Chevrolet Spark Nix mit niedlich
Chevrolet Spark: Funkenflug im Stadtverkehr
Wayne Brannon, Chef von Chevrolet Europe, zählt zu den Gewinnern der Krise. Die miserable Wirtschaftslage habe dazu geführt, dass viele Autointeressenten genauer überlegten, wofür genau sie das hart verdiente Geld ausgeben möchten. "Warum mehr bezahlen, wenn sie so viel Auto für so wenig Geld haben können", fragt Brannon ganz eigennützig.
Die Billigheimer aus Korea, die hierzulande unter dem GM-Markennamen Chevrolet verkauft werden, vermelden im Jahr der Abwrackprämie ein Absatzplus von etwa 50 Prozent. Bis Ende November hatte Chevy laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts knapp 30.000 Autos verkauft. Und während andere Hersteller für das Jahr 2010 den großen Einbruch befürchten, herrscht bei der General-Motors-Tochter Zuversicht. Im März nämlich kommt der Nachfolger für das Auto, das bei Chevrolet rund die Hälfte der Verkäufe ausmacht: Dann wird der angestaubte Matiz vom neuen Spark abgelöst. "Der sollte den positiven Schwung ins neue Jahr mitnehmen", sagt Chevrolet-Sprecher Rej Husetovic.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn aus dem langweiligen Kleinwagen wird mit dem Modellwechsel ein Charakterkopf mit Ecken und Kanten. Bei der ersten Ausfahrt machte das Auto eine ordentliche Figur. "Wir wollten einfach kein weiteres Modell, das man schon Dutzende Male gesehen hat. Es gibt schon so viele Kleinwagen, die sich ähneln", sagt Designer Taewan Kim.
Deshalb kamen diesmal weder Kulleraugen-Scheinwerfer noch Knuddelkonturen in Frage. "Wir mussten und wollten etwas Frisches und Ausdrucksvolles entwickeln, das sich beim Käufer einprägt", os Taewan. So entstand das freche, selbstbewusste Gesicht. Dazu gibt es übergroße, scharf geschnittene Scheinwerfer. Nur beim Heck geht die Übertreibung zu weit: Große Rückleuchten, kleiner Spoiler und ein angedeuteter Diffusor - das ist dann doch ein bisschen viel.
Dafür haben die Chevrolet-Kreativen erstmals auch im Innenraum Sinn für Formen und Farbe bewiesen. Wo andere Modelle aus Fernost meist einheitsgraue Langeweile bieten, ist das Cockpit des Sparks schön bunt. Und hinter dem Lenkrad sitzt statt eines gewöhnlichen Tachos eine kleine Konsole, die auch aus einem Computerspiel kommen könnte. So, hoffen die Entwickler, können vielleicht erstmals auch junge Männer angesprochen werden, die bei Kleinwagen mit weniger als 150 PS bislang nur abfällig grinsten.
Eine Karosserievariante, die aber bietet ordentlich Platz
Wie der Matiz ist auch der Spark nur als viertüriger Fünfsitzer lieferbar, bietet aber deutlich mehr Platz als früher. Bei nun 3,64 Metern Länge kann man vorne sehr gut und im Fond noch immer ganz ordentlich sitzen. Für die Knie jedenfalls gibt es genügend Platz, nur am Kopf wird es hinten trotz des hohen Daches eng. Und auch der Kofferraum reicht mit 170 Litern Fassungsvermögen für kaum mehr als ein langes Wochenende.
Hinter dem goldenen Bowtie-Logo im Kühlergrill platzieren die Koreaner je nach Kundenwunsch zwei neue Vierzylinder mit 1,0 und 1,2 Liter Hubraum, die 68 oder 82 PS leisten. Zumindest der größere Motor macht in der Stadt einen quirligen Eindruck, hängt ordentlich am Gas und ist flott bei der Sache. Handlich, wendig und übersichtlich flitzt der Spark durch den Feierabendverkehr.
Allerdings braucht er dafür reichlich Drehzahl und dürfte dann kaum mehr die 5,1 Liter Durchschnittsverbrauch schaffen, die Chevrolet angibt. Auf freier Strecke dagegen bleibt nicht mehr ganz so viel übrig vom Elan des kaum 1000 Kilo schweren Stadtflitzers. Bei maximal 111 Nm dauert der Standardsprint 12,1 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit von 164 km/h lässt sich nur mit Geduld und Rückenwind erreichen.
ESP kostet immer Aufpreis - sechs Airbags sind ab Werk an Bord
Damit Chevrolets Europa-Chef Bannon recht behält mit den optimistischen Prognosen, hat die Marke einer deftigen Preiserhöhung widerstanden: Obwohl größer und stärker als der Matiz, kostet der Spark lediglich 100 Euro mehr und startet bei 8990 Euro. Vorbildlich: Sechs Airbags sind stets an Bord. Unverständlich: Dass der Schleuderschutz ESP immer 300 Euro Aufpreis kostet. Doch selbst voll ausgestattet wird es schwer, den Preis deutlich über 12.000 Euro zu treiben. Viele andere Kleinwagen fangen da erst an.
Offiziell zielt Chevrolet mit dem Spark vor allem auf Fahrzeuge wie Citroën C1, Hyundai i10, Kia Picanto oder Suzuki Alto. Doch natürlich ist der kleine Koreaner auch eine Kampfansage an den Agila der Schwestermarke Opel. Eigentlich wollte der inzwischen geschasste Opel-Chef Carl-Peter Forster gleich nach dem Abschied aus dem GM-Verbund einen preiswerten Kleinwagen unterhalb des Opel Corsa auf den Weg bringen. Daraus wird jetzt wohl nichts - diese Rolle bleibt dem Spark vorbehalten.