Wohnmobil extrem Rasender Zweitwohnsitz
Wohnmobil extrem: Sehr sauber und sehr schnell
Solche Augenblicke lieben Danny Brink und Heinrich Bloemer - wenn sie mit dem Reisemobil auf die linke Spur wechseln, um sich dort an BMW-X5- oder Mercedes-E-Klasse-Modelle heranzusaugen. Während die rollenden Wohncontainer sonst eher als Verkehrshindernisse gelten, geht der Hymer-Umbau der Herren Brink und Bloemer schon fast als Sportwagen durch. Die beiden arbeiten als Entwickler bei der Zuliefererfirma Goldschmitt aus Walldürn und haben jetzt das schnellste Reisemobil der Welt auf Basis eines auf Basis eines Fiat Ducato gebaut. Bislang hatte ein VW-Bus, der von Karmann auf knapp 300 PS aufgebohrt worden war, den inoffiziellen Titel inne - mit beinahe 200 km/h. Bei Testfahrten haben Brink und Bloemer diese Marke schon übertroffen, im April sollen unter Beisein von Juroren des Guinness-Buchs der neue Rekord offiziell eingefahren werden.
Möglich wird die Raserei im Reisemobil durch ein neues Motorkonzept - dem Gas-Diesel. Während Benzin-Pkw längst auf Erd- oder Flüssiggas umgerüstet werden, gebe es das für Dieselfahrzeuge noch nicht, sagt Bloemer. Das Problem: Während sich Diesel in der durch hohen Druck erwärmten Luft selbst entzündet, brennt das Gas nicht ohne Zündfunken. Der Trick des neuen Motors: Beide Brennstoffe werden kombiniert. Das Autogas wird bereits im Saugrohr mit der Frischluft vermengt, und dann reicht es, eine kleine Menge Diesel in den Zylinder einzuspritzen, um das Gemisch zur Explosion zu bringen. "Die Hälfte der sonst üblichen Menge Sprit reicht völlig aus", sagt Entwickler Bloemer. "Den Rest ersetzen wir durch das Flüssiggas, und sparen so Sprit und verringern den CO2-Ausstoß.
Stärker machen lässt sich der Motor damit auch. Um die Erfindung bekannt zu machen, katapultierten Bloemer und Brink den 2,3 Liter großen Dieselmotor von Fiat in eine neue Leistungsklasse. Statt 120 PS leistet die Maschine nun 198 PS, und während das Serienmodell 310 Nm Drehmoment entwickelt, geht die getunter Variante mit 420 Nm zu Werke. Allerdings läuft der Motor manchmal noch etwas unrund und ab und an steigt schwarzer Rauch auf. Doch im Grunde funktioniert der neue Antrieb.
Passend zum stärkeren Motor wurde ein tiefer gelegtes Fahrwerk mit strafferer Abstimmung entwickelt. Außerdem wurden Unterboden und Seitenscheiben besser verkleidet um den Luftwiderstand zu drücken. Und um einen wuchtigen Auftritt sicherzustellen, rollt das Wohnmobil auf eigens angefertigten 22-Zoll-Rödern mit 265er Niederquerschnittreifen.
Damit auch betagte Wohnmobile in die Umweltzonen fahren dürfen
Bloemer ist zwar auch Rennfahrer, doch um die Raserei gehe es in diesem Fall nicht, erklärt er. Vielmehr zielt die Erfindung auf tausende von Wohnmobilfahrern, denen die aktuellen Schadstoffgrenzwerte einen Strich durch die Reiseplanung machen. "Es gibt in Deutschland etwa 500.000 Reisemobile, von denen die Hälfte nach Euro II oder schlechter eingestuft ist. Und das bedeutet, diese Autos erhalten eine rote Umweltplakette", erklärt Bloemer. Weil zudem viele Städte die Regelungen für die Umweltzonen verschärfen wollen, müssen zahlreiche Wohnmobile künftig draußen bleiben. "Es sei denn", sagt Bloemer, "diese Autos werden umgerüstet." Denn mit der Verbrennung von Gas geht der CO2-Ausstoß zurück und auch die alten Fahrzeuge erfüllen die Euro-IV-Werte.
Eine solche Umrüstung würde wohl zwischen 6000 und 8000 Euro kosten. Allein durch Ersparnis beim Tanken ist diese Summe nicht wieder hereinzuholen. Doch das Hauptargument der Entwickler ist nicht das Geld, sondern der uneingeschränkte Aktionsradius. Dabei kommt ihm die Mentalität der Auto-Urlauber entgegen. "Die Fahrzeuge werden in der Regel viele Jahre gefahren und nicht so oft erneuert wie ein Pkw. Da investieren die Kunden eher in die Modernisierung, zumal Reisemobile natürlich auch teurer sind als konventionelle Autos", erläutert Goldschmitt-Sprecher Thomas Seidelmann.
Der Traum von der neuen Nordschleifen-Rekordzeit für Wohnmobile
Obwohl das Rekord-Mobil nur als Blickfang und nicht als Prototyp für die Serienfertigung gedacht war, könnten die Entwickler wohl auch mit dem schnellsten Reisemobil der Welt Geschäfte machen. Seit das Auto auf der Messe CMT in Stuttgart debütierte, klingelt in Walldürn das Telefon. "Zwei Dutzend Autos hätten wir schon verkaufen können. Und dass, obwohl der Umbau schon ohne Basisfahrzeug wohl noch rund 40.000 Euro kosten würde", sagt Firmensprecher Seidelmann.
Auch Fahrwerksentwickler und Testfahrer Brink hat Gefallen am heißen Hymer gefunden. Zwar trägt er die Rennfahrerkluft nur zum Fototermin, doch die für April angesetzte Rekordfahrt auf der Teststrecke in Papenburg kann er kaum erwarten. Nachdem bei ersten Messungen bereits 207,6 km/h erreicht und damit das Guinness-Soll erfüllt wurde, werden nun mindestens 230 km/h angepeilt. Und Brink träumt bereits vom nächsten Rekord. Auf der Nordschleife des Nürburgrings legte der Karmann-Umbau des VW T5 eine Elf-Minuten-Runde hin. Brink: "Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir das nicht knacken könnten."