BMW 5er Touring: Vertreter nach vorn
BMW 5er Touring Aus Freude am Einladen
Es war ein Einstand nach Maß. Kaum war die neue 5er-Limousine auf dem Markt, stapelten sich bei BMW die Bestellungen. "Das Auto kommt besser an als erwartet", sagt Christian Schulte aus dem BMW-Marketing. Dass dies nicht nur ein Verkäuferspruch ist, merkt man daran, dass die Lieferfrist bereits drei Monate beträgt. "Um die zu minimieren, wurden in Dingolfing sogar die Werksferien verkürzt." Gut möglich, dass die Nachfrage sogar noch größer wird. Denn Mitte September kommt die für Deutschland wichtigste Variante der Modellpalette in den Handel: das Kombi-Modell Touring. Bislang machte dieser Typ hierzulande mehr als die Hälfte aller BMW-5er-Verkäufe aus.
Der neue Kombi kostet mindestens 42.600 Euro und ist damit rund 2600 Euro teurer als die Limousine. Für diesen Aufschlag gibt es ein Design, das sich nicht vollends dem Diktat der maximalen Raumausnutzung unterordnet. Die Silhouette des im Vergleich zum Vorgängermodell um neun Zentimeter gewachsenen Autos wirkt schlank und sportlich gestreckt. "Außerdem fällt die Dachlinie sanft ab, und das Heck sieht recht knackig aus", sagt BMW-Designer Jacek Fröhlich. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Innen herrscht ein üppiges Platzangebot. Bei aufrecht stehender Rückbanklehne schluckt der Kombi 560 Liter. Das sind 60 Liter mehr als bislang und ähnlich viel wie beim Audi A6 Avant (565 Liter). Aber zum anderen großen Rivalen in dieser Liga, dem Mercedes E-Klasse T-Modell (695 Liter) fehlt weiterhin ein gutes Stück Laderaum. Wer die hinteren Lehnen umlegt, kann in den BMW 5er künftig 1670 Liter einladen. Auch damit wahrt das Auto die Nähe zum Audi, kommt aber wieder nicht an den Mercedes heran, der mit 1950 Litern maximalem Fassungsvermögen weiter der Spitzenreiter ist in dieser Klasse.
Doch es ist ja nicht der Platz allein, der einen guten Kombi ausmacht. "Wir haben vor allem die Variabilität weiter verbessert", sagt Projektleiter Josef Wüst und zeigt ein paar besondere Details. Nach wie vor kann man zum Beispiel die Heckscheibe des Touring separat öffnen. Mit einem neuen, schlanker im Dach integrierten Mechanismus funktioniert das nun sogar auf Knopfdruck per Zündschlüssel, und das Gepäckraumrollo rollt sich dabei gleich mit auf. Ganz neu und ebenfalls einzigartig in dieser Klasse ist die nicht mehr zwei-, sondern jetzt dreigeteilte Rückbank, die man mit einem Fingerzug auch vom Kofferraum aus umlegen kann.
Extras, die das Ladeabteil zur Komfort-Transportbox machen
Wer mehr als die 2600 Euro Kombi-Aufschlag investiert, bekommt noch ein paar praktische Extras dazu. Etwa einen elektrischen Antrieb für die Heckklappe oder ein spezielles Gepäckraumpaket mit herausnehmbarem Ladeboden, verschiebbaren Zurrösen und einer Rücklehne, die in der Neigung verstellbar ist. Damit büßt man zwar je nach Lehnenstellung ein wenig des ansonsten hervorragenden Sitzkomforts ein, gewinnt aber bis zu 30 Liter Stauraum.
So viel Mühe die Entwickler auch dem Gepäckabteil widmeten, was noch mehr zählt, ist eben doch der Fahreindruck. Damit der Lastenträger hier nicht zum Lastwagen wird, erhält das Auto ein paar sinnvolle Ausstattungsmerkmale. Es gibt etwa für die Hinterachse eine Luftfederung mit Niveau-Ausgleich und auf Wunsch auch die schon von der 5er Limousine und dem 7er bekannte Aktivlenkung, bei der die Hinterräder ein wenig mitlenken. "Dann merkt man gar nicht mehr, dass man in einem Auto von 4,90 Metern Länge sitzt", sagt Projektleiter Wüst, und die ersten Fahreindrücke bestätigen das. Der Kombi - auf den Zentimeter gleich lang wie die Limousine - wirkt auf der Landstraße ausgesprochen handlich, folgt willig und präzise den Kurven und lässt sich dabei fast mit dem kleinen Finger fahren. Auf der Autobahn dagegen gibt er den Gleiter, in dem aus der genervten Frage "Wann sind wir endlich da?" wohl eher ein überraschtes "Oh, schon da?" werden dürfte.
Mit der neuen Karosserieform startet auch ein neuer Dieselmotor
Mit dem Kombi erweitert BMW auch die Motorpalette des 5er-Baureihe nach unten. Denn unter der Haube startet ein neuer Vierzylinder-Diesel mit zwei Litern Hubraum und 184 PS. Der Motor knurrt zwar ein wenig lauter als die samtigen Sechszylinder, hat aber mit 380 Nm Drehmoment allemal genügend Kraft für die große Fuhre: 8,3 Sekunden von 0 auf 100 und maximal 222 km/h sollten selbst eiligen Handlungsreisenden genügen. Zumal schieres Tempo kein Wert an sich ist. Denn: BMW bringt mit diesem Motor erstmals eine Start-Stopp-Automatik in die 5er-Baureihe, was den Durchschnittsverbrauch 5,2 Liter zurück und die Reichweite auf mehr als 1300 Kilometer steigen lässt.
Wer trotzdem nach mehr Leistung giert, für den gibt es alternativ den 530d mit 245 PS oder die beiden Sechszylinder-Benziner 523i mit 204 PS oder 535i mit 306 PS. Falls das nicht genug ist, hilft abwarten. Spätestens im nächsten Jahr kommt der neue M5 auf die Straße. Als Limousine ist das Vollgas-Modell gesetzt, ein Touring gilt als wahrscheinlich.