Aston Martin DBS Superleggera: Very Ferrari
Autogramm Aston Martin DBS Superleggera Die Retourkutsche
Der erste Eindruck: Futuristischer Fighter - oder wie der Designer des Wagens, Marek Reichmann, sagen würde: "Brute in a Suit" - eine Bestie im Anzug.
Das sagt der Hersteller: "Mit dem DBS Superleggera kehren wir an die Spitze des Gran Turismo-Segmentes zurück", erklärt Aston-Martin-Chef Andy Palmer und stichelt gegen "einen roten Wagen aus dem Süden", ohne das aktuelle Ferrari-Topmodell Superfast beim Namen zu nennen. Selbst die Bezeichnung des Aston Martin sei eine Art Retourkutsche, sagte Designer Reichmann einer Nachrichtenagentur bei der Premiere des Fahrzeugs. Zwar tauchten sowohl DBS als auch Superleggera seit über 50 Jahren immer mal wieder in der Nomenklatur der Briten auf. Aber der italienische Begriff "Superleggera" (Superleichtgewicht) sei auch eine Reaktion auf das englische "Superfast" (Super schnell) im Beinamen des Ferrari 812.
Aston Martin DBS Superleggera: Very Ferrari
Das ist uns aufgefallen: Auch dieser Aston Martin hält sich an die ungeschriebenen Gesetze des automobilen Adels. Wo andere Autos seines Kalibers gerne betont dick auftragen, gibt der DBS Superleggera den Supersportwagen mit Stil. Keineswegs haben die Ingenieure bei der Aerodynamik gepatzt. Im Gegenteil: Die dezent kaschierten Luftleitwerke erzeugen bei Vollgas bis zu 180 Kilo Abtrieb und pressen das Auto damit fester auf die Straße als bei jedem anderen Aston-Martin-Serienmodell zuvor.
Auch innen fühlt man sich im DBS eher wie in einer Suite, solange man nicht versucht, auf die Rücksitze zu klettern, die allenfalls als erweiterte Ablage taugen. Ja, die Sessel bieten spürbaren Seitenhalt - aber sie sind eben auch mit dickerem und weicherem Leder bezogen, als in manch einer Luxuslimousine. Dahinter steckt hohe Sattlerkunst - die der Fahrer in Form des Lenkrads sogar in den Händen halten kann. Wo man hinschaut - überall edle Materialien wie in einem Bentley oder Rolls-Royce, nur dass Aston auch da nicht ganz so dick aufträgt.
Fahrerisch ist der DBS über alle Zweifel erhaben - was kein Wunder ist bei einem V12-Motor mit 725 PS und 900 Nm. Der Sprintwert von Null auf 100 beträgt nur 3,4 Sekunden, das Spitzentempo liegt bei 340 km/h. Das Flaggschiff der Briten hält es wie ihr berühmtester Markenbotschafter James Bond: Der DBS bewegt sich stilvoll und mit perfekten Manieren, er federt weich und komfortabel und durch die Kurven schwingt er mehr als dass er kratzt. Doch der Aston besitzt noch einen zweiten Charakter, der sich mit einem festen Tritt aufs Gaspedal zeigt. Die eben noch so seidige Schaltung wechselt die Gänge plötzlich mit Vehemenz, der Kraftschluss zwischen Asphalt und Gummi ist dem elektronisch geregelten Fahrwerk wichtiger als ein sänftengleicher Komfort.
Doch bei aller Begeisterung für das Auto stellt sich eine Frage, die der DBS auch nach einem Tag Testfahrt nicht beantworten kann: Warum sollte jemand, der das Geld hat, nicht einfach einen DB11 kaufen? Denn das neue Flaggschiff setzt sich nur wenig vom nächst kleineren Modell ab. Im Vergleich zum DB11 AMR hat der DBS nur 85 PS mehr, und die noch luxuriösere Ausstattung des Superleggera rechtfertigt keinen Aufpreis von 60.000 Euro.
Das muss man wissen: Der DBS Superleggera nutzt die gleiche Architektur wie der DB11 und der Vantage und damit auch die Elektronik, die Aston Martin beim Kooperationspartner Mercedes-AMG einkauft. Dazu gehören die digitalen Instrumente, verschiedene Assistenten, eine automatische Abstandsregelung und die Infotainment-Ausstattung. Damit ist der DBS dem Vanquish zwar um Längen voraus. Aber weil AMG nur die zweitneueste Mercedes-Technik weitergibt, fehlt ausgerechnet dem vielleicht feinsinnigsten Supersportwagen zum Beispiel ein Touchscreen.
Der Motor dagegen kommt aus Köln: Auf dem Werksgelände von Ford bauen Mitarbeiter von Aston Martin den 5,2 Liter großen Zwölfzylinder mit zwei Turbos. Kombiniert wird der Motor mit einer Achtgang-Automatik von ZF, die zugunsten der ausgeglichenen Gewichtsverteilung in der sogenannten Transaxle-Bauweise im Heck montiert ist.
Anders als der DB11 besitzt der DBS immerhin ein paar mehr Karosserieteile aus Karbon, das wirkt sich auch aufs Gewicht aus. Doch bei knapp 1700 Kilo Leergewicht ist es mit "Superleggera" nicht ganz so weit her.
Das werden wir nicht vergessen: Den vergoldeten Öldeckel, den außer dem Mechaniker nie jemand zu Gesicht bekommen wird. Das zeugt von einem Stil, den man bei Ferrari vergeblich sucht. Im Zweifel ist dort ein Billigteil aus dem Fiat-Regal verbaut.
| Hersteller: | Aston Martin |
|---|---|
| Typ: | DBS Superleggera |
| Karosserie: | Coupé |
| Motor: | V12-Zylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer |
| Getriebe: | 8-Gang-Automatik |
| Antrieb: | Heck |
| Hubraum: | 5.204 ccm |
| Leistung PS: | 725 PS |
| Drehmoment: | 900 Nm |
| Von 0 auf 100: | 3,4 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 340 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 12,3 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 285 g/km |
| Kraftstoff: | Super |
| Gewicht: | 1.693 kg |
| Preis: | 274.995 € |