BMW 116d: Fahrgefühl von Anfang an
BMW 116d Extra, Extra, Extra
"Ah, typisch BMW." Das sagt sich leicht, doch was bedeutet es eigentlich? Typisch BMW ist zum Beispiel die klassische Niere im Kühlergrill. Typisch sind außerdem ein fleischiges Lenkrad, das um den Fahrer geschwungene Cockpit und viele Tasten auf der Armaturentafel. Und unbedingt zu BMW gehört ein knackiges Fahrgefühl, das selbst aus Herren im Zweireiher gelegentlich Halbstarke macht.
BMW-Fans werden sicher noch mehr Charakteristika einfallen. Was aber zählt, ist, dass die Münchner es verstehen, diese selbstverständliche Präzision jedem Modell einzuimpfen. Vermutlich verschafft genau das den Bayern derzeit die Pole-Position unter den sogenannten Premium-Herstellern aus Deutschland. Jedenfalls: Auch das derzeit kleinste und schwächste Auto der Marke, der BMW 116d, verfügt über die typischen Eigenschaften. Obwohl der Zwei-Liter-Dieselmotor lediglich 116 PS entwickelt, steckt der Hecktriebler alle anderen Kompaktklasse-Konkurrenten mit ähnlichen Leistungswerten in die Tasche.
Und zwar nicht, weil er vielleicht ein paar km/h schneller ist, sondern weil er sich fährt wie ein richtiger BMW. Das Ding rauscht mit 200 so ruhig und trocken federnd über die Autobahn, als sei es exakt dafür gemacht; der Wagen schlüpft geradezu über kurvige Landstraßen; und beim Einparken in knapp geschnittenen Lücken am Straßenrand hilft die Rückfahrkamera (Aufpreis 420 Euro), als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt, dass ein Kompaktauto mit derlei Gimmicks aufwartet. Vielleicht darf man es als Besitzer einer Abo-Karte des örtlichen Verkehrsverbundes mal sagen: Es macht einfach Spaß, dieses Auto zu fahren.
Es ist eben etwas teurer, einen BMW zu fahren
Die Freude jedoch verfliegt rasch, wenn man sich mit anderen Dingen als dem reinen Fahrerlebnis beschäftigt. Wir haben das jetzt nicht auf den Millimeter ausgemessen, doch gefühlt bietet der 1er BMW das schlechteste Verhältnis zwischen äußerer und innerer Größe. Das Auto ist auf allen Plätzen eng, der Kofferraum mit 360 Litern Fassungsvermögen durchschnittlich. Sitzt man drinnen, kommt es einem vor, als trage man Stretch-Kleidung - Armturen, Verkleidungen, Dachhimmel umhüllen die Insassen regelrecht. Für die Theorie vom Auto als Kokon des modernen Menschen ist der BMW 1er ein überzeugender Beleg.
Übrigens auch für die Binsenweisheit, dass BMW-Käufer ordentlich zur Kasse gebeten werden. Schon in der Grundausstattung kostet der 116d 25.950 Euro. Und ab da geht es dann richtig zur Sache: Ob Metalliclack (660 Euro) oder eine dreigeteilte Rücksitzlehne (260 Euro), ob Beifahrerairbag-Deaktivierung (40 Euro) oder eine verschiebbare Armauflage (180 Euro) - beinahe jede Schraube muss extra gezahlt werden - nette Dinge wie Navigationsgerät, Musikanlage oder Lederausstattung sowieso.
Eine Alleinstellung in der Kompaktklasse hat der BMW 1er also nicht nur wegen des Heckantriebs und seiner überdurchschnittlichen Fahrpräsenz inne, sondern auch, weil das Auto konsequent an den Bedürfnissen von Familien, die sich nur ein Fahrzeug leisten können oder wollen, vorbeigeplant ist. Die Mühsal des automobilen Alltags überlassen die Autobauer aus München gern anderen Herstellern. Auf die blicken sie dann mit milder Arroganz herab. Auch diese Attitüde ist wohl typisch BMW.