BMW Active-Hybrid 5: Öko-Imageträger im Carport
BMW Active-Hybrid 5 Am Sinn gespart
US-Amerikaner müsste man sein, oder Japaner oder Chinese. Dann würde man sich mit dem neuen BMW Active-Hybrid 5 sicher leichter tun. Denn dann käme man aus einem Land, in dem der Dieselmotor noch immer als schmutziger Lkw-Antrieb gilt und keinen nennenswerten Vorteil bei den Spritkosten bringt. Vielmehr dürfte man sich beim Kauf eines Hybridautos auf Vergünstigungen vom Staat freuen und könnte so von einer Limousine träumen, die ein Fahrgefühl vermittelt wie ein V8-Modell, dabei aber lediglich so viel verbraucht wie ein Vierzylinder.
Lässt man die regionale Perspektive außen vor, ist das neue Hybridmodell von BMW leider nur noch in technischer Hinsicht ein respektables Auto. Projektleiter Alfred Dick merkt stolz an, der Wagen verfüge mit 340 PS über die "höchste Systemleistung im Wettbewerbsumfeld". Und das bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,4 Liter, was wirklich nicht schlecht ist. Zum Vergleich: Die Benzinvariante 535i mit 306 PS kommt auf einen Verbrauchswert von 8,1 Liter.
Nur: In Deutschland werden diese Argumente vermutlich nur wenig Interessenten hinter dem Ofen hervorlocken. Zwar soll der Großteil der Produktion auf den typischen Hybridmärkten verkauft werden, BMW plant mit jeweils 30 Prozent des Absatzes allein in den USA und Japan. Doch immerhin zehn Prozent der Hybridtypen sollen hierzulande abgesetzt werden. "Auch in Deutschland gibt es Kunden, die mit dem Diesel nichts anfangen können", sagt Christian Schulte aus dem BMW-Marketing.
Warum ein Hybridmodell, wenn es viel sparsamere Diesel gibt?
Die allerdings sind eindeutig in der Minderheit. Im vergangenen Jahr waren von den insgesamt rund 53.000 5er-BMW, die in Deutschland verkauft wurden, lediglich 6000 mit einem Ottomotor ausgerüstet. Alle anderen waren mit Selbstzündern bestückt, die von den Bayern mit bis zu 313 PS angeboten werden. Und selbst dieses stärkste Modell kommt laut Durchschnittswert mit 5,7 Liter je 100 Kilometer aus.
Da wird die Argumentation für die Hybridvariante mit dem Lithium-Ionen-Akku im Kofferraum schon ziemlich schwierig - zumal das Auto 62.900 Euro kostet. Das sind glatt 5600 Euro mehr, als BMW für die stärkste Dieselmotorisierung verlangt, und im Vergleich zum schon erwähnten Benziner-Referenzmodell 535i beträgt der Aufschlag mehr als 12.000 Euro.
Selbst wenn man die bessere Ausstattung des Hybridmodells in Rechnung stellt, ist der Mehrpreis gegenüber dem Modell mit Sechszylinder-Benziner happig. "Am Ende bleibt ein Technologiezuschlag von rund 4500 Euro", gibt Schulte zu.
Wer zu dieser Investition bereit ist, erhält ein Auto mit einem 306-PS-Benziner samt 55 PS starkem E-Motor, die bei Bedarf gemeinsam für Vortrieb sorgen. Bis zu vier Kilometer weit und bis zu 60 km/h schnell übrigens kann man mit vollen Akkus rein elektrisch fahren - es ist dann nahezu gespenstisch ruhig im Auto.
Muss Fortschritt so protzig daher kommen?
Doch muss der Fortschritt wirklich derart protzig daher kommen? Warum muss BMW partout den stärksten Hybridwagen dieser Klasse haben? Wäre ein solches Modell mit einem Vierzylindermotor nicht viel logischer und konsequenter? "Der Sechszylinder ist in den USA unser wichtigster Motor", erklärt Projektleiter Dick nicht ganz plausibel.
Denn auch in den USA ist ein Hybridantrieb allein längst kein Erfolgsgarant mehr. Das hat BMW mit dem hybridisierten Geländecoupé X6 gelernt. Der Wagen wird auch in der Heimat des Hybrid-Hypes so wenig nachgefragt, dass die Bayern die Produktion jetzt auslaufen lassen. Beim Modell X5 hingegen gab es anstelle eines Hybridantriebs von Anfang an auch eine Dieselmotorisierung auf dem US-Markt. Und siehe da: Der Selbstzünder kommt inzwischen von New York bis Los Angeles auf einen Verkaufsanteil von 30 Prozent.