen entstand ein wirtschaftlicher Totalschaden aufgrund des Aufpralls gegen die 25 bis 90 Kilo schweren Tierfiguren. Die Dummies in den Fahrzeugen wiederum wiesen keine auffälligen Belastungen auf, es hätte in diesen Fällen also keine akute Gefahr für die Insassen bestanden. Allerdings: Es bleibt ein Restrisiko.
Gefahr durch hochgeschleuderte Tierkörper
Der 70 Kilogramm schwere Hirschdummie etwa wurde beim Zusammenstoß mit dem Auto hoch geschleudert und prallte gegen die Windschutzscheibe. Bei höheren Geschwindigkeiten könnte ein Tierkörper im Extremfall durch die Scheibe in den Innenraum krachen und die Insassen schwer verletzen. Vor allem Unfälle mit größeren Tieren, deren Schwerpunkt höher liegt als die Fahrzeugfront, bergen ein enormes Gefahrenpotenzial.
Die Sachverständigen raten daher, auf mit "Wildwechsel"-Verkehrszeichen gekennzeichneten Strecken die Geschwindigkeit zu reduzieren und vor allem morgens und abends mit erhöhter Aufmerksamkeit zu fahren. Gerät ein Tier in den Lichtkegel der Scheinwerfer, sollte sofort gebremst und gegebenenfalls abgeblendet werden. Außerdem ist es ratsam zu versuchen, das Tier durch Hupen zu verscheuchen. Springt ein Tier überraschend auf die Straße, bleibt nur eine Möglichkeit: Vollbremsung und das Lenkrad gut festhalten.
Bitte keine Ausweichmanöver!
Ein Ausweichmänover sollte man nur in Ausnahmefällen einleiten, denn wer vor Tieren ausweicht und von der Fahrbahn abkommt, kann seinen Versicherungsschutz verlieren, wenn er den Hergang des Unfalls nicht durch Zeugen oder Tierspuren am Fahrzeug nachweisen kann. Verreißt man das Lenkrad in Richtung Gegenfahrbahn, könnte es zu einem schweren Unfall mit entgegenkommenden Fahrzeugen kommen. Wer also vor Tieren ausweicht, sollte absolut sicher sein, dass er weder entgegenkommende noch folgende Verkehrsteilnehmer gefährdet.
Nach einem Wildunfall gilt grundsätzlich: Die Unfallstelle sichern, verletzte Tiere nicht berühren, tote Tier von der Fahrbahn entfernen und die Polizei informieren. Der Schaden wird von der Versicherung auf Grund des Polizeiprotokolls oder einer Bescheinigung des zuständigen Försters reguliert. Haare und Blut am Fahrzeug gelten dabei als Beweismittel und sollten zunächst nicht vom Auto entfernt, sondern am besten dort auch fotografiert, werden.
jüp