Bentley Continental V8S: Ein Extraschlag Leistung für das V8-Luxusauto - DER SPIEGEL
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Bentley Continental V8S: Mehr geht immer

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Autogramm Bentley Continental GTS V8S Der Elefant lernt Tanzen

Bentley fährt die Porsche-Strategie: Die britische Nobelmarke spendiert dem Continental GTS V8 zusätzliche 21 PS, hübscht die Karosserie auf, hängt ein "S" an den Namen - und zaubert damit eine neue Modellvariante aus dem Hut. Trotzdem ist der Wagen jetzt noch erstaunlicher als bisher.
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Der erste Eindruck: Schon verrückt, wie voluminös und protzig Autos sein können. Dass es sich hier um die Sportversion des Bentley Continental V8 handelt, fällt aber eigentlich nicht weiter auf. Bei dem ganzen Pomp gehen die neuen Schürzen an Front und Heck und der schwarz glänzende Kühlergrill einfach unter.

Das sagt der Hersteller: Darf es noch ein Schlag extra sein? Die neue Variante des Continental sei für all jene Kunden gemacht, die beim V8-Modell ein wenig mehr Leistung und Luxus verlangen, sagt Firmenchef Wolfgang Schreiber. Baureihenleiter Paul Jones wird deutlicher: Nur weil sie nicht das Zwölfzylinder-Modell bestellt haben, sollen die Kunden sich nicht als Geizhälse fühlen müssen. Jones' Kalkulation sieht so aus: "Etwa 60 Prozent der Continental-Kunden bestellen acht statt zwölf Zylinder und jedem zweiten davon wollen wir das S-Modell verkaufen."

Das ist uns aufgefallen: Einen Hauch mehr Leistung, einen Tick mehr Luxus und ein wenig mehr Lust aufs Fahren - muss man daraus gleich eine neue Modellvariante machen? Inspiriert von Porsche und den mehr als einem Dutzend Spielarten des 911 ist diese Art der vornehmen Beutelschneiderei mittlerweile üblich bei den Nobelmarken. Wenn man sich dann noch erinnert, dass der letzte Bentley-Chef Wolfgang Dürrheimer zuvor Entwicklungschef in Zuffenhausen war, dann ahnt man, warum am Bentley-Sitz in Crewe die Planung für das neue Modell kräftig aufgefächert wurde.

Schon der normale V8-Motor hat mit 507 PS und bis zu 660 Nm so viel Dampf, dass die nun dazu kommenden 21 Extra-PS keinen großen Unterschied machen. Egal, welchen V8 man nimmt, immer bewegt man sich hart an der Grenze des physikalisch Erklärbaren: Wie mühelos der Motor dieses Gebirge aus Stahl in Fahrt bringt, mit welchem Nachdruck er die 2,5 Tonnen des feudalen Cabrios nach vorn treibt und wie gelassen es dabei zugeht - mit den Naturgesetzen jedenfalls lässt sich ein Sprintwert von 4,7 Sekunden und ein Spitzentempo von 308 km/h kaum vereinen. Wer hier das "S" draufsattelt, der bestellt auch Sahne zur Schwarzwälder Kirschtorte.

Am deutlichsten werden die Unterschiede zum normalen V8 noch beim Fahrwerk. Einerseits wurde die Bodenfreiheit um einen Zentimeter reduziert, vor allem aber gibt es mehr Sturz an der Vorderachse, spürbar steifere Federn, eine schärfere Programmierung der variablen Dämpfer im Sportprogramm und mehr Toleranz für das ESP. In Summe sorgt das dafür, dass dieser Elefant wie irre um die Kurven tanzt.

Auch wenn im Continental alles auf Speed ausgelegt ist, hat es der Luxusliner nicht in jeder Disziplin eilig. Für die Bedienung des antiquierten Navigationssystems muss man Geduld mitbringen, ebenso für die Öffnungszeremonie des Cabrio-Verdecks: Mehr als 20 Sekunden dauert es, bis das Faltdach im Format eines Familienzeltes hinter der Rückbank abgelegt ist.

Das muss man wissen: Bestellen kann man den V8S ab 180.825 Euro für das Coupé und ab 198.373 Euro für das Cabrio schon jetzt. Die Auslieferung jedoch startet erst im Juni. So lange brauchen die Briten, bis sie die Produktion entsprechend organisiert haben. Dabei sind die technischen Änderungen marginal. "Wir haben an der Hardware des Antriebs nichts geändert", sagt Baureihenleiter Jones. Es bleibt beim vier Liter großen Benzin-Direkteinspritzer mit Zylinder-Abschaltung und den beiden direkt im V platzierten Turboladern, dem achtstufigen Automatikgetriebe von ZF und dem Allradantrieb.

"Neu sind die Motorsteuerung und der um 0,1 Bar höhere Druck aus den Turbos", sagt Jones. Den Begriff "Chiptuning" hört er allerdings nicht gern. Vehement verteidigt der Cheftechniker die Sonderstellung des V8S und berichtet vom hohen Entwicklungsaufwand und abertausend Testkilometern in allen Klimazonen der Erde.

Das hat eine Stange Geld gekostet und dies wollen die Briten zum Beispiel über Extras wieder herein holen. Die Preisliste enthält ein paar interessante Positionen. Für Schöngeister gibt es zum Beispiel Dutzende verschiedene Ziernähte.

Das werden wir nicht vergessen: Was von der Begegnung mit dem V8S hängen bleibt, ist vor allem die Opulenz des Cabrios. Das gilt für die Kraftentfaltung und den Fahrkomfort genauso wie für die liebevolle Ausstattung von den Orgelzügen für die Klimaausströmer bis hin zum herausnehmbaren Brillenetui, das mancher Millionärsgattin auch als Schmuckkästchen dienen könnte.

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