WM-Autokorsos Parade der Flaggenwagen
Hamburg/Frankfurt - Der Fahnenrausch kennt keine Grenzen: In ganz Deutschland rollen Fußballfans nach den WM-Spielen in ihren geschmückten Autos durch die Innenstädte. Allerdings können manche Anhänger in ihren Karossen ausgelassener jubeln als andere. Denn nicht alle Fahrzeuge eignen sich gleichermaßen für einen flaggengeschmückten Autokorso.
Der Klassiker unter den "Jubel-Autos" ist natürlich das Cabrio, egal ob es von VW, Audi, BMW oder einem anderen Hersteller kommt. Ob sitzend oder stehend - in einem dachfreien Wagen kennt die Begeisterung keine Grenzen. Und natürlich hinterlassen die feiernden Insassen auch bei anderen Verkehrsteilnehmern besonders nachhaltigen Eindruck. Etwas weniger auffällig, aber immer noch gut geeignet sind Autos mit Schiebedach - auch hier spielt nicht der Hersteller, sondern nur die Größe der Dachöffnung eine Rolle. Schon Kleinwagen können viel Spaß machen. In Berlin wurde beispielsweise ein als "Fußballkönig" geschmückter Fan gesichtet, der mit seiner Fahne gerade noch durch die Luke passte.
Auf dem dritten Platz landet die einfachste Version eines WM-Mobils: Ob hochgekurbelt, um ein Fähnchen einzuklemmen, oder runtergesurrt, um sich jubelnd hinauszulehnen - Fenster gibt es an jedem Wagen. Einzig die niedrigen Fenster schnittiger Limousinen wirken beim Fahnenwedeln eher hinderlich. Da kann das gute Stück schon mal auf die Straße fallen.
Gut zu wissen deshalb, dass die Haftpflichtversicherung zahlt, wenn eine vom Auto abgefallene Flagge einen Schaden an anderen Fahrzeugen oder Personen verursacht. Dabei spielt es laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin keine Rolle, ob die Fahne ordnungsgemäß angebracht war oder nicht.
Pech haben Geschädigte allerdings, wenn sich der Verursacher nicht mehr ausmachen lässt: Dann müssen sie selbst für den Schaden aufkommen. Autobesitzer können in solchen Fällen zwar ihre Vollkaskoversicherung bemühen, müssen aber eine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse in Kauf nehmen.
Weil es mittlerweile rund um die Autokorsos immer häufiger zu Schäden kommt, will die Polizei jetzt allerdings härtere Saiten aufziehen. Stellvertretend forderte die Polizei in Frankfurt/Main alle Fans auf, "die elementaren Grundsätze der Verkehrssicherheit" zu beachten - und warnte vor einer Liste möglicher Straftaten, die so manchem Fan den Spaß am Autokorso verderben dürfte. Darunter sind Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, also etwa Missachtung von Halte- oder Parkverboten und verbotenes Hupen. Ferner listeten die Beamten Verkehrsbehinderungen, Missachtung von Lichtzeichen, die Gurtpflicht, aber auch Verstöße gegen das Strafgesetzbuch wie Nötigung, Gefährdung und Trunkenheit am Steuer auf - alles Sünden, die den Fahrer teuer zu stehen kommen können.
Milde walten lassen - das wollen die Ordnungshüter nun nicht mehr. Für Teilnehmer von Autokorsos gebe es selbst nach dem tollsten Spiel keine Sonderrechte, hieß es. Bei Verstößen will die Polizei deshalb künftig konsequent und unnachgiebig vorgehen. Im Klartext: Auto-Jublern, die zu weit gehen, drohen Verkehrsstrafen und Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten.
Da kann ein fußballbegeisterter Autofahrer in Brasilien, der sich ein ganz spezielles Fan-Mobil ausgerüstet hat, froh sein, dass er nicht auf deutschen Straßen unterwegs ist: Auf der Ladefläche seines kunterbunten Pick-Ups fuhr er eine Kuh spazieren. Natürlich trug das Hörnertier ein Leibchen, das aus der Nationalflagge geschneidert war.
har/dpa/gms