Chrysler Neon: Straßenkreuzer XXS - DER SPIEGEL
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Chrysler Neon Straßenkreuzer XXS

Mit seinem Angebot in der unteren Mittelklasse kommt Chrysler nicht so recht vom Fleck. Dabei sieht das Auto gut aus, lässt sich ordentlich bewegen und bekam auch noch einen neuen Basismotor. SPIEGEL ONLINE hat den Chrysler Neon getestet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Je mehr Kilometer man mit dem Chrysler Neon zurücklegt, desto weniger versteht man, warum das Auto in Deutschland eher ein Schattendasein fristet. Denn der Wagen bietet vor allem das, was häufig bei anderen Modellen angemahnt wird: Ein eigenständiges Design und eine gewisse Ausstrahlung, die ihn aus der Reihe vieler gähnend langweilig geformter Konkurrenten heraushebt.

Chrysler versucht mit dem Neon, das wird schon an der Karosserie deutlich, einige Stilelemente aktueller US-Straßenkreuzer in die untere Mittelklasse zu übertragen. Und das gelingt ganz ordentlich.

Im Innenraum gefällt der Wagen durch seine ausgereifte Schlichtheit. Das ist kein Widerspruch, sondern soll ganz einfach heißen, dass alles Nötige gut gestaltet vorhanden ist - ohne Mätzchen und den Zwang, unbedingt aufzufallen. Sehr fein wirken zum Beispiel die Rundinstrumente im Cockpit mit ihren filigranen Skalierungen.

Die Armaturentafel erschließt sich dem Fahrer im Nu, einzig die Bedienung des teilweise kryptisch beschrifteten Kassetten-CD-Radiogeräts gelingt erst nach diversen Fehlversuchen. Und mit dem Innenlicht, das streckenweise gar nicht mehr ausgehen wollte, hatten wir auch einige Probleme.

Originell haben die Chrysler-Konstrukteure die Beleuchtung der Schminkspiegel in den Sonnenblenden gelöst: Die Lämpchen sitzen in den schmalen Griffen der Spiegelabdeckungen.

Was das Fahrverhalten betrifft, so präsentierte sich der Neon sehr ausgewogen. Lenkung, Bremsen und das Fünfgang-Schaltgetriebe ließen sich präzise handhaben. Der Motor ging willig an die Arbeit. Er stammt aus einem Joint Venture von Chrylser und BMW, das geschlossen wurde, noch bevor Mercedes die Amerikaner zum Verbündeten wählte.

Daraus ergibt sich die kuriose Situation, dass ein Fahrzeug aus dem Hause Daimler-Chrysler mit einem Motor bestückt ist, der zur Hälfte das Etikett "made by BMW" trägt. Die Globalisierung führt mitunter zu eigenartigen Konstruktinen. Im Falle des Chrysler Neon aber funktioniert sie. Mit zwei Einschränkungen allerdings:

Hersteller:Chrysler
Typ:Neon LE 1.6
Karosserie:Limousine
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.598 ccm
Leistung PS:115 PS
Leistung kW:85 kW
Drehmoment:157 Nm
Höchstgeschw.:185 km/h
Verbrauch (ECE):7,3 Liter
CO2-Ausstoß:173 g/km
Kofferraum:371 Liter
Versicherung (HP):17 €
Versicherung (TK):27 €
Versicherung (VK):19 €
Preis:16.617 €

Erstens ist der Motor in nahezu allen Drehzahlbereichen deutlich im Innenraum zu hören, da wurde vermutlich an der Dämmung gespart. Zweitens ist das Triebwerk kein Vorbild an Sparsamkeit. Die nach Euro 3 schadstoffarme Maschine verbrauchte während unserer Testfahrten im Durchschnitt 8 Liter Superbenzin je 100 Kilometer. Den offizielle Wert gibt Chrysler mit 7, 3 Liter an.

Als Familienlimousine taugt der Neon nur eingeschränkt: 371 Liter Gepäckraum sind nicht eben üppig. Und dann wird das Kofferraumpacken auch noch dadurch erschwert, dass die Bügel der Scharniere beim Zuklappen weit ins Gepäckfach eindringen - da gibt es längst modernere Lösungen. Immerhin rüstet Chrysler seine kleine Limousine ab Werk mit einer geteilten und umklappbaren Rücksitzlehne aus, mit deren Hilfe sich der Stauraum erweitern lässt.

Bei der Ausstattung gehört der Neon zur breiten Mitte des Angebots in dieser Klasse. Serienmäßig sind vier Airbags, ABS, Anti-Schlupfregelung, Halogenscheinwerfer, Wärmeschutzverglasung, elektrische Fensterheber vorne, Klimaanlage und Zentralverriegelung in der gehobeneren LE-Version installiert. Das entspricht dem Durchschnitt, wohingegen der Preis des Fahrzeugs recht knapp kalkuliert erscheint.