BMW 320d Efficient Dynamics Edition: Ein Hitzkopf wird zahm - DER SPIEGEL
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BMW 320d efficient dynamics edition: Das 109-Gramm-Auto

Foto: Jürgen Pander

BMW 320d Efficient Dynamics Edition Ein Hitzkopf wird zahm

Ein 3er BMW, in schwarz und mit großkalibriger Musikanlage: Das galt stets als automobile Entsprechung des Halbstarken. Der Wagen kann aber auch anders - zumindest wenn es sich um den gezähmten 320d mit Spritsparpaket handelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die CO2-Diskussion und die Wirtschaftskrise haben Spuren hinterlassen in der Autoindustrie. Und zwar nicht nur in den Unternehmensbilanzen, sondern auch im Modellangebot. Einige versuchen es mit der Leuchtturmtaktik, bauen ein herausragendes Hybridmodell und hoffen, dass dessen grüner Schimmer auf die anderen Produkte abstrahlt. Andere kündigen Elektroautos an, die aber leider frühestens 2013 verfügbar sein werden. BMW hingegen setzte schon früh auf das Gießkannenprinzip, versuchte jedes Auto ein bisschen sparsamer zu machen und überschrieb das ganze mit dem etwas holprigen Motto "Efficient Dynamics".

Seit einigen Wochen gibt es ein neues Parademodell dieser Strategie, den BMW 320d Efficient Dynamics Edition. Das klingt nach Sondermodell - stattdessen gehört die Diesel-Limousine zum normalen Angebot, kostet ab 34.100 Euro und ist mit allem bestückt, was ohne größeren Aufwand einen maximalen Spritspareffekt ermöglicht. Zum gleichen Preis gibt es übrigens auch den normalen BMW 320d, dessen baugleicher Motor allerdings 21 PS mehr leistet, insgesamt also 184 PS.

Die entscheidenden Ziffern sind jedoch andere. Das Standardmodell verbraucht im Schnitt 4,7 Liter und stößt 125 Gramm CO2 je Kilometer aus; die Efficient Dynamics Edition dagegen weist einen Durchschnittsverbrauch von nur 4,1 Litern und einen CO2-Ausstoß von 109 Gramm auf. "Insbesondere in den Benelux-Staaten und in Großbritannien, wo der 3er BMW fast ausschließlich als Flottenfahrzeug verkauft wird, spielt dieser Wert eine immense Rolle", sagt BMW-Sprecher Friedbert Holz . In Großbritannien etwa unterbietet das Auto die 110-Gramm-CO2-Grenze, oberhalb der eine Strafsteuer fällig wird.

Wir fuhren das Auto im normalen Alltagsbetrieb - und nach mehr als 300 Kilometern über Autobahnen, Landstraßen und durch die Stadt meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Liter je 100 Kilometer. Das ist deutlich mehr als offiziell angegeben, doch eine Abweichung in dieser Größenordnung ist ja keine Überraschung.

Der Wagen animiert zum entspannten Fahren. Der Clou verbirgt sich tief in den Innereien des Antriebs, wo ein Fliehkraft-Pendel in einem Schwungrad zum Einsatz kommt. Das bewirkt folgendes: Die Vibrationen und Geräusche des Motors nehmen drastisch ab, so dass untertouriges Fahren auf einmal attraktiv wird. Mit lediglich 1000 Umdrehungen pro Minute - auf diesem Niveau liegt normalerweise das Standgas - lässt sich der Wagen völlig ruckelfrei und elegant durch den Stadtverkehr bewegen. Und wenn die Straße nach dem Ortsende-Schild frei ist, muss man nicht ein oder zwei Gänge zurückschalten, um zu beschleunigen, sondern drückt einfach etwas stärker aufs Gaspedal, schon kommt Bewegung in die Fuhre.

Viele kleine Sparkommissare drücken den Verbrauch

Beim Kraftstoffsparen helfen auch Dinge wie eine Gangwechselempfehlung im Cockpit, eine Start-Stopp-Automatik, ein System zur Rückgewinnung von Bremsenergie (Rekuperation), eine veränderte Getriebeübersetzung, die bedarfsgerechte Steuerung der Servolenkung und des Klimakompressors, ein Quartett von rollwiderstandsarmen Reifen sowie eine bessere Aerodynamik aufgrund eines um eineinhalb Zentimeter tiefer gelegten Fahrwerks sowie spezielle Räder.

Viele Kleinigkeiten also, die in Summe eben jene Effizienz ergeben, die sich BMW so gerne auf die Fahnen schreibt. Und lahm oder freudlos ist das Auto auf keinen Fall. In 8 Sekunden spurtet der Wagen von 0 auf Tempo 100, als Höchstgeschwindigkeit sind 228 km/h möglich. An dem Spagat zwischen Fahrkultur, Fahrspaß und Sparsamkeit gibt es nichts zu meckern.

Die BMW 3er Limousine ist eigentlich groß genug, aber doch etwas eng

Wohl aber an generellen Unzulänglichkeiten der 3er Limousine, wenn sie als Familienauto eingesetzt wird. Die niedrigen hinteren Türausschnitte etwa sind ein Ärgernis, an das man bei jeder Hilfestellung für die Kinder im Fond erinnert wird. Der Kofferraum scheint mit 460 Litern Fassungsvermögen zwar gut dimensioniert, jedoch ist Öffnungsluke viel zu klein geraten. Überhaupt das Platzangebot: Man fühlt sich im Innenraum stets ein wenig beengt, ja sogar bedrängt.

Wenn man diese Nachteile in Kauf nimmt, ist das Auto jedoch eine prima Wahl. "Man soll sich bewusst für dieses Modell entscheiden", sagt BMW-Sprecher Holz. Wer das tut, sollte wissen, dass für die Spritsparversion keine Breitreifen und auch keine Anhängerkupplung angeboten werden. Beides wäre nicht effizient -und ein Haken am Heck wäre auch nicht gerade dynamisch.