Chevrolet Aveo Flüssiggas: Spardose im Heck - DER SPIEGEL
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Chevrolet Aveo Flüssiggas Spardose im Heck

Wer Gas tankt, dem kann der Benzinpreis wurscht sein: An der Zapfsäule kostet Flüssiggas deutlich weniger als normaler Sprit. Kein Wunder, dass die Zahl der Umsteiger wächst. Davon profitiert Chevrolet: Dank eines Umrüstprogramms ist die GM-Tochter Marktführer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Autogas ist im Aufwind. Mit jedem Höhenflug der Benzinpreise steigt auch die Zahl der Autofahrer, die auf Gas wechseln und dabei sparen. Ein Liter Flüssig- oder Autogas kostet an der Tankstelle nur etwa halb soviel wie Benzin. Und auch wenn der Verbrauch im Gas-Modus um bis zu 20 Prozent steigt, lassen sich die Kosten spürbar senken. Obendrein wird das Umweltgewissen beruhigt, denn der CO2-Ausstoß geht um knapp 20 Prozent und das Smogpotenzial um bis zu 80 Prozent zurück.

Die Branche meldet derzeit Rekorde: Waren 2004 lediglich 30.000 Fahrzeuge mit Flüssiggas-Antrieb auf deutschen Straßen unterwegs, kletterte der Bestand in diesem Sommer über die 200.000er-Marke. "Damit ist Autogas in Deutschland - ebenso wie im weltweiten Vergleich - Marktführer bei alternativen Kraftstoffen", meldet der Autogas-Branchenverband DVFG. Gleichzeitig sei das Netz der Tankstellen dichter geworden. Von 600 öffentlich zugänglichen Zapfsäulen im Jahre 2004 wuchs das Angebot auf bis heute fast 4000 Stationen, Tendenz weiter steigend.

Anders als Erdgas ist Autogas flüssig und wird unter niedrigem Druck gelagert. Das Gas, das auch als Liquified Petroleum Gas (LPG) bezeichnet wird, ist ein Gemisch aus Propan und Butan, wie man es aus Einwegfeuerzeugen kennt. Allein in Europa werden davon pro Jahr rund 28 Millionen Tonnen verkauft, von denen allerdings nur 20 Prozent in Fahrzeugtanks landen.

Damit ein Benzinmotor mit Flüssiggas läuft, muss zunächst ein entsprechender Tank installiert werden. Meist handelt es sich um einen ringförmigen Kanister, der in die Ersatzradmulde passt und über ein Volumen von 30 bis 60 Litern verfügt. Weil der Benzintank voll erhalten bleibt und man auf Knopfdruck zwischen beiden Kraftstoffen wählen kann, schnellt die Reichweite von LPG-Fahrzeugen in die Höhe. Die Kosten für eine Umrüstung liegen zwischen 1500 und 3500 Euro und haben sich je nach Fahrleistung bereits nach zwei bis drei Jahren amortisiert.

Chevrolet bietet alle Modelle mit LPG-Umrüstung an

Mit dem Boom für Autogas sind ein paar Marken ins Blickfeld gerückt, die bislang eher randseitig waren. Während große Hersteller und Importeure viel zu viele interne Prüf- und Genehmigungsschleifen absolvieren und vertriebspolitische Hürden nehmen müssten, haben Kleindarsteller wie die Marken Subaru oder Jeep schnell und unkomplizierte Umrüstungen für ihre Neuwagen ins Programm genommen.

Am konsequentesten gelang das Chevrolet. Die US-Marke ist die einzige, die für Aufpreise zwischen 2000 und 3000 Euro tatsächlich ihre gesamte Flotte vom Stadtflitzer Matiz bis zum Geländewagen Captiva mit Flüssiggas anbietet. Die breite Produktpalette hat die Opel-Schwester zumindest in der LPG-Nische an die Spitze geführt: Allein in den ersten sieben Monaten verkaufte Chevrolet mehr als 1000 LPG-Fahrzeuge und ließ damit die Konkurrenz hinter sich.


Flüssiggas-Umrüstung: Alle Fragen, alle Antworten

Eine Testfahrt mit einem auf Flüssiggas umgerüsteten Chevrolet Aveo zeigt: Am Steuer eines Autogasfahrzeugs merkt man zwischen den Betriebsarten keinerlei Unterschied. Weder Fahrverhalten noch Geräuschniveau ändern sich, wenn man auf den kleinen Knopf in der Mittelkonsole drückt und der Sprit nach einem Piepton aus dem 36 Liter großen Gastank unter dem Kofferraumboden gesaugt wird. Egal ob Benzin oder Flüssiggas: Der 1,2 Liter große Vierzylinder des koreanischen Kleinwagens kommt auf 84 PS und 114 Nm, mit denen er munter im Stadtverkehr mitschwimmt.

Erhebliches Sparpotenzial durch Flüssiggas

Über Land und auf der Autobahn allerdings wird es bei einem Sprintwert von 12,8 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h etwas zäh. Aber das ist beim reinen Benziner nicht anders. Dafür sinkt der CO2-Ausstoß im LPG-Betrieb von 132 g/km auf "deutlich unter 120 g/km", versprechen die Techniker. Die Reichweite wiederum wächst dank des zusätzlichen Tanks um etwa 50 Prozent. Wer ausschließlich mit Autogas fährt, kann kräftig sparen: Bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern summiert sich der Vorteil pro Jahr auf rund 650 Euro. Das ist mit einem Dieselauto kaum zu schaffen.

Liegt der Autogas-Anteil bei Chevrolet schon heute bei gut zehn Prozent, dürfte er in den nächsten Wochen noch einmal deutlich steigen. Denn um die derzeit erlahmte Kauflust zu stimulieren, gibt es die Autogas-Umrüstung bis Jahresende zum Nulltarif. Einzig beim Retro-Kombi HHR berechnet der Händler offiziell knapp 3000 Euro, doch sei auch das Verhandlungssache, heißt es beim Importeur. "Mit dieser Aktion treffen wir den Nerv der Zeit", behauptet Chevrolets Deutschlandchef Jürgen Keller. Denn Flüssiggas sei nicht nur umweltfreundlicher, sondern vor allem günstiger: "Und das sind heute die entscheidenden Faktoren für viele Autokäufer."

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