Audi TT Roadster Lockruf der Wintersonne
Was hat er in diesem Jahr für ein Tempo vorgelegt: Beinahe im Monatsrhythmus hat Audi-Vorstand Martin Winterkorn neue Autos auf die Bühne gefahren und dabei immer wieder stolz ein paar Rekordzahlen verkündet. Kurz vor seinem Wechsel auf den Chefsessel nach Wolfsburg meldet er nun das elfte Erfolgsjahr in Folge, verspricht ein Absatzvolumen von mehr als 900.000 Autos und kommt so sehr in Zeitnot, dass nun sogar mitten im Advent ein Cabrio vorgestellt wird.
Rund ein halbes Jahr nach dem neuen TT Coupé wird es jetzt schon wieder Zeit für den Roadster, der nach den Worten von Produktmanagerin Heike Träger zu Preisen ab 33.800 Euro "pünktlich zum Beginn der Open Air Saison" auf den Markt kommen wird. Weil dann, also im Frühling 2007, mit dem Spitzensportler R8 und dem großen Coupe A5 bereits die nächsten Premieren bevorstehen, machen die Bayern aus der Not eine Tugend und erliegen dem Lockruf der Wintersonne. SPIEGEL ONLINE hat den Kragen hoch geschlagen, die Heizung aufgedreht und die kühle TT-Roadster-Fahrt an der Cote d'Azur genossen.
Wie das Coupé hat auch das offene Modell im Zuge des Generationswechsels ein prägnanteres Design bekommen und ist in den wichtigen Dimensionen deutlich gewachsen. So wurde die Länge um fast 14 Zentimeter auf 4,18 Meter gestreckt. Der Radstand wuchs um fünf Zentimeter auf 2,47 Meter, und die Breite legte um acht Zentimeter auf 1,84 Meter zu. Das neue Format verbessert nicht nur die Straßenlage, sondern vor allem das Platzangebot. Und weil das offene Modell anders als das Coupé gar nicht erst die Illusion von vier Sitzplätzen aufkommen lässt, fühlen sich selbst groß gewachsene Menschen hinter dem Steuer wohl.
Das Stoffdach bekam eine zusätzliche Isolation
Das Verdeck stört dabei nicht. Zwar stemmt sich Audi gegen den Trend zum versenkbaren Hardtop und nennt die "Balance der Proportionen" und vor allem das niedrigere Gewicht als Gründe. Doch haben die Bayern eifrig an der Stoffhaube gearbeitet. Nun spannt sie sich straffer über die beiden Insassen, und hat eine - teilweise aufpreispflichtige - sehr wirkungsvolle Schicht zusätzliche Schallisolierung bekommen. Ein festes Dach vermisst im TT Roadster wohl keiner mehr.
Andererseits: Einen Roadster fährt man gefälligst offen. Also freut man sich an dem Knopf, der in den besser ausgestatteten Modellen auf der Mittelkonsole thront und das Dach bis Tempo 50 locker aufstellt, wie ein Z zusammenfaltet und hinter den Sitzen ablegt. Nur zwölf Sekunden dauert der Striptease, dann kommt die Haube ohne Persenning fein säuberlich vor dem Kofferraum zu liegen, dessen Volumen jetzt offen wie geschlossen 250 Liter misst.
Schön und selten: Freie Fahrt auf der Corniche
Und als hätte sie Audi bestellt, kommt dann sogar die Sonne heraus. Schnell noch das ebenfalls aufpreispflichtige Windschott - das nun statt aus einer Glasplatte wie bislang aus einem gewöhnlichen Netz besteht - hinter den Sitzen hervor surren lassen, dann kann der Spaß beginnen. Weil mittlerweile auch die Engländer die Küste geräumt haben, sind auf der Corniche weder Wohnmobile noch asthmatische Mittelklasse-Limousinen unterwegs. Und auch die meisten Radfahrer machen Winterpause. Deshalb kann der TT seine sportlichen Tugenden ausspielen und die Kurven mit seiner präzisen Lenkung etwas schärfer schneiden als gewöhnlich.
Wie beim Coupé macht dabei der kleinere Motor wieder den größeren Eindruck. Natürlich fehlt es dem sonor vor sich hin brummelnden V6 mit seinen 3,2 Litern Hubraum, 250 PS und 320 Nm nicht an Durchzugsvermögen. Doch wirkt er gemessen am kleinen Turboaggregat wie ein starker, aber alter Bär, der sich nur mit einem sehr beherzten Tritt aus der Reserve locken lässt. "Gran Tourismo" ist da wohl die passende Beschreibung, die man in solchen Fällen aus der Marketingabteilung zu hören bekommt. Der zwei Liter große und 200 PS starke Vierzylinder dagegen geht mit der Leidenschaft und der Ungeduld der Jugend zu Werke, quittiert jeden Gasstoß mit einem aggressiven Blasen aus den Trompeten von Jericho, hängt subjektiv empfunden viel besser am Gas und reagiert mit seinen 280 Nm deshalb spürbar spontaner.
Auf dem Papier gewinnt der V6, in der Praxis nicht
Das Datenblatt spricht freilich eine andere Sprache: Wer die rund 8000 Euro Aufpreis für den V6 zahlt, muss sich auch als Sieger fühlen: Mit einem Sprintwert von 5,9 Sekunden ist der 3,2 Liter deshalb um zehn Prozent sprintstärker, und während die Beschleunigung des Vierzylinder bei 237 km/h ihr Ende findet, fährt der V6 erst bei 250 km/h in den Begrenzer. Dafür allerdings ist der Zweiliter als Fronttriebler mit 7,8 Liter Superbenzin zufrieden, wo der 3,2-Liter mit dem Quattro-Allradantrieb 9,5 Litern braucht.
Dass der TT ein Roadster für alle Wetter ist, macht Produktmanagerin Häger nicht allein am gut isolierten Verdeck und am Allradantrieb fest. Das beweist das Auto auch beim Blick in den Kofferraum. Denn als einer der ersten Roadster hat er eine Ladeluke mit herausnehmbarem Skisack. Zwar muss man eng packen, wenn man zwei Paar Stiefel und alle Winterklamotten in den Kofferraum quetschen möchte - doch zumindest die Skier können jetzt auf jeden Fall mit.