Chrysler ESX3: Bescheidener Straßenkreuzer - DER SPIEGEL
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Chrysler ESX3 Bescheidener Straßenkreuzer

Normalerweise reiben sich Tankstellenbesitzer die Hände, wenn eine 4,90 Meter lange Limousine anrollt. Nicht so beim ESX3: Die ausladende Chrysler-Studie soll die bislang eher filigran gebauten Drei-Liter-Autos das Fürchten lehren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"In den USA gibt es jede Menge Drei-Liter-Autos - die verbrauchen die drei Liter allerdings auf zehn Kilometer." Der Spott der Branche ist den als notorisch spritdurstig geltenden US-Autos gewiss. Doch es geht auch ganz anders: Die Ausmaße eines Straßenkreuzers mit dem Verbrauch von drei Litern auf 100 Kilometern will die Fahrzeugstudie ESX3 von DaimlerChrysler kombinieren.

Nach der Weltpremiere im Februar auf dem Genfer Autosalon konnte das von Chrysler-Ingenieuren in den USA entwickelte Auto jetzt erstmals in Europa Probe gefahren werden. Auf dem Baden-Airpark bei Baden-Baden erlebten Motorjournalisten, wie flott sich die 4,90 Meter lange Limousine bewegen lässt.

Im Vergleich mit diesem Wagen erscheinen die deutschen Drei-Liter-Autos wie der VW Lupo 3L oder der zweisitzige Smart wie Winzlinge. Natürlich sind die Konzepte unterschiedlich, zumal die Straßen und Parkräume in den USA auch völlig andere Dimensionen haben.

Aber die Chrysler-Studie beweist, dass auch eine Familienkutsche an das Drei-Liter-Limit herankommt. Das Geheimnis liegt in konsequentem Leichtbau mit Materialien wie Aluminium, Hartschäumen oder Carbon und in einer Verknüpfung von batteriegetriebenem Elektromotor und einem Dieseltriebwerk.

Unter der futuristischen Haube des ESX3 arbeitet ein Drei-Zylinder-Dieselmotor mit 1,5 Litern Hubraum und 74 PS. Rechts daneben sitzt ein kleiner Elektromotor, der eine Dauerleistung von vier PS hat. Direkt hinter den Rücksitzen hat Chrysler den Batteriesatz untergebracht.

Der E-Motor gibt seine Energie beispielsweise für die Bremsleistung oder sämtliche anderen servounterstützten Systeme und auch die Klimaanlage ab. Außerdem stellt sich der Dieselmotor bei jedem Stopp ab und wird vom Elektromotor wieder gestartet, wenn die Fahrt fortgesetzt wird.

Das Interieur des ESX3, der fast eine Tonne weniger wiegt als ein normale Limousine gleicher Größe, ist ungewöhnlich. Zwei farbige Bildschirme versorgen den Fahrer mit den notwendigen Fahrtinformationen. Eher ein Gag als eine besonders sinnige Weiterentwicklung: Der ESX3 besitzt keine Außenspiegel, sondern Periskope, die das Bild auf zwei Linsen im Blickfeld des Fahrers lenken. Dadurch entfällt der tote Winkel. Eine mehr als gewöhnungsbedürftige Idee, die - so der erste Fahreindruck - alles andere als ausgereift erscheint.

Schon recht reif wirkt dagegen das Fahrverhalten des mit ungewohnt schmalen Reifen ausgerüsteten Experimentalautos. Würde der ESX3 jetzt in Serie gehen, kostete er nur etwa 7500 Dollar mehr als der ähnlich große Chrysler 300 M, der für rund 30.000 Dollar (rund 63.000 Mark) angeboten wird.

Vielleicht wird die Zukunftsstudie ESX3 schon in wenigen Jahren über die Straßen rollen. Denn mag der Treibstoffpreis in den USA noch so niedrig sein, die harten Abgasvorschriften etwa in Kalifornien zwingen auch die Autobauer aus Detroit langsam aber sicher zum Abschied vom spritschluckenden Automobil.