Cadillac SRX: Das letzte Aufgebot - DER SPIEGEL
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Cadillac SRX Das letzte Aufgebot

Gerade einmal 3200 Autos hat Cadillac 2009 in Europa verkauft. Jetzt hoffen die Verantwortlichen auf den Geländewagen SRX, der in den USA ein Renner ist. Ab dem Sommer soll der kantige SUV auch hierzulande sein Glück versuchen - große Chancen hat der Allradler wohl nicht.
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Cadillac SRX: Bald in Europa

Foto: Tom Grünweg

Von Ford einmal abgesehen sind die US-Autohersteller in Europa glücklos. Das Geschäft von Chevrolet läuft dank billiger Importtypen aus Korea zwar einigermaßen, doch die Verkaufszahlen von Chrysler sind kaum der Rede wert und bei Cadillac sieht es noch düsterer aus. Dabei war es gerade die noble US-Schwester von Opel, die vor ein paar Jahren den Markt nach dem Willen des General-Motors-Managements kräftig aufmischen sollte. GM hatte sogar die die Vertriebsverantwortung abgetreten und das Schicksal von Cadillac, Hummer und Corvette in die Hände der niederländischen Kroymanns-Gruppe gelegt.

Die Holländer gingen 2009 Pleite, und nun fehlt GM ein europäischer Brückenkopf. Zyniker würden einwerfen, Vertriebskanäle seien auch gar nicht mehr so dringend notwendig, weil im Rahmen der GM-Insolvenz das Modellportfolio kräftig eingedampft wurde: Die Marke Hummer wurde nach China verkauft: der Cadillac BLS wurde bei Saab produziert wurde und ist jetzt Geschichte; und die Fertigung der Corvette wurde beim Neustart von GM für ein paar Monate gestoppt.

Um das Vertriebsdilemma zu lösen, wurden eiligst Lizenzverträge mit einzelnen, überlebenden Kroymanns-Betrieben abgeschlossen, um Verkauf und Service einigermaßen sicherzustellen. "Doch alle Marketingaktivitäten haben mehrere Monate geruht", sagt Wolfgang Schubert, der Europa-Chef von Cadillac.

Die ohnehin bescheidenen Absatzzahlen brachen dadurch noch weiter ein. Und so wurden im vergangenen Jahr lediglich 3200 Cadillac- und Corvette-Modelle in Europa verkauft; für Deutschland nennt Firmensprecher Stefan Weinmann 258 beziehungsweise 133 Zulassungen. Diese Größenordnung schafft der VW Golf in ein paar Stunden.

Ausgerechnet ein wuchtiges SUV soll in Europa ankommen

Trotzdem gibt Cadillac den europäischen Markt noch nicht verloren. "Wir nehmen einen neuen Anlauf", kündigt Schubert fast trotzig an. Bis zum Genfer Salon im März soll ein neuer Vertrag mit den knapp 30 Händlern in Deutschland ausgehandelt sein. Dann werde "richtig durchgestartet".

Die Hoffnungen ruhen vor allem auf dem Cadillac SRX. Die zweite Generation des Geländewagens ist in den USA der mit Abstand am besten verkaufte Cadillac und eigentlich das einzige Modell, das hierzulande zumindest eine kleine Chance haben könnte. Denn während Limousine, Coupé und Kombi des CTS gegenüber BMW 5er oder Mercedes E-Klasse schon vor dem Start verloren sind und der Cadillac Escalade einfach hiesige Größenmaße sprengt, geht der SRX durchaus als Konkurrent für Lexus RX oder Inifiniti FX durch.

Dabei hilft auch der neue Zuschnitt. Mit dem Generationswechsel wurde der Wagen ein paar Zentimeter kürzer (Länge: 4,83 Meter) und sieht nun nicht mehr ganz so wuchtig aus. Es bleibt aber bei der extrem kantigen Karosserie mit einem fast schon grotesk spitzen Bug.

Zackiges Design prägt auch das Interieur

Auch innen ist das Design von scharfen Richtungswechseln geprägt. Die Mittelkonsole, das Cockpit, die Becherhalter und selbst der ausfahrbare Navigationsmonitor sehen nach Geodreieck-Styling aus. Der Gipfel sind die beiden Kunststoffklunker über Tacho und Drehzahlmesser, die offenbar an Edelsteine erinnern sollen und beim Blinken grün flackern. Ansonsten gibt es jede Menge Platz auf weichen Ledersesseln und eine Ausstattung, die uneuropäisch umfassend ist.

Unter der Haube stößt man auf zaghaftes Downsizing. Statt eines V8-Motors arbeitet im Basismodell ein auf drei Liter Hubraum geschrumpfter Sechszylinder mit Direkteinspritzung. Das Aggregat mobilisiert 265 PS und maximal 302 Nm, die den Zweitonner kräftig voran bringen. Rund 8 Sekunden bis Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit jenseits von 200 km/h können sich sehen lassen - zumal das Fahrwerk ganz ordentlich abgestimmt ist. Zwar könnten die Bremsen etwas mehr Biss vertragen, und bei manchen Schlaglöchern in Downtown Detroit verliert die Federung dann doch die Contenance - aber schlecht macht der SRX seine Sache nicht. Als Topmotorisierung gibt es übrigens einen 2,8-Liter-Sechszylinder-Turbo 300 PS.

Warum überhaupt will Cadillac in Europa präsent sein?

Noch nennt Cadillac-Statthalter Schubert keinen Preis für den SRX. Sicher ist: So billig wie in den USA wird das Auto hierzulande nicht zu haben sein. Die US-Basisversion kostet 34.155 Dollar, also rund 24.000 Euro.

Überhaupt muss sich Schubert fragen lassen, ob man bei derart geringen Stückzahlen überhaupt Geld verdienen kann und das Europa-Engagement überhaupt sinnvoll ist. Für den Manager gibt es da keinen Zweifel. Firmen wie der britische Manufakturhersteller Morgan machten schließlich vor, dass man auch mit kleinen Stückzahlen profitabel sein könne.

Gleichzeitig jedoch demonstrieren Marken wie Lexus oder Infiniti, wie schwer sich große Konzerne mit kleinen Ablegern in Europa bisweilen tun. Neben der Hoffnung aufs Geschäft gibt es noch einen weiteren Grund, weshalb Cadillac oder Corvette auch in Deutschland angeboten werden sollen, sagt Schubert: Die 647 PS starke Corvette ZR1 oder das gerade in Detroit als stärkster Cadillac aller Zeiten präsentierte CTS-V Coupé mit 556 PS nähmen US-Kunden nun dann ernst, wenn die Autos sich auch auf der "German Autobahn" bewährten.

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