Audi A3 Die Extrawurst
Die Grundzutaten stammen aus Wolfsburg. Die Plattform mit der Kennziffer PQ35 ist das derzeit wichtigste Autogerüst des VW-Konzerns. Der kürzlich vorgestellte VW Touran basiert darauf, der neue VW Golf wird sie ebenfalls bekommen. Aber noch vor dem ewigen Bestseller kommt ein direkter Golf-Konkurrent mit dieser technischen Basis auf den Markt: der neue Audi A3.
Im Bemühen, das Premium-Image der Ingolstädter Marke auch im Marktsegment der Kompaktautos aufrechtzuerhalten, wird der Wagen derzeit als "sportlichstes Modell seiner Klasse" vorgestellt. Zum Verkaufsstart am 9. Mai wird der A3 bereits mit einem 2,0-Liter-Benzin-Direkteinspritzer mit 150 PS (110 kW) angeboten. Im Herbst soll dann eine Variante mit 3,2-Liter-V6-Motor mit 250 PS (184 kW), Allradantrieb und automatisch schaltendem Sportgetriebe (DSG) die Spitze der Sportlichkeit markieren.
Doch Audi weiß, dass die Premium-Masche nicht überdehnt werden darf. Der A3 ist kein Nischenprodukt, sondern ein Massenmodell. Von dem in Ingolstadt gebauten Auto sollen noch in diesem Jahr 120.000 Expemplare verkauft werden, rund die Hälfte davon in Deutschland. Mit solchen Zielen ist es ratsam, die Exzentrik nicht zu übertreiben, und genau das gelingt dem A3. Er ist ein feines Brot-und-Butter-Auto, belegt mit ein paar Scheiben Extrawurst.
Das Design des Autos ist geradlinig, grafisch und minimalistisch geworden. Die Karosserie wurde geringfügig breiter und einen Hauch niedriger als beim Vorgängermodell. Die Linien verlaufen nun noch strenger, die optischen Reize sind noch sparsamer eingesetzt. Der einzige Spaß, den sich die Designer erlaubten, sind die leicht angeschrägten Scheinwerfer, was dem Auto einen dezent "bösen Blick" gibt. Ein typischer Audi, das gilt auch für die Einrichtung des Innenraums.
Die Gebläsedüsen und die Streben an der Mittelkonsole kennt man aus den TT-Modellen. Die Armaturentafel und das wunderbar klar gezeichnete Cockpit sind ebenfalls keine Überraschungen. Einzig der zackig geformte Handbremshebel ist neu in dieser wohl vertrauten Umgebung. Die Kehrseite des sportlich-straffen Äußeren ist leider eine eingeschränkte Sicht nach hinten. Die Seitenscheiben im Fond, wo übrigens exzellenter Sitzkomfort herrscht, beginnen erst in Schulterhöhe, und auch die Heckscheibe ist ziemlich flach geraten. Wer den A3 allabendlich nicht in einen Carport navigieren kann, sondern auf Parkplatzsuche gehen muss, sollte über die Bestellung der akustischen Einparkhilfe (330 Euro) nachdenken.
| Hersteller: | Audi |
|---|---|
| Typ: | A3 1.6 |
| Karosserie: | Kompaktwagen |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.595 ccm |
| Leistung PS: | 102 PS |
| Leistung kW: | 75 kW |
| Drehmoment: | 148 Nm |
| Von 0 auf 100: | 11,9 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 185 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 7 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 166 g/km |
| Kofferraum: | 350 Liter |
| umgebaut: | 1.100 Liter |
| Versicherung (HP): | 14 € |
| Versicherung (TK): | 31 € |
| Versicherung (VK): | 13 € |
| Preis: | 18.850 € |
Dem sportlichen Ansatz des A3 angemessen, rückt das Marketing natürlich die PS-starken Modelle in den Vordergrund. Doch was kann das Basismodell eines Premium-Autos? Wir waren mit dem A3 1.6 unterwegs, unter dessen Haube der Einstiegsmotor sitzt. Der Vierzylinder-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum leistet 102 PS (75 PS) und läuft ausgesprochen sanft und harmonisch. Dieser Eindruck setzt sich auch beim Fahren fort. Klar ist der Wagen kein Sportler, aber ein durchaus flottes Fahrzeug ist er allemal. Das Fünfgang-Schaltgetriebe lässt sich präzise bedienen, und mit der elektromechanischen Servolenkung kann man den Wagen praktisch um den Finger wickeln.
Fahrwerk, Kurvenverhalten, Überholvermögen - alles bestens. Schon nach ein paar Dutzend Kilometern mit dem Magersten der A3-Familie drängt sich die Frage auf, wozu wesentlich mehr Leistung für dieses Auto eigentlich gut sein sollte. Vielleicht, weil man häufig Sumo-Ringer chauffieren muss oder weil ein kleiner Schumi III in einem steckt. Im Alltagsgebrauch jedenfalls ist es nicht nötig.
Bei der Ausstattung des technisch so souveränen A3 wird es ein wenig wirr. Das Sicherheitspaket mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung EBD, elektronischer Differenzialsperre EDS, Anti-Schlupf-Regelung ASR, ESP sowie sechs Airbags ist ab Werk sehr ordentlich. Okay ist auch die Standardausrüstung mit einer geteilten und umklappbaren Rücksitzlehne, geschwindigkeitsabhängiger Servolenkung, elektrisch einstellbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern, höhenverstellbarem Fahrersitz und einer heizbaren Heckscheibe. Dann aber blickt man in die Liste mit den Sonderausstattungen und entdeckt Dinge wie Fußmatten für den Fond (40 Euro), Getränkehalter in der Armaturentafel (15 Euro), Nebelscheinwerfer (160 Euro), Mittelarmlehne (120 Euro) oder eine Klimaanlage (1390 Euro), die trotz Premium-Anspruch extra bezahlt werden müssen. Bei einem Grundpreis des A3 von 18.850 Euro wirkt das dann doch etwas geizig. Aber angeblich ist Geiz ja geil.