Winterurlaub Achtung, Stau!
Die Koffer sind gepackt, das Auto ist bis obenhin beladen - der heiß ersehnte Winterurlaub steht vor der Tür. Rauf auf die Autobahn, und schon bald folgt die erste Ernüchterung: Irgendwie hatten alle die Idee, gerade heute in den Urlaub zu fahren. Stoßstange an Stoßstange quälen sich die mit Skiboxen bestückten Autos gen Süden. Glücklich ist, wer eine Thermoskanne Tee oder Kaffee dabei hat, vielleicht ein Hörbuch und die Wolldecke, falls für Stunden gar nichts mehr gehen sollte.
Doch dazu muss es nicht kommen. Verkehrsexperten raten, wenn es sich vermeiden lässt, nicht gerade am ersten Ferientag und möglichst nicht an einem Sonnabend loszufahren. Doch gerade das sind natürlich die Zeiten, zu denen die meisten Urlauber in den Urlaub aufbrechen müssen - wegen der Schulferien oder der Hotelreservierung. Allen, die an Ferienzeiten gebunden sind, rät Michael Schreckenberg, Verkehrsforscher an der Universität Duisburg-Essen: "Nachts loszufahren ist ein großer Vorteil. Da sind die Straßen leer, weil viele Urlauber traditionell lieber tagsüber fahren. Familien profitieren außerdem davon, dass die Kinder dann schlafen und man sich besser auf die Fahrt konzentrieren kann." Die beste Zeit zum Start in den Urlaub, so der Verkehrsexperte, sei 2 Uhr nachts.
Doch trotz ausgeklügelter Abreise lassen sich Staus nicht immer vermeiden. Laut ADAC-Staubilanz wird es zur Winterreisesaison auf den süddeutschen Autobahnen A 8 zwischen München und Salzburg und A 9 zwischen Nürnberg und München besonders schlimm. Denn auf diesen Winterurlauber-Pisten sind nicht nur Reisende aus dem gesamten Bundesgebiet, sondern vor allem auch viele Wochenendurlauber aus der Umgebung unterwegs. Weitere potenzielle Engpässe: die A 3 zwischen Frankfurt, Würzburg und Nürnberg, die A 7 zwischen Würzburg und Kempten, das Nadelöhr A 99 (Münchner Autobahnring) und die A 93 zwischen Inntaldreieck und Kufstein.
In den Warteschlangen aus Blech sind die bundesdeutschen Urlauber keinesfalls unter sich - jeder Stau ist multikulturell. Vor allem die lieben Nachbarn aus den Niederlanden beteiligen sich gerne an der Pilgerfahrt in den Süden. Für die Saison 2004/2005 haben die fahrenden Holländer - je nach Provinz - zu diesen Terminen Ferien: vom 25. Dezember 2004 bis 9. Januar 2005, vom 5. bis 13. Februar 2005 beziehungsweise 12. bis 20. Februar 2005. Dann schwappt die oranje Welle über bundesdeutsche Autobahnen - vor allem über die A3.
Und die könnte sich in dieser Winterurlaubssaison als besondere Staufalle entpuppen, da zwischen Köln-Dellbrück und dem Autobahndreieck Heumar in beiden Richtungen bis zum 31. Dezember 2005 Bauarbeiten durchgeführt werden - daher ist nur eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erlaubt, Staus sind vorprogrammiert. Denn auch im Winter gibt es viele Baustellen - obwohl dort selten gearbeitet wird. Reiner Walsch vom ADAC: "Die meisten Baustellen gibt es im Herbst, um Schäden noch vor dem Frost zu beheben. Im Winter dann ruhen viele Baustellen, allerdings werden die nicht immer abgebaut, so dass die Verkehrsbehinderung weiterhin besteht." Daher sollte man sich bei der Urlaubsplanung unbedingt über mögliche Baustellen informieren. Zum Beispiel auf der Internetseite des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen.
Es gibt aber auch Staugründe, die sich nicht gut im Voraus einkalkulieren lassen. Unfälle zum Beispiel, im Winter übrigens häufig auch von Fahrzeugen mit Sommerreifen verursacht. Um böse Überraschungen zu vermeiden, macht es Sinn, den Abfahrtszeitpunkt flexibel zu halten und sich vorher über die aktuelle Verkehrslage zu informieren (siehe Infokasten).
Staus können allerdings auch komplett umfahren werden, und zwar mit dem Autozug. Verbindungen werden von verschiedenen deutschen Städten angeboten, die Züge fahren nach München, Lörrach und Lindau sowie nach Österreich, Italien, Frankreich und in die Schweiz (siehe Infokasten). Die Kosten können sich durchaus mit den derzeitigen Benzinpreisen messen. Für die Wintersaison von November bis April gibt es Bahn-Werbe-Schnäppchen: Für 9,90 Euro kann man auf allen Strecken sein Auto mitnehmen. Das Kontingent allerdings ist sehr begrenzt.