BMW M3: Achter mit Steuermann - DER SPIEGEL
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BMW M3 Achter mit Steuermann

Jetzt folgt auch BMW der Macht der Acht: Nachdem Audi und Mercedes ihre Sportler der Mittelklasse bereits vor längerer Zeit auf acht Zylinder umgestellt haben, brodelt es nun auch im M3 in zwei weiteren Töpfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Angesichts der Konkurrenzsituation wurde es auch langsam Zeit: Seit rund zwei Jahren gibt es den aktuellen BMW 3er, und seit über sechs Monaten geben die Bayern scheibchenweise Fakten und Fotos des neuen M3 preis. Nun aber ist ein Ende der Warterei in Sicht. Für den wenig bescheidenen Grundpreis von 66.650 Euro startet der Mittelklasse-Renner im September zunächst als Coupé, dem später ein Cabrio und womöglich auch Limousine und Kombi folgen sollen.

Wenige Wochen vor dem Marktstart war SPIEGEL ONLINE bereits mit der Neuauflage unterwegs und muss anerkennen: Das Warten hat sich gelohnt. Denn die Entwickler der M GmbH haben den langen Vorlauf für tiefgreifende Veränderungen genutzt. Das gilt vor allem für den Motor. Mit Blick auf die Konkurrenz hat BMW den Sechszylinder ausgemustert und erstmals in einer Straßenversion des 3er-Modells eine V8-Maschine untergebracht. Damit legt der Sportler gegenüber dem Vorgänger um rund 20 Prozent zu und kommt nun auf 420 PS. Für Prahlhänse ist das zwar ein bisschen wenig, weil der Audi RS4 über die identische Leistung verfügt und der Mercedes C 63 AMG sogar 37 PS mehr bieten wird. Doch auch 420 PS ergeben einen Überfluss an Vorwärtsdrang.

Bitte die Drehzahl hoch halten!

Weil der Motor seine Leistung aus der Drehzahl schöpft, will er stets auf Touren gehalten werden. Während der Drehzahlmesser pendelt, die Gänge nur so durch das Sechsganggetriebe flutschen und die Endrohre Fanfaren blasen, saugt sich das Coupé mit maximal 400 Nm förmlich am Horizont fest. 4,8 Sekunden vergehen, dann steht die Nadel bei Tempo 100. Ein, zwei Augenblicke länger, und man gerät umgehend ins Visier der Radarpistolen. Wer allerdings freie Bahn hat und etwa auf der Rennstrecke keine Tempolimits fürchten muss, gerät schneller an die Grenze, als ihm lieb sein dürfte Bei 250 km/h macht der Begrenzer Schluss, obwohl die Skala auf dem M-Tacho bis 330 km/h reicht.

Verloren zwischen Theorie und Praxis geht allerdings der Verbrauch. Zwar reitet BMW selbst beim Muskeltraining auf der grünen Welle und bestückt den M3 aus dem "Efficient-Dynamics"-Baukasten. Doch Schaltanzeige oder Bremsenergie-Rückgewinnung drücken den Verbrauch nur auf ohnehin stattliche 12,4 Liter. Zumal trotz Leichtbau und einem Motor mit mehr Zylindern, aber weniger Masse, noch immer stolze 1655 Kilo auf die Waage drücken. Im Alltag lässt sich der Verbrauch mit zwei, drei schnellen Abstechern über Land ohne Mühe verdoppeln. Denn eben jene kurvigen Landpartien, enge Pässe oder geschwungenen Küstenstraßen sind es, auf denen der M3 seine Trümpfe ausspielen kann.

Enttäuschender Innenraum, muskulöses Äußeres

Gründlich durften auch die Designer ran. Während das Resultat im Innenraum eher enttäuscht - es gibt ein zweifarbiges Interieur, Leder mit schlecht imitierten Carbon-Oberflächen - wurden die Freiheiten beim Exterieur besser genutzt. Vom Coupé wurden nur die Grundstruktur, die Türen und der Heckdeckel übernommen. Ansonsten erhielt der M3 ein lustvolles Äußerers: Auf der neuen Motorhaube wölbt sich ein markanter Powerdome, der von zwei Kühlrippen flankiert wird. Die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Corona-Ringen fürs Tagfahrlicht brennen verführerisch, und die Frontschürze ist mit drei riesigen Lufteinlässen so weit geöffnet wie ein Kussmund. Dazu gibt es an den Flanken eine tiefere Sicke, breitere Schweller, aerodynamisch optimierte Spiegel und markante Kiemen - sowie am Heck eine kleine Abrisskante und die vier fetten Chromröhren.

Glanzstück der M3-Karosserie ist allerdings das Dach, das erstmals in solch einer großen Stückzahl serienmäßig aus Carbon gefertigt wird. Aus schwarzen Fasern gewoben und nur mit Klarlack versiegelt, lässt es den Wagen nicht nur besonders flach aussehen, sondern es drückt auch Gewicht und Schwerpunkt, sagen die Bayern und reklamieren mal wieder die Einhaltung einer goldenen Regel, die sonst so gern vergessen wird: Form follows Funktion.