Audi A4 Cabriolet: Offen für Zweitwagen - DER SPIEGEL
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Audi A4 Cabriolet Offen für Zweitwagen

Chefsekretärinnen, Zahnarztfrauen und Boutiquen-Besitzerinnen dürfen sich freuen. Fast zwei Jahre musste die Stamm-Klientel des Audi Cabriolets auf den Nachfolger warten. Ende April rollt der offene Viersitzer zum Händler.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Auto war überfällig. Fast zehn Jahre lief das alte Cabrio vom Band. Dass die Ingolstädter sich mit der Neuauflage Zeit ließen, hatte den schlichten Grund, dass die Verkäufe des alten Cabrios bis zum Auslaufen der Produktion im Juli 2000 "auf konstant hohem Niveau lagen", wie Audi-Marketing-Mann Martin Götze zugibt. Was umso erstaunlicher ist, als dieser Wagen noch auf dem alten Audi 80 basierte und während der zehnjährigen Laufzeit kaum geändert wurde.

Beim ersten A4 hatte Audi auf eine Cabrio-Version verzichtet. Diesmal folgt das Cabriolet unmittelbar nach dem Start der zweiten A4-Baureihe, auf dessen technischer Basis auch die Open-Air-Variante aufbaut.

Aluminium-Leichtbau-Fahrwerk Achskonstruktion und Motoren stammen aus Audis aktueller Mittelklasse-Limousine. Für die sportliche Trimmung wurde das Cabrio-Chassis um 20 Millimeter tiefer gelegt. Auch optisch lehnt sich das Cabrio eng an die A4-Limousine. Vorne fallen die Klarglas-Scheinwerfer und der Frontscheibenrahmen aus Aluminium ins Auge, am Heck die beiden runden Auspuffendrohre. Die Seitenlinie gefällt durch ihre dezente Keilform und dem bändig abschließenden Verdeckkasten. Dank aerodynamischem Feinschliff beträgt der cW-Wert bei geschlossenem nur 0,30 und 0,33 bei geöffnetem Dach.

Letzteres funktioniert in 25 Sekunden elektrohydraulisch per Knopfdruck vom Mitteltunnel aus oder über den Zündschlüssel im Türschloss. Auf den Showeffekt per Funkfernbedienung wie beim Opel Astra Cabrio haben die Ingolstädter leider verzichtet. Das winterfeste Verdeck mit beheizbarer Glasheckscheibe stammt vom Cabrio-Spezialist Karmann, auf dessen Bändern im westfälischen Rheine auch der ganze Wagen montiert wird.

Der Innenraum spiegelt das übersichtliche Cockpit der A4-Limousine wieder, kombiniert mit einigen Design-Zitaten aus dem TT, wie etwa den leicht schräg liegenden Rundinstrumenten oder den alu-umrandeten Lüftungsdüsen. Vier Passagiere finden in dem 4,57 Meter langen und 1,77 Meter breiten Fahrzeug ausreichend Platz.

Enger wird's da schon mit dem Gepäck. Geschlossen stehen im Heck 315 Liter Volumen für die berühmten "zwei Golf-Bags" zur Verfügung, offen schrumpft das Fach auf 246 Liter Volumen. Serienmäßig gibt's dafür eine Durchladeöffnung für Skier oder Snowboards. Ebenso wie eine automatische Abschließfunktion für das Handschuhfach.

Für die passive Sicherheit sorgen eine mit Rohren und Querverstrebungen verstärkte Karosseriestruktur, Front- und Seiten-Kopfairbags in den Vordersitzen sowie Schutzbügel, die bei einem Überschlag in Sekundenbruchteilen hinter den Fondsitzen herausfahren. Dazu wurde das Cabrio gegenüber der Limousine zusätzlich mit allerlei hochfesten Blechen, Hilfsrahmen und Diagonalstreben verstärkt, was dem Ganzen die notwendige Steifigkeit verleiht, an denen es so manchen offenen Gefährten mangelt. Ob glatter Belag oder Rüttelpiste, der Wagen bleibt nahezu unerschütterlich, weder Knarzen noch Knistern stören den Fahrgenuss. Allerdings bedeutet die Versteifung 150 Kilogramm Mehrgewicht.

Hersteller:Audi
Typ:A4 Cabriolet 3.0
Karosserie:Cabrio/Roadster
Motor:V6-Benziner
Hubraum:2.976 ccm
Leistung PS:220 PS
Leistung kW:162 kW
Drehmoment:300 Nm
Von 0 auf 100:7,8 Sek.
Höchstgeschw.:243 km/h
Verbrauch (ECE):9,7 Liter
CO2-Ausstoß:230 g/km
Kofferraum:315 Liter
umgebaut:246 Liter
Versicherung (HP):16 €
Versicherung (TK):37 €
Versicherung (VK):22 €
Preis:38.800 €

Die bei unseren ersten Testfahrten mit den beiden zum Marktstart angebotenen Sechszylinder-Motoren nur wenig zu spüren waren. Einzig der kleinere der beiden, ein 2,4-Liter-V6 mit 125 kW (170 PS), erfordert bei Steigungen ein wenig Schaltarbeit.

Das künftige Top-Triebwerk mit drei Liter Hubraum und 162 kW (220 PS) dagegen zeigte sich mit seinen 300 Newtonmetern Drehmoment jeder Situation gewachsen. Von einem sonoren Sound begleitet sprintet das Cabrio damit in 7,8 Sekunden aus dem Stand an die Hunderter-Marke und treibt es bis auf 243 km/h Spitze.

Was natürlich niemand bei einem Cabrio will. Denn der Spaß am Open-Air-Auto entsteht beim Cruisen unter freiem Himmel. Bis 100 km/h geschieht das auch noch recht zugfrei. Bei höherem Tempo hält ein optionales Windschott den Fahrtwind im Zaum. Allerdings blockiert der 290 Euro teure Netzaufbau dann die Rückbank. Freude am Fahren bereiten das knackig schaltende Fünfgang-Getriebe sowie die leichtgängige und direkte Lenkung.

Noch entspannter geht es mit der stufenlos schaltenden Multitronic, die Audi erstmals im Cabrio für alle Motoren anbietet - wenn auch wiederum nur gegen 2050 Euro Aufpreis. Wie überhaupt das neue Audi Cabrio nicht gerade günstig ausgefallen ist. Die vorläufige Einstiegsversion mit dem 2,4-Liter-V6 kostet bereits 34.300, die Dreiliter-Variante 38.800 Euro.

Angehübscht mit einigen Extras aus der langen Aufpreisliste, wie etwa der angesprochenen multitronic und dem Windschott, Lederaussattung (1680 Euro), Alu-Felgen (400 bis 900 Euro), CD-Audioanlage (1100 Euro) und Navigationssystem (1360 bzw. 2690 Euro) erreicht man schnell die 50.000 Euro. Erstklassige Preise für einen definierten Zweitwagen. Denn das ausgelaufene Modell wurde tatsächlich zu zwei Dritteln als Zweitwagen geordert.