Chevrolet-Dieselmodelle Saubere Selbstzünder
Im vergangenen Jahr erzielte Chevrolet in Deutschland ein Rekordergebnis: 23.132 Fahrzeuge mit dem Kreuz im Kühlergrill wurden 2006 neu zugelassen. Und für dieses Jahr hat die in Bremer ansässige Marke, die zum GM-Konzern gehört, ehrgeizige Ziele. Sie will insgesamt 30.000 Autos absetzen. "Leiden die denn an Größenwahn, wie wollen die das machen?" fragt Steffen Raschig, Vertriebsleiter bei Chevrolet Deutschland, rhetorisch.
Die Frage ist nicht unberechtigt, denn der Markt in Deutschland stottert, die Zulassungszahlen sind in den ersten zwei Monaten des Jahres um fast 13 Prozent gesunken. Raschigs Rezept: "Wir werden unser Händlernetz ausbauen." Und weiter sagt er: "Wir wollen auf den Einkaufszettel der Dieselkäufer." Deshalb ergänzen in diesen Wochen drei neue Diesel-Varianten das Chevrolet-Angebot.
Zum Einsatz kommen zwei Turbomotoren, die 121 und 150 PS leisten. Der stärkere wird im SUV Captiva und in der Mittelklasse-Limousine Epica eingesetzt. Im Kompaktmodell Lacetti sowie im etwas teureren Nubira sorgt das 121 PS starke Triebwerk für Vortrieb. Die beiden Maschinen unterscheiden sich lediglich durch den Turbolader. Die höhere Leistung bei den Modellen Captiva und Epica wird durch eine variable Turbinengeometrie erreicht, während die Aufladung in der 121 PS-Version mit fester Geometrie der Turbine erfolgt.
Mutmaßlich wird der Lacetti-Diesel Schwung in die Absatzzahlen bringen. Ab Mai soll das Auto in zwei Ausstattungsvarianten zu Preisen ab 18.640 Euro bei den Händlern stehen. Die Gestaltung der Karosserie und des Innenraums ist mit der des Benziners identisch. Allerdings hätte dem Interieur eine Frischzellenkur gut getan. Optisch wirkt der Lacetti, dessen Cockpit mit dem des Schwestermodells Nubira identisch ist, ein bisschen altbacken und auch etwas emotionslos. Dafür sind die Bedienelemente sehr übersichtlich und problemlos erreichbar angeordnet.
Ordentliche Ausstattung, kaum Extras
Zu den Sicherheitsmerkmalen zählen serienmäßig unter anderem die Airbags auf der Fahrer- und Beifahrerseite sowie Luftkissen an den Seiten. Positiv, zumindest für den Geldbeutel, ist die recht überschaubare Liste aufpreispflichtiger Extras. So kann bei Bedarf eine 4-Stufen-Automatik für 1100 Euro oder ein elektrisches Glas-Schiebedach für 620 Euro geordert werden. Die Metallic- oder Mica-Lackierung für 400 Euro komplettiert schon die Liste der Sonderausstattungen.
Der Commonrail-Diesel verrichtet im Lacetti solide Arbeit. Hat man erst mal die gewünschte Reisegeschwindigkeit erreicht, verhält er sich recht ruhig. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft das Auto in 9,8 Sekunden, und die maximale Geschwindigkeit ist mit 186 km/h angegeben. Da das Platzangebot für die Passagiere angenehm bemessen ist, lässt sich auch eine längere Fahrt entspannt bewerkstelligen. Der Kraftstoffverbrauch von durchschnittlich 5,7 Liter auf 100 Kilometer ist vergleichbar mit anderen Diesel-Modellen in diesem Segment. Bei der Leistung jedoch sind die meisten Konkurrenten voraus. Beim Thema Feinstaub ist Chevrolet kompromisslos: Alle Dieselvarianten erhalten ab Werk einen Rußpartikelfilter.
Der Nubira Kombi, bereits ab April erhältlich, unterscheidet sich - vom Extra-Laderaum abgesehen - kaum vom Lacetti. Die Cockpits sind absolut identisch, so dass man sich schon fragen kann, in welchem Modell man eigentlich unterwegs ist. Der Kombi ist in der Grundausstattung exakt 800 Euro teurer als der Lacetti und wirkt insgesamt etwas biederer. Aufgrund des größeren Gepäckraumvolumens ist er wohl besonders für Familien interessant, während der Lacetti eher preisbewusste Kunden ansprechen wird, die eine etwas interessantere Linienführung im Karosseriedesign wünschen.
Etwas mehr Komfort in der Mittelklasse
Das schon seit März erhältliche Mittelklassemodell Epica soll da schon andere Kunden ansprechen. Die Komfortausstattung ist umfangreich. In der höheren Ausstattungsvariante LT bedeutet dies beispielsweise Geschwindigkeitsregelung, Einparkhilfe und Bordcomputer. Im Visier der Verkaufsabteilung sind dementsprechend auch Pendler und Unternehmen, die ihren Mitarbeitern einen Firmenwagen stellen. Das Leistungsplus des Selbstzünders von knapp 30 PS macht sich jedoch kaum bemerkbar, da der Epica fast 300 Kilogramm mehr Gewicht auf die Waage bringt. Auch im Verbrauch tut sich nicht viel: Im Durchschnitt verlangt die Limousine nach 6,1 Liter Treibstoff, um 100 Kilometer zu absolvieren.
Mit der Diesel-Offensive verstärkt Chevrolet die Präsenz in drei Segmenten. Gute Voraussetzungen also, die hochgesteckten Ziele für das Jahr 2007 zu erreichen. "Wir gehen davon aus, dass wir durch die Dieselmodelle eine Absatzsteigerung von knapp 20 Prozent erreichen werden", sagt Vertriebschef Raschig. Diese Prognose ist durchaus realistisch, denn in Deutschland beträgt der Dieselanteil bei den Neuwagen derzeit gut 40 Prozent.