BMW X Coupé: Form und Flamme - DER SPIEGEL
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BMW X Coupé Form und Flamme

Bei der Detroit Motor Show zeigt BMW "eine neue Vision: Die Energie der Spannung." Es handelt sich um ein Konzeptauto namens X Coupé. Ein Fahrzeug, das laut BMW "im Spannungsfeld zwischen Perfektion und Emotion" angesiedelt ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nüchtern betrachtet sieht das Auto aus, als habe das Programm des Design-Computers ein wenig Schlagseite gehabt. BMW feiert die Formen mit dem Begriff "Flame Surfacing". Die Oberflächen drehen und winden sich so, als ob Feuerzungen um die Karosserie lecken würden. Das soll dynamisch wirken und eine ganz neue Spielart des Automobildesigns begründen, wie die weiß-blaue Marke selbstbewusst verkündet.

Das Auto, so formuliert es der Text, der bei der Präsentation des X Coupé in Detroit verteilt wurde, solle "die Spannung des Bogens vor dem Abschuss des Pfeils, die gespannte Ruhe des jagenden Tieres vor dem Sprung nach der anvisierten Beute" zum Ausdruck bringen.

Ein anderes Prinzip des Stylings ist die Asymmetrie. So gibt es zum Beispiel auf der rechten Fahrzeugseite keine C-Säule. Die Seitenscheibe geht nahtlos in die Heckscheibe über. Wenn der Kofferraum geöffnet wird, schwenkt der Deckel nach hinten und gibt außer dem Gepäckabteil auch den Einstieg zum rechten Rücksitz frei. Die Karosserie des Wagens aus Aluminium im Farbton "Highland-silver" misst in der Länge 4,58 Meter, in der Breite 1,87 Meter und in der Höhe 1,48 Meter.

Basis des Autos ist das Fahrwerk des Geländewagens X5; das X Coupé steht auf 20-Zoll-Felgen, ist allradgetrieben und geländetauglich. Die fahrbereite Studie wird von dem bekannten Drei-Liter- sowie Sechs-Zylinder-Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung angetrieben, der 184 PS (135 kW) leistet und ein maximales Drehmoment von 450 Nm abgibt. Möglich sind Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h. Damit der Zwitter aus Sportwagen und Offroader auch bei flotter Gangart auf dem Asphaltteppich bleibt, fährt ab Tempo 100 ein Unterflur-Heckspoiler aus, der für Abtrieb an der Hinterachse sorgt.

Erstmals präsentiert BMW am X Coupé eine neue Lichttechnik: Die Scheinwerfer drehen sich bei Kurvenfahrt entsprechend des Lenkradeinschlags in Fahrtrichtung; fährt das X Coupé auf der Straße, greift zusätzlich das Navigationssystem in die Lampenbewegung ein. Die Flamme des Fortschritts erhellt auch die Rücklichter. Das Bremslicht zeigt dem nachfolgenden Auto an, wie stark gebremst wird. Je größer die Leuchtfläche, desto vehementer die Verzögerung.

BMW spricht im Zusammenhang mit dem X Coupé gerne von neuen Outdoor-Sportarten wie Mountainbiking, Freeclimbing oder Rafting. Ähnliches hörte man zuletzt von Audi bei der Präsentation des Offroad-Kombis Steppenwolf im vergangenen Oktober in Paris.

Die Realität, die sich nach wie vor auf möglichst glatt asphaltierten Straßen abspielt, wird einfach ausgeblendet. Abenteuer, Freiheit und auf jeden Fall Emotionen lauten die Schlagworte, die Autos vom Schlage des X Coupés als obercoole Avantgarde dastehen lassen sollen. Sozusagen die Skilehrertypen in der Masse der Pflugbogenfahrer. Im Innenraum dominieren die Materialien Aluminium, vulkangraues Nubukleder und Neopren in Silbergrau (am Armaturenbrett) oder in Aktivgrün (am Fahrzeughimmel).

Die Formgebung von Details wie den Türgriffen oder diversen Schaltern und Hebeln folgt wie bereits die der Karosserieteile dem "Flame Surfacing" - alles ist also auch hier scheinbar im Fluss. Wer die markentypische Niere aus gelochtem Aluminium übersieht, muss lange rätseln, ehe er einen BMW im X Coupé erkennt. Ob die Studie den Weg in die Design-Zukunft der Münchner weist, ist noch offen. Der große Wurf in Sachen Autogestaltung aber ist die neue Formensprache sicher nicht.

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