Abt Q7 Testosteron-Thron
Der Audi Q7 an sich ist schon ein gewaltiges Auto. Ein SUV mit bis zu sieben Sitzen der allein aufgrund seiner Größe Eindruck macht, der mindestens 48.900 Euro kostet - aber in der Grundausstattung zu diesem Preis wohl nie bestellt wird - und von dem bis einschließlich Mai knapp 4000 Modelle in Deutschland neu zugelassen wurden. Der wuchtige Allradler kommt also trotz seiner kapitalen Ausmaße bei Autofahrern mit dem Willen zu einem stählernen Statement an.
Doch wer glaubt, mit dem 5,08 Meter langen, 1,98 Meter breiten, 1,73 Meter hohen und rund 2,3 Tonnen schweren Wagen sei bereits ein Maximum erreicht, der irrt. Die Kemptener Firma Abt Sportsline, ein Tuningunternehmen mit 150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro, hat vor kurzem den Abt Q7 fertig gestellt. Mehr als 100 Exemplare der klotzigen SUV-Umbauten sind laut Firmensprecherin Marieke Teunissen bereits verkauft. Rund 18.000 Euro kostet die Brachial-Kosmetik, die allerdings nicht nur die Optik betrifft.
Die Allgäuer Auto-Anspitzer verändern nämlich die Motorelektronik des gegenwärtigen Q7-Grundmodells, so dass der 3-Liter-V6-TDI-Diesel danach nicht mehr 233 PS leistet, sondern 272 PS. Zugleich steigt durch den Eingriff der Programmierer das maximale Drehmoment von 500 auf 580 Nm. Mit anderen Worten: Es lässt sich mit diesem Allradler reichlich Gummi geben - zumal Abt das Modell mit großspurigen 22-Zoll-Rädern ausstattet, auf denen 305er-Reifen mit extrem niedrigem Querschnitt sitzen. Die Fünfspeichen-Leichtmetallfelge mit dem Namen AR ist neu im Angebot und steht durch ihre eher filigrane Optik in krassem Kontrast zum Rest-Auto.
An allen Rändern der Karosserie schwillt und quillt der Wagen quasi aus der Form: Die Kotflügel wuchern noch ein paar Millimeter weiter hervor als beim Serienauto, die Seitenleisten sind fetter, der Frontspoiler ist markanter herausgearbeitet, und am Heck gibt es einen grotesk geschwungenen Dachflügel sowie ein sogenanntes Schürzenset inklusive vier Auspuff-Endrohren, ein jedes für sich genommen mit gut acht Zentimeter Durchmesser eigentlich ein Fall für die Klempnerinnung. Positiv ist zu vermerken, dass ein Rußpartikelfilter die ausströmenden Abgase reinigt.
"Die allermeisten Kunden", versichert Abt-Sprecherin Teunissen, "bestellen die Karosserieteile in der gleichen Lackfarbe, die auch das Auto trägt". Optisch ist das zweifelsfrei zu befürworten. Das Abt-Showcar jedoch, an dem zur besseren Erkennbarkeit die Anbauten in "Orange Perleffekt" gefärbt sind, sieht aus wie Obelix, der in einen Kessel mit Schminke gefallen ist. So kommt es, dass man sich im Stadtverkehr am Steuer dieses Wagens vorkommt, wie sich sonst wohl nur Promis fühlen - denn immer wieder fixieren Passanten den Abt Q7, andere Autofahrer starren verstört, mancher grinst oder feixt, einige schütteln den Kopf.
Selbstdarstellungstrieb trifft auf Kontostand
Es ist irritierend, sich vorzustellen, was die Leute von demjenigen halten, der so ein Auto fährt. Man hockt in dem Wagen wie auf einem Testosteron-Thron und ahnt, dass dezente Gemüter sich mit Grausen abwenden. Verdenken kann man es ihnen nicht, denn wozu ein solches Aufbrezeln wirklich nützlich sein soll, kann niemand erklären. Andererseits: Der menschliche Trieb, es den anderen mal so richtig zu zeigen, ist sehr stark. Wenn dieser Trieb auf den entsprechenden Kontostand trifft, wird ein Auto wie der Abt Q7 zur Option. In Vollausstattung mit allen Schikanen kostet der übrigens 89.581 Euro, das Basismodell im Abt-Trimm fängt bei immerhin 67.181 Euro an.
Das Kopfschütteln würde vermutlich zunehmen, wüßten die Betrachter folgende Daten: Der Abt Q7 kann mit bis zu 218 km/h über die linke Spur gepresst werden, und wer das Gaspedal voll durchtritt, erreicht aus dem Stand in 8,9 Sekunden Tempo 100. Vor allem in den Golfstaaten und in Rußland, so hört man aus Kempten, erfreue sich der getunte Q7 großer Beliebtheit. Und weil das so ist, tüfteln die Abt-Ingenieure bereits an der nächsten Q7-Ausbaustufe. In dieser soll das Serienmodell mit dem 4,2-Liter-V8-Benzindirekteinspritzer dank eines Kompressors zu neuen Höchstleistungen aufgestachelt werden. Noch im Herbst soll das Modell verfügbar sein.