Cadillac BLS: Big Mac als Light-Menü - DER SPIEGEL
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Cadillac BLS Big Mac als Light-Menü

Cadillac, sind das nicht diese großen, trägen und durstigen Ami-Schlitten? Stimmt schon - zumindest in den USA. Für Europa aber bauen die Amerikaner jetzt bei Saab in Schweden mit dem BLS ein vergleichsweise kompaktes Modell, und das sogar mit Diesel-Motor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Cadillac will - mal wieder - die Welt erobern. Nachdem die Renaissance der Luxusmarke im GM-Konzern in den USA passabel gelungen ist, wollen die Amerikaner nun auch außerhalb Nordamerikas auftrumpfen. Weil jedoch dem Siegeszug von McDonald's und Coca-Cola zum Trotz nicht jeder Autofahrer der amerikanischen "Kunst der Verführung" (Cadillac-Chef Jim Taylor) auf Anhieb erliegt, kommt Cadillac den Kunden in Europa jetzt mit dem neuen BLS buchstäblich entgegen.

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Cadillac BLS: Ein Amerikaner will nach Europa

Zum ersten Mal bauen die Amerikaner einen Wagen, der ausschließlich für den Export bestimmt ist, und brechen dabei gleich mit einer ganzen Reihe von Konventionen. Das Auto ist eine Art Big Mac in Light-Version. Die Limousine misst 4,68 Meter und orientiert sich damit an Autos wie dem Audi A4 oder der Mercedes C-Klasse. Außerdem läuft der Wagen nicht irgendwo in den USA, sondern als erster Cadillac bei Saab in Schweden vom Band. Und auch bei den Motoren zollen die Amerikaner den Europäern Tribut: Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte gibt es einen Pkw von Cadillac auch mit Dieselantrieb.

Streng genommen ist der BLS kein neues Auto, sondern nur ein hübsch verkleideter Saab 9-3 oder ein modifizierter Opel Vectra. Doch tarnen die Amerikaner den Wagen so geschickt, dass man die Verwandtschaft nur am Saab-typischen Zündschlüssel, am Hebel der Handbremse und an ein paar Aufklebern in den Tiefen der Motorhaube erkennt. Optisch ist der BLS ein echter Cadillac und trägt das kantige Blechkleid, die riesigen Scheinwerfer, den Gitter-Grill und die scharf geschnittenen Heckleuchten seiner Markenbrüder. "Wer den BLS zum ersten Mal sieht, soll ihn auf Anhieb als Cadillac erkennen", sagt Markenchef Jim Taylor und schränkt seufzend ein, "wenn ihm die Marke überhaupt bekannt ist."

Hersteller:Cadillac
Typ:BLS
Karosserie:Limousine
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum:1.910 ccm
Leistung PS:150 PS
Leistung kW:110 kW
Drehmoment:236 Nm
Von 0 auf 100:9,5 Sek.
Höchstgeschw.:210 km/h
Verbrauch (ECE):6,1 Liter
CO2-Ausstoß:135 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:425 Liter
Versicherung (HP):17 €
Versicherung (TK):24 €
Versicherung (VK):24 €
Preis:28.450 €

Lob hat sich der Innenraum verdient. Der BLS ist nicht nur der kleinste, sondern auch mit Abstand der schönste und vornehmste Cadillac der letzten Jahre. Die Kunststoffe wirken endlich nicht mehr ganz so billig, die metallisch anmutenden Zierleisten könnten sogar echt sein, die Sitze bieten überraschend viel Halt, die Verarbeitung ist zumindest nach den Eindrücken der ersten Testwagen sehr ordentlich, und das Design zeigt eine bislang unbekannte Liebe zum Detail. An den Platzverhältnissen ändert die Camouflage allerdings nichts. Vorn ist der BLS sehr geräumig, im Fond aber für Erwachsene nur eingeschränkt empfehlenswert. Und auch 425 Liter Kofferraum sind nicht gewaltig.

Technisch setzen die Amerikaner ausschließlich auf Motoren und Getriebe, die auch bei Saab und Opel im Einsatz sind. Deshalb stehen für die Limousine zunächst drei allesamt mit Turbolader bestückte Benziner vom Zweiliter-Vierzylinder mit 175 PS (129 kW) bis zum 2,8-Liter-V6 mit 255 PS (188 kW) zur Wahl, mit denen der BLS immerhin bis zu 245 km/h schnell wird. Die interessanteste und zugleich für den europäischen Markt auch wichtigste Motorisierung ist aber der Diesel, den GM aus der geschiedenen Allianz mit Fiat gerettet hat und serienmäßig mit einem Rußpartikelfilter bestückt.

Ordentlich gedämmt und relativ laufruhig schöpft er aus 1,9 Litern Hubraum 150 PS (110 kW) und zerrt im Ernstfall mit bis zu 236 Newtonmeter an der Vorderachse. Weil der BLS mit gut 1,5 Tonnen kein Leichtgewicht ist, muss sich der Motor manchmal ganz schön anstrengen. Doch 9,5 Sekunden für den Sprint und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h sind nicht schlecht, im Vergleich zu den Diesel-Platzhirschen aus süddeutscher Produktion aber zu wenig.

Dafür jedoch hat Cadillac mit spitzem Stift kalkuliert. Das Basismodell des BLS ist mit sechs Airbags, ESP, Klimaanlage und Alufegen ordentlich ausgestattet und kostet ab 27.590 Euro. Entsprechend reklamieren die Amerikaner gegenüber ihren Mitbewerbern einen Preisvorteil von fünf bis zehn Prozent.

Ob das das Prestige und Image eines Mercedes-Sterns, einer BWM-Niere oder der Audi-Ringe aufwiegt? Zumindest manche Flottenmanager könnten da in Zeiten knapper Kassen durchaus schwach werden. Allerdings könnte es dann natürlich auch ein Saab oder Opel sein. Schließlich sind die europäischen Kollegen beide noch mal deutlich günstiger. Aber dafür sieht man die - gemessen an der deutschen Planvorgabe von 500 BLS pro Jahr - beinahe jeder Ecke.

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