Alfa Romeo 159: Zurück auf Start - DER SPIEGEL
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Alfa Romeo 159 Zurück auf Start

Alfa Romeo ruft den Beginn einer neuen Zeitrechnung aus: Mit dem neuen Alfa 159 sei die Marke bereit für das Label "Premium". Noch in diesem Jahr möchte der Konzern 2000 Exemplare in Deutschland verkaufen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Alfa ist Premium!" wiederholen die Verantwortlichen derzeit mantramäßig. Das Postulat, stets mit Ausrufezeichen versehen, ist zugleich ein Eingeständnis, dass Alfa Romeo - trotz mancher Ansätze dazu - bislang keine Premiummarke war. Nun aber wollen die Italiener aufschließen in den Kreis der Audi-BMW-Jaguar-Mercedes-Koalition und dort die Rollen des Energiebündels, Verführers und Papagallos spielen. Das Modell 159 soll erstmals alle Ansprüche an "technologische und substanzielle Qualitäten" erfüllen, wie der neue Deutschland-Chef der Italiener, Werner H. Frey es formuliert. Das von Giorgetto Giugiaro designte Auto steht ab sofort bei Händlern, noch in diesem Jahr möchte Alfa Romeo 2000 Exemplare in Deutschland verkaufen.

Als "außergewöhnliche vertrauensbildende Maßnahme" für Kunden, die von der betörenden Optik des Wagens angezogen, von Vorbehalten gegenüber der Dauerhaltbarkeit jedoch abgestoßen werden, hat sich Alfa für den 159 etwas Besonders ausgedacht: Die Kosten der vorgesehenen Wartungen einschließlich der Wechsel von Motoröl und Ölfilter sind in den ersten drei Jahren oder bis maximal 120.000 Kilometer Laufleistung im Kaufpreis enthalten. Werner Frey hat ausgerechnet, dass dies einem "Kundenvorteil von zirka 700 Euro bei den Modellen mit Benzinmotor und 1200 Euro bei den Dieselfahrzeugen entspricht". Die Italiener hoffen, mit diesem schlau eingefädelten Rabatt Ressentiments hinsichtlich der Qualität endlich beseitigen zu können.

Erste Eindrücke, wie die Alfa-Uhren seit neuestem ticken, lassen sich auch auf einer Probefahrt sammeln. Noch bevor es losgeht, trübt sich jedoch das Urteilsvermögen, denn der 159 ist, sofern man empfänglich ist für die Botschaften blecherner Formen, die ausdrucksstärkste und formal eleganteste Limousine der Mittelklasse. Allein die Frontpartie mit dem "Scudetto" genannten Kühlergrill, der gepfeilten Motorhaube, dem wie eine Zigarette im Mundwinkel lässig an der Seite positionierten Nummernschild und den sechs angeschnittenen Rundscheinwerfern weckt mehr Emotionen als bei anderen Marken das komplette Auto. Allerdings weiß auch Alfa, siehe oben, dass Schönheitspreise zwar schmeichelhaft sind, in der Endabrechnung aber keine Rolle spielen.

Fahreindrücke sind da schon entscheidender. Das Modell mit dem Einstiegsbenziner, ein Vierzylindermotor mit Direkteinspritzung und beachtlichen 160 PS (118 kW), zum Beispiel hinterlässt einen guten Eindruck. Die Maschine gibt sich drehfreudig, das Lenkgefühl ist trotz des Vorderradantriebs ausgesprochen fein und präzise, das Sechsganggetriebe raschelt manchmal metallisch, lässt sich aber ordentlich und mit sportlich kurzen Bewegungen bedienen. Leider tritt man in einem Alfa zu oft zu stark aufs Gas, was am kernigen Klang des Motors liegt, der bei höherer Drehzahl durchaus eine Gänsehaut auslösen kann.

Das Cockpit ist vergleichsweise eng geschnitten, die Bedienelemente auf der Armaturentafel neigen sich dem Fahrer zu, die Rundanzeigen für "Benzina", "Acqua" und "Olio" krönen - ganz in alter Sportwagenmanier und als stete Erinnerung, in einem italienischen Auto zu sitzen - das Tastenfeld. Die Sitze sind erstklassig, die Sicht nach hinten beim Rückwärtsfahren ist es nicht. Hier schränkt das tolle Design erstmals den praktischen Umgang mit dem Wagen ein. Ein anderes Beispiel dafür ist der nicht gerade luftig geschnittene Fond, ein weiteres der Kofferraum. Mag ein Fassungsvermögen von 405 Litern ausreichend sein, die kleine Luke und die hohe Ladekante machen das Ein- oder Ausladen zumindest mühsam.

Im Vergleich zum Vorgängermodell 156 ist das neue Modell in allen relevanten Dimensionen ein wenig gewachsen, bei den Materialien im Innenraum und der Verarbeitung der Details jedoch ist der Neue gleich mehrere Schritte vorangekommen. Zumindest stellt sich dieser Eindruck nach einem ersten Betasten, Befummeln und Ausprobieren ein; ob er trügerisch ist, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Auf jeden Fall positiv zu vermerken ist die umfangreiche Serienausstattung, zu der unter anderem ESP, ABS, sieben Airbags (inklusive Knieairbag für den Fahrer), Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn und hinten, CD-Musikanlage und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen gehören.

Hersteller:Alfa Romeo
Typ:Alfa 159
Karosserie:Limousine
Motor:Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer
Hubraum:1.859 ccm
Leistung PS:160 PS
Leistung kW:118 kW
Drehmoment:190 Nm
Von 0 auf 100:9,7 Sek.
Höchstgeschw.:212 km/h
Verbrauch (ECE):8,7 Liter
CO2-Ausstoß:206 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Kofferraum:405 Liter
Versicherung (HP):16 €
Versicherung (TK):23 €
Versicherung (VK):19 €
Preis:26.700 €

Zunächst bietet Alfa den 159 mit drei Dieselmotorisierungen (120 bis 200 PS/ 88 bis 147 kW) inklusive Rußpartikelfilter sowie zwei Benzinvarianten (160 und 185 PS/ 118 und 136 kW) an. Gegen Ende des Jahres wird dann das Topmodell antreten, unter dessen ausmodellierter Haube ein 3,2-Liter-V6-Motor mit 260 PS (191 kW) steckt, der seine Kraft via permanenten Allradantrieb auf die Straße bringt. Im kommenden Jahr folgt dann die Sportwagon genannte Kombiversion des Wagens, von der sich Alfa einen deutlichen Zuwachs verspricht. Insgesamt 11.000 Modelle der Baureihe 159 sollen im nächsten Jahr in Deutschland abgesetzt werden. Weil die Mehrzahl davon mit einem Selbstzünder motorisiert sein wird, hat Alfa die Preisliste entsprechend gestaffelt, sie beginnt mit dem Alfa 159 mit 1,9-Liter-Dieselmotor bei 25.900 Euro.

Der Neuanfang bei Alfa ist also gemacht. Demnächst folgt das Sportcoupé Brera, im kommenden Frühling dann der neue Spider. Beide basieren übrigens auf einer verkürzten Plattform des 159. "Die Autos werden unsere Marke wieder dorthin führen, wo sie hingehört in Europa", sagt Werner Frey. Am Aussehen wird das gewiss nicht scheitern, alles andere wird sich zeigen.