BMW 118d: Nur einer kann lachen - DER SPIEGEL
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BMW 118d Nur einer kann lachen

Die kleinste BMW-Baureihe ist eine Welt der Extreme. Kein anderes Kompaktmodell tritt mit Heckantrieb an, kein anderes vermittelt ein derart präzises Fahrgefühl. Leider wurde darüber das Wohl der Passagiere vergessen – und auch dem Karosseriedesign fehlt das Format.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Kompaktklasse herrscht eigentlich immer Aufregung. Zuletzt wirbelte der neue VW Golf das Segment durcheinander, und demnächst wird der Ford Focus RS und natürlich der neue Opel Astra erwartet. Für BMW ist in diesem Marktsegment der BMW 1er seit Herbst 2004 unterwegs, und ist inzwischen schon eine Konstante im allgemeinen Trubel.

Für BMW spielt der 1er eine besondere Rolle. Erstens wurde mit der Baureihe das Angebot der Marke nach unten ausgeweitet; zweitens hat sich das Auto dort ordentlich etabliert. Die Baureihe rangiert in Deutschland laut KBA-Statistik mit 75.621 verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr auf Rang drei bei den Kompakten - hinter VW Golf und Opel Astra. Und drittens ist der Kleine für BMW das ideale Modell, um Spritspartechnik in großer Stückzahl auf die Straße zu bringen und so das Image von forscher Sportlichkeit wenigstens etwas in Richtung Umweltbewusstsein und Vernunft zu korrigieren.

Denn sämtliche 1er-Modelle verfügen über das so genannte Efficient-Dynamics-Paket, mit dem BMW seine Sparmaßnahmen bezeichnet. Unter anderem gehören dazu verbrauchsoptimierte Motoren, Bremsenergie-Rückgewinnung und die Start-Stopp-Automatik. Auch unser Testmodell, der Fünftürer 118d mit dem bislang leistungsschwächsten Dieselmotor mit zwei Liter Hubraum und 143 PS, war mit diesen Details bestückt. Wer etwa die Start-Stopp-Automatik zum ersten Mal erlebt, wird zunächst überrascht sein, dass der Motor beim Ampelstopp von selbst ausgeht; und ebenso erfreut, dass er beim Tritt auf die Kupplung sogleich wieder anspringt. Die Technik ist ebenso einfach wie sinnvoll, denn im stetigen Stopp-and-Go des Stadtverkehrs spart man dadurch Sprit. Aber vom Hersteller genannten Durchschnittsverbrauch von 4,5 Litern auf 100 Kilometern waren wir bei unserer Testfahrt weit entfernt.

Die Start-Stopp-Automatik hält sich allerdings bei Temperaturen unter drei Grad plus aus Rücksicht auf die Batterie zurück und quittiert den Dienst. Denn der Akku würde bei ständigem Neustarten des Motors, aktivierter Klimaanlage, aufgedrehtem Gebläse und womöglich angeschaltetem Radio- und Navigationsgerät schnell an seine Grenzen stoßen.

Zerknautschtes Design und innen wenig Platz

Der Fünftürer, der in Regensburg gebaut wird, während alle anderen 1er-Varianten in Leipzig vom Band rollen, macht mit rund 60 Prozent den Löwenanteil an den 1er-Verkäufen aus. Das ist einerseits logisch, denn mit dieser Karosserieversion begann BMW sein Kompaktklassen-Engagement. Andererseits ist es auch etwas merkwürdig, denn optisch wirken die anderen Modelle weitaus stimmiger als der irgendwie zerknautscht und arg artifiziell gestaltete Wagen. Ein Kollege schrieb einmal treffend vom "faltigen Belmondo-Charme" des Autos.

Leider erlischt dieser Charme, sobald man im Fond Platz nimmt. Dort ist es dermaßen eng, dass man sich fragt, wo denn die immerhin 4,24 Meter Länge (zum Vergleich, der VW Golf misst 4,20 Meter) eigentlich geblieben sind. Im Kofferraum, der zwischen 330 und 1150 Liter fasst, sicher nicht, denn der ist allenfalls Durchschnitt. Und der Platz im Fond ist ebenfalls überschaubar. Zu fünft im BMW 1er unterwegs zu sein bedeutet, dass am Ende der Fahrt nur noch einer lacht: der Fahrer.

Fahrerisch hui - aber das ist es dann auch

Das allerdings beherrscht BMW ziemlich perfekt: Autos zu bauen, die einfach Fahrspaß bereiten. Die handfeste Lenkung, die prima Straßenlage, die knusprige Schaltung und die prompten Rückmeldungen beim Betätigen der Pedale - all das leistet der 1er einen Tick schneller, präziser und stimmiger als die meisten anderen Autos dieser Klasse. Und so braucht es gar keine irren Motorleistungen oder übertriebene Hightech-Details, um den Wagen auf angenehme Art sportlich und präsent erscheinen zu lassen.

Fahrerisch also erhält der BMW die Höchstpunktzahl, beim Platzangebot und beim Design bricht die Bewertung deutlich ein. Auch die Übersichtlichkeit könnte besser sein, aber daran dürfte BMW gar kein Interesse haben, denn so verkauft sich die Einparkhilfe viel besser. Immerhin kostet das Extra 450 Euro (Einparkhilfe hinten) oder 750 Euro (Einparkhilfe vorn und hinten) Aufpreis.

Diverse Varianten sorgen für stabile Verkaufszahlen

Überhaupt scheinen die Bayern mit dem 1er trotz aller Kritikpunkte vieles richtig gemacht zu haben, denn im vergangenen Jahr legte die Baureihe in Deutschland gegen den Trend um 37,2 Prozent zu. Das allerdings liegt an der Auffächerung des Portfolios, das neben Fünf- und Dreitürer inzwischen auch Coupé und Cabrio umfasst.

Und auch in diesen Wochen wird die Reihe weiter ausgebaut. Im März schiebt BMW bei den Dieselversionen die Variante 116d ins Programm. Das Modell wird dann die Rolle des Einstiegs-Selbstzünders übernehmen. Der Motor ist das gleiche Zwei-Liter-Aggregat wie bei den bisherigen drei Diesel-Varianten, allerdings schrumpft die Leistung auf 116 PS. Und mit ihr soll der Verbrauch auf dann durchschnittlich 4,4 Liter pro 100 Kilometer zurückgehen, was einem CO2-Ausstoß von 118 Gramm je Kilometer entspräche. Mit den 1er-Modellen arbeitet BMW also fleißig weiter am Saubermann-Image.

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