Audi TT: Mehr Sport wagen - DER SPIEGEL
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Audi TT Mehr Sport wagen

Nachdem Audi in diesem Jahr bislang jeden Monat ein neues Auto vorgestellt hat, steuert die Modelloffensive einem weiteren Höhepunkt entgegen: Ab 1. September steht der neue TT beim Händler. In Generation zwei soll  das Designercoupé zum ernsthaften Sportwagen werden.
Von Sven Hofbauer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stephan Grühsem hat ein Problem: Dem obersten Kommunikator von Audi geht allmählich die Zeit aus. Das liegt am Tempo, mit dem Audi derzeit neue Modelle auf den Markt wirft, und da wird es dann schon mal eng mit den Terminen für Messepremieren und Fahrpräsentationen: Q7, S6, S8, RS4 Cabrio und Avant sowie Allroad Quattro – es geht atemlos dahin. Und es hört nicht auf: Zwei Monate nach der aufwändigen Weltpremiere in Berlin stehen jetzt die ersten Testfahrten mit dem neuen TT an.

"Er hat bei seinem Debüt vor acht Jahren das Segment der Sportcoupés im Sturm erobert, die Marke geschärft und Audi ein sportliches Profil gegeben", sagt Konzernchef Martin Winterkorn und spannt damit die Richtschnur für den Nachfolger der Design-Ikone, der ab 1. September zu Preisen ab 31.900 Euro bei den Händlern stehen wird. Der Neue soll den Stil des Kult-Coupés behutsam in die Zukunft fortschreiben und dabei mehr Sport wagen als früher. Gleichzeitig verbessert sich die Ausstattung: Klimaautomatik, Aluräder und Sportsitze sind nun in allen Versionen Standard, und die Wagen mit Sechszylinder-Motor erhalten obendrein Xenonscheinwerfer und Alcantara-Sitzbezüge.

Den erweiterten Anspruch symbolisiert Audi bereits durch die Formgebung. Zwar folgt auch der neue TT wieder dem geometrischen Grundmuster des Kreisbogens, doch die Linien gewannen unter der Hand des Chefkreativen Walter da Silva an Kontur und Präsenz. So sind die Scheinwerfer nun schärfer geschnitten, über die Motorhaube ziehen sich zwei markante Lichtkanten, an der Flanke schwellen Muskeln, und das Heck wirkt kürzer und schlanker als früher. Außerdem verschwindet der nachgerüstete Spoiler im Heckdeckel und fährt erst ab Tempo 120 aus, um zusätzlichen Abtrieb zu schaffen.

Schwarze Landschaft mit einigen Chromringen

Innen kommt man der optischen Fortentwicklung nicht sogleich auf die Spur. Nur im Detail modifiziert wurde die schwarze Landschaft unter der Frontscheibe, die von einer Hand voll Chromringen unterbrochen wird. Neu ist das unten abgeflachte Sportlenkrad, die Sitze geben nun mehr Seitenhalt, und für Knie, Kopf und Ellenbogen gibt es etwas mehr Platz. Die Notsitze im Fond aber sind weiterhin nur Kleinkindern zumutbar. Dafür schaffen sie Flexibilität: Klappt man die Rückbank um, wächst das Volumen unter der mächtigen Kofferraumklappe von mageren 290 auf üppige 700 Liter. Damit ist der TT das einzige Coupé im Segment, das mühelos auch größeres Urlaubsgepäck schluckt.

Unter der Haube gibt es zunächst nur die Wahl zwischen einem zwei Liter großen Turbomotor mit Direkteinspritzung, 200 PS und Frontantrieb oder dem 3,2-Liter-V6-Aggregat mit 250 PS, den es ab 39.900 Euro und dann ausschließlich mit dem Allradantrieb Quattro gibt. Beide Motoren kombiniert Audi mit einer ordentlichen Sechsgang-Schaltung und baut auf Wunsch für 2100 Euro extra ein Doppelkupplungsgetriebe ein. Da die Karosserie des Wagens zu zwei Dritteln aus Aluminium besteht und der TT dadurch deutlich leichter ist als seine Wettbewerber, sollte er auch sehr viel sportlicher unterwegs sein. Meint man.

Doch ein kompromissloser Sportwagen ist auch der neue TT nicht. Im Gegenteil: Wo sich der Vorgänger ruppig und rau gebärdete, benimmt sich das aktuelle Modell harmonisch und kultiviert. An Kraft fehlt es nicht, 320 Nm Drehmoment und ein Sprintwert von weniger als sechs Sekunden machen die V6-Variante durchaus rasant. Doch anders als manche Wettbewerber ist der Wagen selbst in der Sportstellung des justierbaren "Magnetic Ride"-Fahrwerks (1000 Euro Aufpreis) keine aggressive oder gar brettharte Giftspritze.

Stattdessen bleibt der TT ein ausgewogenes Auto für den Alltag, das auf Autobahn und Allee ebenso zu Hause ist wie auf der Passtrasse. Wer mehr will, kauft weniger und beschränkt sich auf den Vierzylinder. Zwar ist auch der nicht bretthart abgestimmt, und bei der Höchstgeschwindigkeit verliert er selbstverständlich gegen den V6. Doch er wirkt trotzdem agiler, klingt kerniger und entwickelt - zumindest meint man das zu spüren - mehr Dampf. Man kann es auch so sagen: Der Turbo bietet mehr Spaß für weniger Geld. Weitere Motoren sind bereits angekündigt, der TT wird also schon noch geschärfter antreten.

Trotz der gegenwärtigen TT-Fahrvorstellung, der WM und der sich anbahnenden Sommerpause: Audi wird weiter am Gas bleiben müssen, wenn das anvisierte Programm ins Jahr gepresst werden soll. Die nächsten Neuheiten stehen schon in den Startlöchern: der S3 kommt nach den Sommerferien, im Oktober zeigt Audi den Spitzensportler R8, dann folgt der TT Roadster, der A4 wird als Coupé zum A5, und als kleiner Bruder des Q7 ist bereits ein Q5 in Arbeit. Stephan Grühsem sieht's mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Man freue sich auf die neuen Modelle. Doch noch mehr würde man sich über einen 13. oder gar 14. Monat freuen.