Caterham Super Seven Rasende Rübe
Wer in Deutschland vom 7er spricht, der meint eine ebenso große, wie luxuriöse und auch schwere Hightech-Limousine von BMW, die wie ein Sinnbild für den automobilen Überfluss steht. In England dagegen steht der gleiche Begriff für das Gegenteil. Dort trägt ein Auto die magische Zahl, das puristischer und urtümlicher kaum sein könnte: der Super Seven. Erfunden wurde der Typ vor 51 Jahren von Lotus-Gründer Colin Chapman. Und bis heute ist die rasende Zigarre der Rennstrecke näher als die meisten anderen Autos mit Straßenzulassung.
Für den Fahrer ist das Fluch und Segen zugleich. So ist zum Beispiel eine gewisse Gelenkigkeit gefragt, sonst wird schon das Einsteigen zum Problem. Zwar ist der Super Seven selbst am obligatorischen Überrollbügel kaum hüfthoch, Dach und Türen sind aus Kunststoff und können abgenommen werden, und die Flanken sind tief ausgeschnitten, doch wenn man darüber hinweggestiegen ist, muss man irgendwie auch in den Sitz kommen, den Oberkörper hinters Lenkrad quetschen und die Füße in den engen Tunnel fädeln.
Obwohl die Briten für die Hüften der Wohlstandsgesellschaft eigens eine Alternativkarosserie mit elf Zentimetern mehr Breite und acht Zentimetern mehr Länge aufgelegt haben, fühlt man sich wie beim Versuch, zwei Füße in eine Socke zu stecken. Apropos Füße: Weil gleich nebenan der Motor bollert, werden sie schon nach wenigen Kilometern warm wie Weißwürste im Sud. Ans Aussteigen will man gar nicht denken, allenfalls an die Dusche danach.
Der Motor wird von Cosworth getunt
Daran denkt man aber erstmal nicht, wenn die Hosenträgergurte endlich festgezurrt sind. Kaum ist der Startknopf gedrückt, knurrt der Motor wie der Hund von Baskerville. Dann fixiert der Blick die Fahrbahn, der Schaltstummel klackt in den ersten Gang, die Hände greifen das winzige Lenkrad im Kuchentellerformat, und die im typischen Orange lackierte Speed-Möhre jagt davon. Autofahren pur steht dann auf dem Programm.
Auf Trab gebracht wurde unser Testwagen von einem 2,3-Liter-Motor. Das Ford-Aggregat wurde vom britischen Rennsportspezialisten Cosworth weiterentwickelt. Der Vierzylinder hat für einen Sportwagen eher bescheidene 200 PS, und auch mit dem maximalen Drehmoment von 200 Nm kann man nach der Papierform kaum punkten. Doch weil der Super Seven mit Gitterrahmen und Aluhaut keine 600 Kilogramm wiegt, sind schnelle Rundenzeiten für den Vierzylinder buchstäblich eine leichte Übung.
Auch viel stärkere Sportwagen sind nicht so extrem
Schon das 115 PS starke Basismodell für 34.400 Euro fährt die GTI-Fraktion in Grund und Boden. Und mit dem CSR-200, der mit 56.600 Euro die Spitze im Modellprogramm mit Straßenzulassung markiert, kann man selbst Porsche und Co. im Zaum halten - zumindest auf der Landstraße. Während der brachiale Brite die Konkurrenz auf der Autobahn bei 220 km/h ziehen lassen muss, ist er beim Sprint von 0 auf 100 mit 3,7 Sekunden ganz vorn dabei. Und wo andere in Kurven gegen die Schwerkraft kämpfen, wirkt die federleichte Fahrmaschine, als nutze sie die Ideallinie wie ein Zug seine Schienen.
Sobald aber die Straße rutschig wird, ist Vorsicht geboten. Elektronische Helfer sucht man nämlich vergebens. Und wo Profis ihren Super Seven begeistert mit dem Gasfuß lenken, die Reifen im Drift verbrennen und damit angeblich sogar eine Rolle Klopapier um einen Laternenpfahl wickeln können, werden Amateure mitunter vom Vorbeiflug des eigenen Hecks überrascht. Nicht nur deshalb organisiert Händler Kurt Hoffmann aus Neuwied regelmäßig Fahrertrainings und sogenannte Trackdays. Zumal das Auto auf diese Weise dorthin kommt, wo er eigentlich hin gehört: auf die Rennstrecke.
Mehr als zwei Dutzend Hersteller dieses Roadster-Typs
Mehr als 50 Jahre nach seiner Premiere ist der Markt für den Seven heute reichlich durcheinander. Nachdem Lotus-Chef Colin Chapman die Lust an der rasenden Rübe verlor, gibt es nach Einschätzung Hoffmanns mittlerweile mehr als zwei Dutzend Fahrzeuge nach dieser Bauart, "und überall schwingt die Sieben im Namen mit". Doch beim Super Seven sei es wie mit Coca Cola. "Es gibt nur ein Original, und das kommt von Caterham", sagt Hoffmann. Schließlich sei es der einstige Super-Seven-Händler Caterham gewesen, der 1973 die Rechte gekauft habe, heute in etwa 500 Autos pro Jahr baut und jedes zehnte Exemplar über die drei deutschen Händler ausliefert.
Deren Kunden haben die Wahl zwischen vier Straßen- und drei Rennfahrzeugen, die es - ganz in der Tradition des britischen Breitensports - meist auch als Bausatz gibt. Wer diese Kit-Cars bestellt, spart rund 4000 Euro und bekommt dafür ein paar Holzkisten mit den vormontierten Bauteilen, aus denen dann hoffentlich in der heimischen Garage an zwei, drei Wochenenden das fertige Auto entsteht. Zwar gebe es tatsächlich ein paar Schrauber unter seinen Kunden, sagt Hoffmann. Doch ums Sparen gehe es nur den wenigsten, und an alternativen Spielzeugen herrsche in deren Garagen meist kein Mangel. Warum man dann überhaupt einen Super Seven braucht? Hoffmann: "Weil kein anderes Auto mehr Spaß macht."