Cadillac STS: Big Mac in der Business Class - DER SPIEGEL
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Cadillac STS Big Mac in der Business Class

Cadillac macht Schluss mit der Einheitskost in der Business Class. Wem 5er, E-Klasse oder A 6 zu gewöhnlich sind, dem bieten die Amerikaner mit dem STS jetzt eine individuelle Alternative. Verwechslungen auf dem Firmenparkplatz sind bei einem Zulassungsziel von 200 Autos ausgeschlossen.
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Das automobile Einerlei der gehobenen Mittelklasse bekommt einen neuen Farbtupfer. Denn als Alternative für Individualisten bringt Cadillac jetzt für Preise ab 45.950 Euro den neuen STS auch nach Europa. Der fast fünf Meter lange Luxusliner ist das Flaggschiff in der Exportflotte der vornehmen GM-Tochter und soll mit auffälligem Design, gehobener Ausstattung und standesgemäßen Motoren zumindest ein paar Krümel des großen Kuchens erringen, den in Deutschland die Mercedes E-Klasse, der 5er BMW und der Audi A6 weitgehend unter sich aufteilen.

Dafür haben die Amerikaner ein Design entwickelt, das sie selbst als "bold and edgy", als kühn und kantig bezeichnen. Deshalb wurde der STS, wie schon der Klappdach-Roadster XLR und der kleine Bruder CTS, ohne viel Schnörkel mit ein paar scharfen Schnitten aus dem Blech gehauen. Zur geradlinigen Silhouette, die sich mit sportlich aufsteigender Gürtellinie über annähernd drei Meter Radstand spannt, gibt es vorn einen stolzen Kühler mit breiten Chromrippen und zwei riesige Scheinwerfergläser, hinter denen serienmäßig Xenon-Linsen in die Nacht leuchten. Und hinten sorgen ein kleiner Spoiler und die markanten LED-Rückleuchten für einen bleibenden Eindruck. Damit steht der STS auf dem Dienstwagen-Parkplatz breit und protzig wie ein Big Mac zwischen den Limousinen aus Deutschland, die plötzlich zurückhaltend, vernünftig und brav wirken wie ein Rohkostteller.

Während der STS damit außen durchaus aus der Masse heraussticht, fällt er innen, wie so viele Fahrzeuge von der anderen Seite des Atlantiks, in gehobenes Mittelmaß zurück. Zwar kommen alle STS grundsätzlich mit Lederpolstern ins Land, Applikationen in Holz- und Aluminium-Optik sollen ein vornehmes Ambiente verbreiten. Doch wirkt die Atmosphäre zu kühl und künstlich, weil den Designern offensichtlich die Liebe zum Detail auf dem Weg von außen nach innen verloren gegangen ist.

Dafür jedoch glänzt der STS mit einem - bis auf den mit 464 Litern relativ knapp bemessenen Kofferraum - sehr ordentlichen Platzangebot. Und mit einer Ausstattung, die manchen 5er-Fahrer vor Neid erblassen lassen dürfte. Denn zum üblichen Sicherheitspaket mit sechs Airbags, Traktionskontrolle, Reifendrucküberwachung und einer amerikanischen Ausgabe des ESP gibt es neben den Lederpolstern und einem ganzen Heer elektrischer Helfer für die Verstellung und Entriegelung von Spiegeln, Türen, Lenkrad, Sitzen und Heckklappe auch eine Zwei-Zonen-Klimaanlage, den Tempomat, ein schlüsselloses Zugangssystem, eine Musikanlage von Bose und die Xenonscheinwerfer zum Nulltarif. Und gegen Aufpreis wird der STS auch mit einem vierfarbigen Head-up-Display, einer automatischen Abstandsregelung und klimatisierten Sitzen in der ersten Reihe ausgeliefert.

Hersteller:Cadillac
Typ:STS
Karosserie:Limousine
Motor:Achtzylinder-Benziner
Hubraum:4.565 ccm
Leistung PS:325 PS
Leistung kW:239 kW
Drehmoment:427 Nm
Von 0 auf 100:6,2 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):12,4 Liter
CO2-Ausstoß:294 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Kofferraum:464 Liter
Versicherung (HP):21 €
Versicherung (TK):28 €
Versicherung (VK):28 €
Preis:45.950 €

Unter der Haube schlägt dabei ein durch und durch amerikanisches Herz. Denn schon das Basismodell bekommt einen V6-Motor mit stolzen 3,6 Litern Hubraum. Das reicht für 189 KW/257 PS, maximal 342 Newtonmeter, eine Sprintzeit von 7,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h. Doch wer wirklich den "American Way of Drive" genießen möchte, der sollte sich nach dem Motto "Wenn schon, denn schon" allerdings nicht mit dem Sechszylinder begnügen, sondern stattdessen 12.000 Euro mehr investieren und gleich zum standesgemäßen V8 greifen. Dann gibt es 4,6 Liter Hubraum und 239 kW/325 PS, die mit bis zu 427 Newtonmeter an der Hinterachse zerren. Zwar mag die jüngste Ausgabe des legendären Northstar-Triebwerks manchem Puristen fast schon zu leise und kultiviert laufen, weil vom typischen Brabbeln des Achtzylinders kaum mehr etwas zu hören ist. Doch dafür wird der STS mit diesem Motor zu einem souveränen Gleiter, den mit einer sanft gestuften Fünfgang-Automatik nichts aus der Ruhe bringen kann. Und wer es wirklich wissen will, der kann auch manuell ins Getriebe eingreifen, mit beherztem Tritt aufs Gaspedal in 6,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und bei einer elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h auch mit den Wettbewerbern aus dem deutschen Süden mithalten.

Für eine stabile Straßenlage sorgt dabei im V8-Modell die "Magnetic Ride Control", mit der das Dämpfersystem binnen Sekundenbruchteilen stufenlos und automatisch auf den jeweiligen Fahrzustand eingestellt wird. Erprobt und justiert haben die Amerikaner das System auf der Nordschleife des Nürburgrings und dort eine solide Abstimmung gefunden, die mit vielen Vorurteilen aus vergangenen Zeiten aufräumt. Auch wenn noch immer ein deutlicher Unterschied zu heimischen Modellen zu spüren ist. Das gilt übrigens auch an der Tanksäule: Denn schon der bei beiden Motoren identische Normverbrauch von 12,4 Litern ist stattlich. In der Praxis allerdings dürfte selbst das nicht reichen.

Doch wirklich kümmern muss das die Amerikaner in Europa nicht. Denn gekauft werden ihre Autos ohnehin nur von echten Überzeugungstätern, die solche Kritik als Lappalien abtun werden. Entsprechend eklatant sind die Unterschiede in der Zulassungsstatistik: Während Cadillac in den USA im letzten Jahr fast 250.000 verkauft hat, waren es in Deutschland gemeinsam mit der Corvette rund 1300. "Und das war das beste Ergebnis, das die Marke hier je erreicht hat", sagt Pressesprecher Werner Röser. Mit dem neuen BLS als Antwort auf 3er BMW und Audi A4 will die Marke den Absatz mittelfristig auf 2000 und später vielleicht noch ein paar Einheiten mehr steigern. Das neue Flaggschiff STS spielt dabei angesichts des scharfen Winds im automobilen Oberhaus nur eine bescheidene Rolle. "In diesem Jahr wollen wir noch 120 und im ersten vollen Jahr rund 200 Autos verkaufen", sagt Röser. Verwechslungen auf dem Firmenparkplatz sind damit weitgehend ausgeschlossen.

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