Skoda Octavia Combi: Viel Platz für wenig Geld
Autogramm Skoda Octavia Combi Einladend einfach
Der erste Eindruck: Klar und schnörkellos, ohne Schnickschnack - so steht der neue Kombi des Octavia zu Testfahrt bereit. Wo andere auf Glanz und Gloria oder pfundweise Chrom setzen, müssen hier ein paar scharfe Kanten und präzise Fugen reichen. Das sieht hochwertig, aber eben nicht teuer aus und passt damit perfekt zum Markenbild. Denn Statusdenken und Standesdünkel sind Gift für einen Hersteller, der vor allem eines bieten will: ein Massenmobil.
Das sagt der Hersteller: "Der Octavia ist unser wichtigstes Modell, und für Europa ist der Kombi die wichtigste Karosserievariante", sagt Firmenchef Winfried Vahland. In Deutschland zum Beispiel haben neun von zehn Octavias die große Klappe am Heck. Weltweit liegt der Kombi nach der Octavia Limousine und dem Fabia auf Platz drei im Skoda-Bestseller-Ranking.
Viel bedeutender als die internen Listen sind für Vahland aber die Vergleiche mit anderen Herstellern: Denn da hängt Skoda sogar die Konzernmutter VW ab - der Octavia ist der meistverkaufte Kombi in Europa, sagt der Chef. "Und weil wir jetzt beim Platzangebot, bei der Technik und den cleveren Details noch einen draufsetzen, werden wir diesen Erfolg nachhaltig sichern."
Das ist uns aufgefallen: Haaallooo, ist da jemand? Wenn man die Heckklappe des Kombis aufschwingen lässt, möchte man fast nach dem Echo rufen, so groß ist das Gepäckabteil. Da ist Platz für sämtliche Koffer einer ganzen Familienbande. Und für die Tüten und Kisten nach dem Großeinkauf im Supermarkt. 610 Liter Volumen bei stehender und 1740 Liter bei umgelegter Rückbank ist mehr, als die meisten Konkurrenten in der Kombi-Liga bieten.
Aber das Gepäckabteil ist nicht nur groß, sondern beinahe großartig. Denn die Tschechen haben viel Hirnschmalz für kleine Details verbraten, die das Laden leichter machen. Taschenhaken und einen doppelten Ladeboden mit Wendematte für saubere und schmutzige Sachen - das gibt es bei den anderen auch. Aber selten ließ sich der Boden so leicht variieren, absenken oder aufstellen wie beim Octavia. Ein Griff, klack, klack, schon hat man einen Raumteiler oder den direkten Zugang zum Tiefgeschoss.
Und dann gibt es da noch Extras wie die neue Multifunktionsablage, die unter die Kofferraumabdeckung gespannt wird. Das klingt nach Hightech, ist aber eigentlich eine ganz simple Hängematte aus Kunststoff, in der mal eine Jacke oder ein Regenschirm verschwindet. Genau wie der Eiskratzer im Tank oder die Warnweste im Einschub unter dem Sitz kein Hexenwerk ist - wenn man erst einmal draufkommt.
Ansonsten gilt für den Octavia Kombi das gleiche wie für die Limousine: Das Platzangebot für die Gäste in der ersten Reihe ist imposant und im Fond mehr als ausreichend. Der Fahreindruck ist vor allem sicher und solide, der 4,66 Meter lange Wagen lässt sich angenehm unaufgeregt durch die Lande kutschieren und ist selbst mit dem 105 PS starken Basisdiesel kein Spielverderber. Denn der Motor ist leise, läuft kultiviert und lädt bei 250 Nm sogar mal zum Überholen ein - selbst wenn er auf Tempo 100 elf Sekunden braucht.
Das muss man wissen: Der Kombi startet noch im Mai zu Preisen ab 16.490 Euro. Das ist auf den ersten Blick ein Schnäppchen, weil es a) nur 650 Euro mehr sind als bei der Limousine und b) der technisch aus dem gleichen Modularen Querbaukasten montierte VW Golf noch ein paar Hunderter teurer ist - und zwar als Dreitürer.
Doch muss man sich die Preisliste schon genau anschauen: Das Basismodell bietet wirklich nur die Grundausstattung, und viele Extras sind dafür gar nicht verfügbar. Wer zum Beispiel ein Navigationssystem oder Lederpolster möchte, muss schon die zweite Ausstattungsvariante buchen - und dann noch einmal zuzahlen. So ist man am Ende schnell bei 25.000 Euro. Das ist immer noch viel Auto fürs Geld, aber eben kein Sonderangebot mehr.
Starten wird der Kombi zunächst mit vier Benzinern von 86 bis 180 PS und zwei Dieseln mit 105 oder 150 PS. Später folgen ein Einstiegsdiesel mit 90 PS und eine Spritsparversion mit 110 PS und einem Normverbrauch von 3,3 Litern. Wichtigste Modellergänzung ist für Skoda-Chef Vahland aber der Allradantrieb, der beim Octavia Kombi einen Verkaufsanteil von 50 Prozent hat. Ihn gibt es ab Juni für etwa 2500 Euro Aufpreis in Kombination mit den beiden Dieseln und dem 180 PS-Benziner.
Das werden wir nicht vergessen: Wie lange man suchen muss, bis man am Octavia etwas auszusetzen hat. Natürlich wären eine elektrische Heckkappe oder gar der Sensor, mit dem man die Luke per Fußtritt aufschwingen lässt, zwei schöne Extras, die gut zur Idee von Simply Clever passen würden. Aber irgendwie müssen sich VW und Audi ja noch von Skoda abgrenzen. Und ja, der Kunststoff am Türgriff ist ein bisschen hart und der Gumminippel zum Zuziehen der Kofferraumklappe wirkt billig. Aber das macht wohl den Preisunterschied zur Konkurrenz aus.
Die wahrscheinlich einzige Kritik ist deshalb, dass es nichts zu kritisieren gibt und der Wagen einfach keine Ecken und Kanten hat. Aber ohne Allüren reicht es vielleicht zum Sieger, aber nicht zum Star.