Chrysler Crossfire: Batmobil light - DER SPIEGEL
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Chrysler Crossfire Batmobil light

"Dreamed in America. Crafted in Germany." Mit diesem Slogan wirbt Chrysler in den USA für ein Auto, das eine neue Ära der Marke einleiten soll. Das Sportcoupé Crossfire gilt als Vorbild für alle künftigen Modelle: extravagant, sportlich und trotzdem typisch amerikanisch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch nie gab es ein zweisitziges Coupé von Chrysler. Noch nie war die Technik derart ausgefeilt: V6-Motor mit Doppelzündung oder ESP sind nur zwei Beispiele. Und noch nie wurde ein Chrysler in Deutschland gebaut: bei Karmann in Osnabrück. "Der Crossfire ist ein ganz besonderes Auto", sagt Produktmanager Charles McKay deshalb völlig zu Recht. Zu den Besonderheiten des Wagens gehört auch das Design, das McKay "selbstbewusst und romantisch" nennt.

Auch wenn man mehrmals um den Crossfire läuft, es gibt immer noch ein paar neue Details zu entdecken. Die über Motorhaube, Dach und Heckklappe verlaufende Bügelfalte zum Beispiel, der große Kühlergrill, die listig blickenden Scheinwerferaugen, die Kühlöffnungs-Attrappen an den Flanken, die schmalen Fensterschlitze, die sich unter den Seitenspiegeln kreuzenden Charakterlinien der Karosserie, das sich elegant nach hinten verjüngende "boat tail"-Heck oder die sechs Sicken auf der Motorhaube und natürlich die riesigen Räder (18 Zoll vorne, 19 Zoll hinten). Manche mögen das zu verspielt für einen Sportwagen halten, doch Chryslers Mut, ein perfekt durchgestyltes Art-déco-Coupé auf die Räder zu stellen, ist bemerkenswert.

Der Wagen wirkt wie das Privatauto von Batman. Von außen. Von innen betrachtet wandelt sich dieser Eindruck - ganz ähnlich wie der des Comic-Superhelden, wenn er sein Fledermauskostüm ablegt. Denn die Detailverliebtheit und Prägnanz der Exterieur-Optik findet man im Innenraum kaum. Die Cockpitinstrumente sind toll, gewiss, doch das silbern lackierte Plastik der Mittelkonsole wirkt nun gar nicht besonders. Auch die Lüftungsdüsen, der Handschuhfach-Verschluss oder manche Oberflächen hätten etwas mehr gestalterische Sorgfalt verdient gehabt. Und warum fehlt bei einem Sportwagen zum Grundpreis von 37.200 Euro eine Stütze für den linken Fuß?

Es sind Kleinigkeiten, aber auf die kommt es schließlich an. Zumal sich Chrysler mit dem Crossfire nach eigener Einschätzung in Konkurrenz zu Fahrzeugen wie Audi TT, Porsche Boxster, Nissan 350Z oder BMW Z4 begibt. Technisch ist das übrigens absolut gerechtfertigt. Der Crossfire fährt sich so, wie sein Name klingt, nämlich klasse. Aus dem Fundus der Mercedes-Technik (C-Klasse, SLK, CLK) haben die Entwickler die passenden Teile herausgefischt, um ein knackig-kraftvolles Auto auf die Räder zu stellen. Der V6-Aluminium-Motor mit drei Ventilen und zwei Zündkerzen je Brennkammer läuft ruhig, souverän und ausgesprochen druckvoll. Allein der Klang dürfte etwas beherzter sein. Sportlich faucht die Maschine erst bei mehr als 4000 Umdrehungen pro Minute.

Die Paarung mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe passt prima. Für nicht ganz so ambitionierte Fahrer - und natürlich für den US-Markt - hat Chrysler eine Fünfstufen-Automatik (Aufpreis 1400 Euro) im Angebot. Die Lenkung war für unseren Geschmack eine Spur zu indifferent, dafür ist das Fahrwerk haargenau abgestimmt. Der Crossfire liegt satt und souverän auf der Straße. Grundlage des tollen Fahrverhaltens ist die ausgesprochen steife Karosserie (Torsionssteifigkeit 20.100 Nm/Grad). "Damit", sagt Entwickler Dietmar Guré, "ist der Crossfire doppelt so steif wie ein Porsche Boxster und immer noch steifer als das 911 Coupé."

Gebaut wird das Auto bei Karmann in Osnabrück. 20.000 Exemplare pro Jahr sind vorgesehen, doch schon jetzt zeichnen sich Wartezeiten für den Crossfire ab. "Wir wollen, dass Karmann die Produktion erhöht, und die Chancen stehen nicht schlecht", sagt Produktmanager McKay. Gerade dieser Wagen nämlich soll eine spezielle Mission erfüllen. "Er wird Kunden an die Marke heranführen, die bislang noch keinen Kontakt zu Chrysler hatten", glaubt McKay. Zum Beispiel sehr solvente und sehr erfolgreiche Geschäftsleute, die sich einerseits "selbst darstellen wollen" und die sich andererseits "für ihre harte Arbeit auch mal belohnen wollen", wie McKay vermutet. Es werden überwiegend Männer sein, überwiegend Großstädter, und sie werden den Crossfire überwiegend als Zweitwagen kaufen.

Hersteller:Chrysler
Typ:Crossfire
Karosserie:Sportwagen/Coupé
Motor:V6
Hubraum:3.199 ccm
Leistung PS:218 PS
Leistung kW:160 kW
Drehmoment:310 Nm
Von 0 auf 100:6,9 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):10,4 Liter
CO2-Ausstoß:246 g/km
Kofferraum:215 Liter
Preis:37.200 €

Das kann ganz schnell gehen, denn viel zu überlegen gibt es nicht. Der Wagen wird mit einer Motorisierung und im Prinzip mit einer Ausstattung angeboten. Vier Airbags, ABS, Traktionskontrolle, ESP, ein automatisch ausfahrender Heckspoiler, Klimaanlage, selbst abblendender Innenspiegel, Tempomat und CD-Musikanlage sind serienmäßig an Bord. In der Liste der Extras finden sich neben der Fünfgang-Automatik lediglich ein Navigationssystem (1550 Euro) und Metallic-Lackierung (480 Euro). Auch diese All-inklusive-Ausstattung, so die Marketing-Fachleute, komme der anvisierten hedonistisch veranlagten Zielgruppe entgegen. Das Motto diese Leute, sagt McKay, sei: "Du hast nur ein Leben - lebe es."