BMW X3: Jägermeister light - DER SPIEGEL
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BMW X3 Jägermeister light

Das jüngste Modell der Münchner ist eine optische Täuschung. Der X3 sieht aus wie ein Geländewagen, doch in Wahrheit ist er ein höher gelegter Sportwagen mit Kombiqualitäten. BMW setzt mit dem neuen Modell das Reformprojekt SUV konsequent fort.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mögen die Pkw-Verkaufszahlen insgesamt auch bröckeln, das Segment der so genannten Sport Utility Vehicles (SUV) wächst beständig. BMW zum Beispiel verkaufte allein im vergangenen Jahr mehr als 100.000 Exemplare des Modells X5. Ein Auto wie der X3, der ab 10. Januar 2004 bei den Händlern stehen wird, lag also nahe. Das neue Modell ist die bislang konsequenteste Abkehr vom Geländewagen im Gewand eines Geländewagens.

Vom ursprünglichen Auto-Typus des robusten Abenteuerfahrzeugs sind nur noch wenige Merkmale geblieben: die erhöhte Sitzposition, die größere Bodenfreiheit, die wuchtigen Karosserie-Proportionen und der Allradantrieb. Doch was den X3 wirklich ausmacht, sind die sportlich-straffe Auslegung, die mit reichlich Elektronik aufgemöbelte Antriebstechnik, das formenreiche Design und die vielen Komfortdetails. Der X3 ist eigentlich ein Sportwagen mit Kombi-Heck, der im Geländewagen-Gewand steckt. BMW hat sich dafür die neue Bezeichnung SAV ausgedacht, eine Kurzform für Sports Activity Vehicle.

Der X3 ist mit 4,56 Meter Länge lediglich zehn Zentimeter kürzer als ein X5, und die beiden Topversionen, mit denen der Verkauf startet - X3 3.0i und X3 3.0d - kosten gerade mal 3500 Euro weniger als ein vergleichbar motorisierter X5, nämlich jeweils 40.300 Euro in der Grundversion.

Bei der derzeit stattfindenden Fahrvorstellung in Südspanien kann ausschließlich das Modell 3.0i ausprobiert werden, also jenes mit dem bekannten Reihen-Sechszylinder-Benziner der 231 PS (170 kW) leistet. Auch im gut 1,8 Tonnen schweren X3 macht die Maschine eine souveräne Figur, was die Fahrleistungen betrifft, wirkt aber auf Grund ihres Verbrauchs (Testdurchschnitt laut Bordcomputer: 13,5 Liter) etwas hemmungslos.

Doch die Motoren - im März 2004 wird ein 2,5-Liter-Sechszylinder-Benziner (192 PS/ 141 kW, Preis: 38.100 Euro) folgen, später noch diverse Vierzylinder - sind bei diesem BMW-Modell nur Nebendarsteller. Den zentralen Part spielt das neue Allradsystem x-Drive, das die Antriebskraft über eine Lamellenkupplung variabel auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Das tun andere Systeme zwar auch, doch nicht auf diese Art und Weise. Neu bei BMW ist, dass die Steuerelektronik mit dem Stabilitätsprogramm DSC verknüpft ist. Der Vorteil: Während andere Allradsteuerungen erst dann reagieren, wenn die Räder einer Achse bereits durchdrehen (durch Bremseingriffe), erkennt x-Drive mit Hilfe der DSC-Daten Veränderungen der Fahrsituation bereits im Ansatz und regelt die Drehmomentverteilung unmittelbar. Antriebsentwickler Christian Billig beschreibt es so: "Unser System vernichtet keine Antriebsenergie, sondern verteilt sie sinnvoll."

Hersteller:BMW
Typ:X3 3.0i
Karosserie:Geländewagen/Pickup/SUV
Motor:Sechszylinder-Benziner
Hubraum:2.979 ccm
Leistung PS:231 PS
Leistung kW:170 kW
Drehmoment:300 Nm
Von 0 auf 100:7,8 Sek.
Höchstgeschw.:210 km/h
Verbrauch (ECE):11,4 Liter
CO2-Ausstoß:270 g/km
Kofferraum:480 Liter
umgebaut:1.560 Liter
Preis:40.300 €

Dadurch wird zum Beispiel auch das Über- oder Untersteuern des Autos "bis zum physikalischen Grenzbereich", wie X3-Projektleiter Frank Ochmann sagt, durch die Kraftverteilung zwischen Hinter- und Vorderachse verhindert oder zumindest korrigiert. Jenseits von Tempo 180 oder aber beim Rangieren schaltet das System auf reinen Heckantrieb, um einerseits Spurstabilität, andererseits eine maximale Wendigkeit sicherzustellen.

Ein wirklicher Geländewagen ist der X3 nicht, doch damit der Schein gewahrt bleibt, gibt es serienmäßig eine Bergabfahrkontrolle und BMW gibt der Ordnung halber eine Watttiefe von 50 Zentimeter an. In der Praxis dürfte jedoch die ab Werk installierte Anhänger-Stabilitätskontrolle von größerer Bedeutung sein, die zum Beispiel einen ins Pendeln geratenen Wohnwagen durch beherzte Bremseingriffe wieder beruhigen soll.

Zur Serienausstattung des X3 gehören außerdem ABS, sechs Airbags, elektrische Fensterheber vorne und hinten, Klimaanlage, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, Zentralverriegelung und eine Außentemperaturanzeige. Aufpreispflichtig sind zum Beispiel Xenon-Kurvenlicht (1310 Euro), Fünfgang-Automatikgetriebe (2000 Euro), Dachreling (220 Euro), Metallic-Lack (720 Euro), hintere Seitenairbags (320 Euro) oder ein wirklich großes Panorama-Glasdach (1400 Euro).

Die Karosserie des Autos ist, im Vergleich zu anderen aktuellen BMW-Modellen, eher konservativ und zurückhaltend designt. Insgesamt überzeugt die Formensprache, obwohl die wuchtigen schwarzen Plastik-Planken an Front und Heck den Wagen ein bisschen sehr nach Jägermeister aussehen lassen. Im Innenraum allerdings herrscht ein merkwürdiger Mix aus guten und soliden BMW-Details und ärgerlichen Nachlässigkeiten. Wie kommen zum Beispiel die dürftig wirkenden Türöffner in ein Auto dieser Klasse? Warum sind die vorderen Sicherheitsgurte nicht höhenverstellbar? Und weshalb trübt ein dralles Dreispeichen-Lenkrad die von BMW so fleißig erwähnte Freude am Fahren?

Vielleicht stört sich die künftige SAV-Käufer ja gar nicht an solchen Mäkeln. Ein BMW-Sprecher: "Unsere Kunden sind geistig beweglich und vertreten moderne Werte."

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