Winterlager: Neonröhren lassen Reifen altern - DER SPIEGEL
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Winterlager Neonröhren lassen Reifen altern

Das Auto wird gewienert, gewachst und gesaugt - und die Reifen? Die bekommen allenfalls etwas Luft. Doch gerade wenn jetzt auf Winterreifen umgerüstet wird, verdienen die eingelagerten Sommerpneus ein bisschen mehr Liebe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kommen die Winterreifen zum Einsatz, dürfen die Sommerreifen ins Winterquartier. Und dabei sollte man auf eine artgerechte Haltung achten. Denn Reifen können, auch wenn man es den rustikalen Automobil-Dienstleistern nicht ansieht, äußert sensibel sein. Bevor die Sommerreifen überhaupt das Fahrzeug verlassen, sollte ihr Luftdruck um 0,5 bar erhöht werden, damit sie während des langen Winterschlafs nicht schlapp machen.

Dann nimmt man ihr Profil in Augenschein und untersucht die Lauffläche und Seiten auf etwaige Schäden. Wer sich erinnert, in der Vergangenheit ein paar unschöne Schlaglöchern oder Bordsteinkanten mitgenommen zu haben, sollte besonders genau nach möglichen Rissen oder Quetschungen suchen. Denn sonst droht einem in der nächsten Saison bei schönstem Ausflugswetter plötzlich ein unversehens ein Plattfuß. Mit einem kleinen Schraubenzieher werden außerdem Steinchen und andere Fremdkörper aus dem Profil entfernt. Dann kann man mit einem Stück Kreide die Position der Reifen auf dem Gummi markieren, damit sie im nächsten Jahr wieder an gleicher Stelle zum Einsatz kommen: VL für vorne links, VR für vorne rechts...

Nun werden die Reifen abgenommen. Der Wechsel sollte auf einem geraden und festen Untergrund vorgenommen werden - Kopfsteinpflaster zum Beispiel wäre keine gute Wahl. Im Wagen wird die Handbremse angezogen und zudem ein Gang eingelegt. Darauf lockert man mit einem Radkreuz oder Radschlüssel die Radmuttern, ohne sie gleich vollständig abzudrehen. Erst dann bockt man das Auto mit Hilfe des Wagenhebers auf. In der Nähe der Reifen ist der Unterboden verstärkt, nur an diesen Stellen darf der Heber angesetzt werden. Sodann werden die Radmuttern gelöst, die Sommerreifen abgenommen und die Winterkollegen aufgezogen. Deren Schrauben übrigens erst dann über Kreuz festziehen, wenn der Wagen herabgelassen wurde.

Die abmontierten Reifen müssen trocken, kühl und vor allem dunkel gelagert werden. Sie dürfen nicht mit Öl, Benzin oder Fetten in Berührung kommen. Mit Felgen können sie an der Wand an entsprechenden Haken oder Felgenbäumen aufgehängt oder aufeinander gestapelt liegend zur Ruhe gelegt werden. Allerdings sollten sie nicht länger als eine Saison in der horizontalen Position verbringen. Ohne Felgen müssen Reifen aufrecht stehend die Zeit bis zum nächsten Straßeneinsatz verbringen, weil ihr Eigengewicht die Karkasse schädigt.

Wichtig ist, dass die Reifen keinem Sonnenlicht und keinem künstlichen UV-Licht ausgesetzt ist. "Vor allem das Licht von Neonröhren lässt Reifengummi überproportional schnell altern", sagt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk. Denn der UV-Anteil im Röhrenkunstlicht wandelt Sauerstoff in Ozon um, das wiederum mit dem Reifengummi reagiert. "Deshalb raten wir, Reifen nicht in Räumen mit elektrischen Geräten wie zum Beispiel Kühlschränken zu lagern, die den Ozongehalt in der Luft beeinflussen", so Reifenexperte Drechsler.

Natürlich gibt es für den korrekten Umgang mit den schwarz-runden Sensibelchen auch Profis: Reifenhändler, Werkstätten und oft auch Tankstellen bieten einen entsprechenden Service an. Das Reifenwinterquartier kostet im Schnitt etwa sieben Euro pro Pneu.