Brennstoffzellen- Antrieb "Das Null-Liter-Auto"
Berlin - Präsentiert wurden das NECAR 5 (New Electric Car) auf Basis der Mercedes-Benz A-Klasse und ein Jeep Commander 2. Beide Fahrzeuge werden von Brennstoffzellen angetrieben, jener Technik, die als eine Möglichkeit gilt, die Nachfolge der heute üblichen Benzin- oder Dieselmotoren anzutreten.
Brennstoffzellen-Antriebe nutzen die Energie etwa doppelt so gut aus wie ein Ottomotor, arbeiten nahezu lautlos und produzieren als einziges Abgas Wasserdampf. Als Treibstoff verwenden die beiden heute vorgestellten Autos Methanol, eine Flüssigkeit, die als Wasserstoffspeicher dient.
"Die Brennstoffzelle bietet eine realistische Option, langfristig eine Ergänzung zur Monokultur Erdöl zu etablieren", sagte Schrempp. "Wir werden zwar noch viele Jahre Rohöl nutzen können, aber vielleicht nicht mehr zum heutigen Preis. Energie darf nicht zum Luxusgut werden."
Schrempp betonte, dass die beiden Premierenmodelle "echte Null-Liter-Autos" seien. "Damit kann ein Schlussstrich unter die Debatte gezogen werden, wer das 3- oder 1-Liter-Auto baut." Eine deutliche Spitze gegen VW-Chef Ferdinand Piech, der unlängst verkündet hatte, er werde während seiner Amtszeit als Vorstandschef noch das 1-Liter-Auto fahren.
Vor sechs Jahren stellte DaimlerChrysler das erste Brennstoffzellen-Fahrzeug vor, damals war es noch ein mit Technik vollgestopfter Transporter. Beim NECAR 5 dagegen braucht der neue Antrieb nicht mehr Platz als der herkömmliche Motor, gleiches gilt für den Jeep.
Das größte Problem der Brennstoffzellen-Autos ist die Bereitstellung von Wasserstoff. Dazu fehlt erstens die Infrastruktur und zweitens ist die Speicherung von flüssigem oder gasförmigem Wasserstoff kompliziert, teuer und platzintensiv.
DaimlerChrysler hat sich deshalb für Methanol als Wasserstoffspeicher entschieden. Diese Flüssigkeit hat den Vorteil, dass sie ähnlich wie Benzin oder Diesel über das bestehende Tankstellennetz vertrieben werden kann.
Methanol wird aus Erdgas hergestellt und kann auch regenerativ, etwa aus Biomasse, gewonnen werden. Der im Methanol gespeicherte Wasserstoff erzeugt in der Brennstoffzelle dann zusammen mit Sauerstoff aus der Luft die nötige Energie für den Antrieb.
Die Stuttgarter planen den Einstieg in die Brennstoffzellen-Mobilität in mehreren Stufen. Forschungs-Vorstand Klaus-Dieter Vöhringer: "Im Jahr 2002 wird DaimlerChrysler die ersten Stadtbusse mit Brennstoffzelle ausliefern. 2004 folgen erste Pkw."
Diese Autos sollen zunächst mit Wasserstoff betankt werden und kommen deshalb nur in bestimmten Testgebieten mit der entsprechenden Infrastruktur zum Einsatz. Einige Jahre später soll dann der Serieneinsatz von methanolgespeisten Brennstoffzellen beginnen.
Bis es soweit ist, wird der Konzern rund zwei Milliarden Mark in die Entwicklung des neuen Antriebs investiert haben. Schrempps Strategie hinter den Extrem-Investitionen: "Wir wollen bei der Brennstoffzelle Marktführer sein. Dann haben wir die Technik, sichern die Patente und schaffen die Arbeitsplätze auf unserer Seite."
Da DaimlerChrysler derzeit mit 34 Prozent an Mitsubishi Motors beteiligt ist, wird die bislang getrennt betriebene Brennstoffzellen-Forschung ab sofort als Gemeinschaftsprojekt organisiert. Der Wettlauf um die Poleposition beim Rennen um die Technologie der Zukunft ist in vollem Gange.