Winterfahrtraining: Schleudern wie James Bond - DER SPIEGEL
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Winterfahrtraining Schleudern wie James Bond

Im Winter kommt so manches Auto ins Rutschen. Denn auch Winterreifen und Allradantrieb sind keine Sicherheitsgarantie bei Eis und Schnee. In speziellen Winterfahrkursen lernt man, auch bei widrigsten Bedingungen die Kontrolle über sein Fahrzeug zu behalten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Angebot der verschiedenen Trainingskurse ist enorm: vom exklusiven Wochenend-Seminar in St. Moritz über abenteuerliche Schlidderpartien am Polarkreis bis zum bodenständigen Tagestermin für Fahranfänger am Nürburgring. Doch ob in den Alpen oder in Sichtweite der Nordschleife - in allen Winterkursen sollen die Fahrer fit gemacht werden für eisige Straßenverhältnisse. Denn gerade weil Autos heute mit Winterreifen und elektronischen Fahrhilfen immer komfortabler auch bei miesen Wetterbedingungen zu fahren sind, wiegen sich viele Fahrer in einer trügerischen Sicherheit.

"Im Winterfahrtraining wird vor allem die Bedeutung eines adäquaten Fahrstils vermittelt", sagt daher Maike Zill von Volvo. Der schwedische Autohersteller bietet gleich drei verschiedene Kurse an, in denen die Teilnehmer ordentlich ins Schleudern kommen: in Pontresina bei St. Moritz im schweizerischen Engadin, am Polarkreis in Nordschweden und am Nürburgring. Vor allem beim Wochenende in der Schweiz soll es trotz der winterlichen Kälte "heiß hergehen", verspricht der Veranstalter.

Unter dem Motto "Power in the Powder" dürfen die Winterfahr-Trainees auf einer eigens angelegten Schnee- und Eispiste - eine Kuhwiese wird zu Saisonbeginn geflutet - an die Grenzen ihres Fahrzeugs und ihres fahrerischen Könnens gehen. Neben der korrekten Sitz- und Lenkposition - viele Autofahrer sitzen zu lässig und zu weit vom Lenkrad entfernt hinterm Steuer - bekommen die Lernwilligen auch die berüchtigte Agentenwende gezeigt: Dabei bekommen die Hobby-Bonds gezeigt, wie man bei voller Rückwärtsfahrt das Lenkrad gekonnt herumreißt, sich um 180 Grad dreht und dann flott vorwärts weiterfährt. Um ihr Auto müssen die Teilnehmer dabei nicht bangen - Volvo stellt die Fahrzeuge, allesamt neue Modelle aus der aktuellen Flotte. Das nächste Seminar findet vom 10. bis 11. Februar statt und kostet ab 450 Euro pro Person.

Nahezu alle großen Autohersteller bieten solche kostspieligen Winterworkshops an, wobei Flüge und Unterkunft in Luxus-Herbergen meist im Preis inbegriffen sind. Audi bittet zum Beispiel an zwei Terminen im Februar im Norden Schwedens in Idre in der Provinz Dalarna zum Basistraining "Drift and More" (2650 Euro). Porsche fährt mit seinen Winterfahrschülern für vier Tage nach Rovaniemi in Finnland (ab 3200 Euro).

Mercedes sucht die Schneegarantie in Östereichs höchstgelegenem Wintersportort Kühtai und bietet ein Wintertraining in gestellten C-, E- und S-Klasse-Modellen an (995 Euro). BMW wiederum lässt seine Teilnehmer in Österreich im beliebten Skiort Sölden das Anfahren am verschneiten Pass üben (1190 Euro). Und auch Jaguar will zeigen, dass seine Wildkatzen gerne im Schnee spielen. Allerdings ist die exklusive Fortbildung im Schweizer Wintersportort Gstaad nur Mitgliedern der Jaguar Owners Club vorbehalten - man bleibt halt auch im Winter gern unter sich.

Doch um sich fit zu machen für winterliche Straßenverhältnisse, muss man nicht erst in die Alpen oder an den Polarkreis reisen - auch in Deutschland werden entsprechende Tageskurse angeboten. Auf dem 160.000 Quadratmeter großen Testgelände des Fahrsicherheitszentrums Nürburgring können Fahranfänger zwischen 18 und 25 Jahren im rund siebenstündigen Programm "Winter Fit" (99 Euro) erste Erfahrungen mit rutschigem Asphalt machen.

"Jungen Autofahrern fehlt natürlich besonders die Routine, in kritischen Situationen angemessen zu reagieren", sagt Instruktor Sven Schöniger. "Wenn das Auto ins Schleudern gerät und das Heck ausbricht, hat man ohne entsprechendes Training kaum eine Chance." Deshalb fahren alle Teilnehmer so lange über einen speziellen Schleudersimulator, bis sie ihr Fahrzeug im Griff haben. Dabei schiebt eine in den Boden eingelassene Hydraulikplatte die Hinterachse des darüber fahrenden Autos abrupt zur Seite und simuliert so das hektische Lenkradverreißen, das den meisten Autofahrern zum Beispiel bei einem plötzlich auf der Straße auftauchenden Hindernis unterläuft.

Auch routinierte Fahrer können am Nürburgring noch einiges dazulernen. In den Kursen "Winter Special" (ab 129 Euro) und "Winter Compact" (69 Euro) wird den Teilnehmern vor allem vermittelt, ihr Fahrzeug auch im Grenzbereich sicher zu steuern (für alle drei Kurstypen gibt es zwei bis drei Termine im Monat). Zwar wird dabei nur auf Schnee trainiert, wenn es auch geschneit hat - Schneekanonen stehen nicht bereit. Doch bietet das riesige Gelände in der Nähe der berühmten Rennstrecke spezielle Gleitbeläge und künstlich bewässerte Asphaltstrecken, die dem unsicheren Geläuf schmieriger Winterstraßen ziemlich nah kommen.

Die Autos der Workshop-Schüler kommen dabei nicht zu Schaden, verspricht Winter-Trainer Schöniger. "Fahrzeug und Fahrer verlassen das Gelände so, wie sie zuvor hineingekommen sind. Wer während des Kurses über die Stränge schlägt und besonders cool fahren will, wird von uns schnell wieder eingenordet."