Alfa Romeo Mito Mini milanese
Die Uhr tickt. Fiat will seine dynamische Tochtermarke Alfa Romeo zurück zu alter Stärke führen. Und Alfa-Markenvorstand Luca de Meo hat dafür genau zwei Jahre Zeit. Denn am 24. Juni 2010 feiert das Cuore Sportivo, das sportliche Herz des Fiat-Konzerns, seinen 100. Geburtstag. Bis dahin soll sich Alfa vom Sorgenkind zum Sonnenschein wandeln. Um das zu erreichen, setzt der oberste Alfisti auf eine groß angelegte Produktoffensive. "Bis zu diesem Datum wird es mehr neue Alfa Romeo geben als in den letzten zehn Jahren zusammen", kündigt de Meo an und startet die Aufholjagd mit einem gewaltigen Paukenschlag.
Denn als Ouvertüre des großen Neuheiten-Konzerts schickt Alfa jetzt den Mito ins Rennen. Der erste Kompaktwagen von Alfa Romeo will das sportlichste Auto seiner Klasse sein und versucht, den Rückenwind des quasi über Nacht ausverkauften Supersportwagens 8C zu nutzen. Wie das leidenschaftliche Coupé soll auch der kleine Dreitürer die Herzen im Sturm erobern und die Brieftaschen italophiler PS-Freunde öffnen. Der seltsame Name Mito steht dabei für den Mythos, den Alfa wieder auffrischen möchte. Und er steht für die Alfa-Heimat Mailand(Autokennzeichen: MI) und den Fiat-Stammsitz Turin (TO), an dem der Wagen produziert wird.
Die italienische Marke setzt wie gewohnt vor allem auf das Design, das für de Meo das Konzentrat der Markenidentität ist. Zwar besteht beim Mito keine Verwechslungsgefahr mit der Flunder 8C, aber kaum ein Kleinwagen hat einen so süßen Kussmund wie der Mito, keiner klimpert so verführerisch mit den Scheinwerferaugen, und keiner hat eine so kesse Kehrseite wie der 4,06 Meter kurze Kerl.
Auch innen gibt der Mito den Sportler. Je nach Ausstattung trägt er dunkles Leder, schillernde Chrom-Konsolen oder bunt eingefärbtes Karbon-Imitat. Das Cockpit ist eine tiefe, dunkle Höhle mit rot glühenden Instrumenten und die stark ausgeformten Sitze geben dem Fahrer guten Seitenhalt. Allerdings ist die Materialauswahl an manchen Stellen arg nachlässig und das Platzangebot eher bescheiden. Vorne sitzt man noch ganz ordentlich. Doch die Rückbank hat Alfa aus gutem Grund nur für zwei Leute ausgelegt. Den aufpreispflichtigen dritten Platz sollte man nur deshalb bestellen, weil es dann auch eine geteilte Rücklehne gibt. So lässt sich wenigstens der nur 270 Liter fassende Kofferraum erweitern.
Das technische Gerüst stammt von Fiat Grande Punto
Technisch basiert der in nur 16 Monaten entwickelte Mito auf dem Fiat Grande Punto. Die gesamte Plattform erhielt Verstärkungen, das Fahrwerk wurde aufwändiger gestaltet und härter abgestimmt, die Lenkung direkter ausgelegt und die Spur ist deutlich verbreitert, sagt Entwicklungschef Harald Wester. Als Beweis für die Ambitionen des Mito dient den Italienern auch die kleine Schaltwippe auf der Mittelkonsole, die das Kürzel DNA trägt und an das legendäre Manettino der Konzern-Schwestermarke Ferrari erinnern soll.
Wie bei den Rennern aus Maranello kann man mit diesem serienmäßig installierten System auf Knopfdruck den Charakter des Fahrzeugs ändern. Je nach Stellung des Wählhebelchens ändert die Elektronik den Toleranzbereich des ESP, die Empfindlichkeit des Gaspedals und die Unterstützung der Servolenkung. Den Unterschied im Fahrverhalten spürt man auf Anhieb. Und im nächsten Jahr sollen zusätzlich auch Federn und Dämpfer sowie die Schaltpunkte der Doppelkupplung (die ab kommendem Frühjahr erhältlich sein soll) variiert werden.
Ob die Kundschaft wirklich den Knirps mit 155 PS bestellt?
Wegen der sportlichen Zielsetzung gibt sich Alfa mit kleinen Motoren gar nicht erst ab. Zwar steht für sparsame Einsteiger ein 1,4-Liter-Aggregat mit 95 PS zur Verfügung, doch rechnen die Marketingleute kaum mit Zuspruch für diese Version. Und auch dem 120 PS starken 1,6-Liter-Diesel traut Alfa nur wenig zu. Den Löwenanteil erwarten die Planer von einem aufgeladenen 1,4-Liter-Motor, der es mit 155 PS krachen lassen soll. Bei einem Leergewicht des Mito von 1,2 Tonnen macht dieses Aggregat eine ordentliche Figur. Über den Sprintwert von 8,0 Sekunden kann man ebenso wenig klagen wie über 215 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Doch lichterloh brennt das Feuer noch nicht: Dafür wirkt der Vierzylinder gerade beim Anfahren zu müde und braucht zu hohe Drehzahlen. Auch das Getriebe könnte knackiger sein. Trotzdem macht der Kleine großen Spaß: Er verbeißt sich förmlich in die Straße und macht Lust auf jede Kurve. Zumindest bis Audi das Konkurrenzmodell A1 an den Start bringt, hat der Mito durchaus das Zeug zum ernstzunehmenden Herausforderer des Mini.
Serienmäßig sind ESP und sieben Airbags an Bord
Im Vergleich mit dem Bayern aus Britannien ist der Mito zudem ein Schnäppchen. Die Preise beginnen in Deutschland bei 14.700 Euro und liegen damit rund 1500 Euro unter dem Mini. Und die beiden stärkeren Varianten haben bei einem Grundpreis von jeweils 17.950 Euro die Nase noch deutlicher vorn. Allerdings ist die Ausstattung eher knauserig. An der Sicherheit wird zwar nicht gespart - ESP, sieben Airbags und aktive Kopfstützen sind an Bord. Doch rollt der Schönling auf schnöden Stahlrädern vor und eine Klimaanlage gibt es auch erst in den gehobenen Varianten. Bestellt man den starken Motor, das gehobene "Turismo"-Niveau und ein paar der netten Extras, kommt man leicht auf 25.000 Euro.
Sieht man von ein par Parallelen im Design ab, mag sich die angebliche Nähe von Mito und 8C nicht so richtig erschließen. Und auch zum Titel Spitzensportler im Reich der Zwerge reicht es noch nicht. Diese Kritik ficht Alfa-Chef de Meo nicht an. Schließlich weiß er, was seine Entwickler noch auf Lager haben. Und jeden der am Potenzial des Mito zweifelt, beruhigt er mit der Aussicht auf das Muskel-Modell GTA, das mit einem aufgeladenen 1,8-Liter-Motor brachiale 230 PS leisten soll. "Damit wird der Mito nicht nur zum dynamischsten Auto in dieser Klasse. Sondern dann muss sich sogar der 8C in acht nehmen."