Chrysler Sebring: Nie wieder kalter Kaffee - DER SPIEGEL
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Chrysler Sebring Nie wieder kalter Kaffee

Chrysler nimmt einen neuen Anlauf in der Mittelklasse. Auch wenn die deutschen Autokäufer nicht gerade auf US-Limousinen warten, soll es der neue Sebring noch einmal probieren. Für ihn sprechen neben Preis und Ausstattung einige Details – etwa beheizte Getränkehalter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes ist deutliche: Lediglich 116 Neuwagenkäufer haben sich im vergangenen Jahr in Deutschland für einen Chrysler Sebring entscheiden. Selbst wenn man dazu die 196 Cabrios dieses Typs addiert und wohlwollend den Status als Auslaufmodell berücksichtigt, zählt die amerikanische Limousine zu den seltensten Autos hierzulande. Selbst der nicht gerade erfolgsverwöhnte Saab 9-3 kommt auf das dreifache Volumen. Und das Jahresvolumen des Sebring schafft der VW Passat an einem einzigen Tag. Dennoch lässt sich Chrysler nicht beirren und versucht es jetzt ein weiteres Mal: Im März kommt ein neuer Sebring zu den Händlern. SPIEGEL ONLINE ist während der Detroit Motor Show die Limousine bereits gefahren.

Auf den ersten Blick ist der neue Sebring ein schickes Auto geworden: Inspiriert von der Studie "Airflite" wirkt der 4,84 Meter lange Gleiter mit markanten Stoßfängern, einer stabilen Schulter und den Muskelsträngen auf der Flanke auf den Freeways rund um Motown längst nicht so langweilig wie viele andere günstige, aber gesichtlose US-Limousinen der Mittelklasse. Zudem geben ihm die großen Scheinwerfer, der üppig mit Chrom belegte Grill und die stark konturierte Motorhaube einen vornehmen Charakter, die bogenförmige Silhouette lässt die Limousine elegant und geräumig wirken, und die weit hinten auf dem kurzen Heckstummel aufgesetzte Rückscheibe lässt den vorausfahrenden Sebring beinahe wie ein Coupé erscheinen.

Ernüchterung auf den zweiten Blick

Doch wie so oft bei amerikanischen Autos wirkt der zweite Blick ernüchternd. Denn die Erwartungen, die der Sebring mit seinem eleganten Karosseriedesign weckt, kann der Innenraum nur schwerlich halten. Zwar gibt es am Platzangebot nichts zu meckern. Doch obwohl Chrysler von "eleganter Handwerkskunst" spricht und zwei Farben das Interieur optisch in Oben und Unten trennen, schweift der Blick über eine triste, graue Kunststofflandschaft, die auch durch ein paar hellere Plastikeinlagen kaum elegant erscheint. Viel zu hart sind die Plastikteile, zu glänzend der Lack und zu glatt das Leder, als dass man jenen Hauch von Noblesse und Eleganz spüren könnte, den sich Chrysler so gerne auf die Fahnen schreibt.

Dafür bietet der Sebring allerdings jede Menge Ausstattung und überrascht mit Details, die man bei anderen Autos in diesem Segment erst gar nicht bestellen kann. Neben den inzwischen üblichen Dingen wie Airbags, ESP und Bremsassistent sowie Komfortstandards wie Klimaanlage und elektrischen Helfern für Türen, Fenster und Spiegel gibt es zum Beispiel auch ein Multi-Media-Center mit einer eingebauten Festplatte, deren 20 Gigabyte für die Navigationsdaten plus ein großes Musikarchiv ausreicht. Das Highlight allerdings sind die Getränkehalter in der großen Mittelkonsole: Sie werden auf Knopfdruck beheizt und sorgen auf unserer Testfahrt dafür, dass der amerikanische Kaffee wenn schon nicht besser, dann doch zumindest nicht kälter wird.

Ebenfalls einen positiven Eindruck hinterlässt das Fahrwerk, das nur noch wenig von der Indifferenz früherer Jahre hat. Im Gegenteil: Obwohl die Straßen um Detroit ähnlich marode sind wie die Industrie, die sie beschickt, macht der Sebring auf dem Weg durch die Vororte eine ordentliche Figur. Willig folgt er jedem Lenkeinschlag, und gutmütig bügelt er auch schlimme Frostlöcher im Asphalt aus.

Achtung: Hier steckt ein Diesel unter der Haube

Zwar sieht man den neuen Sebring in den USA bereits auf der Straße. Doch unser Testauto ist für die Amerikaner dennoch etwas besonders. Denn unter seiner Haube steckt - als Tribut an europäische Kunden - ein ausschließlich für den Export bestimmter Dieselmotor. Das Zweiliter-Aggregat kauft Chrysler bei VW ein und bestückt damit auch Autos wie den Dodge Caliber oder den Jeep Compass. Er klingt, wie so viele Pumpe-Düse-Diesel, ein wenig rau und ist mit 140 PS für ein derart großes Auto sicher auch nicht überdimensioniert. Doch bringt er den Wagen mit 310 Nm, wenn’s sein muss, vernünftig in Fahrt, beschleunigt in 11,1 Sekunden auf Tempo 100 und schafft immerhin 201 km/h. Zudem macht er Schluss mit dem Vorurteil vom ewig durstigen US-Dinosaurier und gibt sich mit 6,2 Litern Diesel zufrieden. Wer mag, kann auch einen Rußpartikelfilter nachrüsten lassen.

Alternativ zum Selbstzünder bietet Chrysler mittelfristig auch zwei Benzinmotoren an. Zum Start gibt es einen ebenfalls zwei Liter großen Vierzylinder mit 156 PS und 190 Nm, der in zwölf Sekunden auf Tempo 100 kommt, 186 km/h erreicht und 7,8 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Später folgt noch eine V6-Maschine mit 2,7 Liter Hubraum, für die Chrysler aber noch keine genaue Spezifikation veröffentlicht hat. Auch beim Preis halten sich die Amerikaner trotz der kurz bevorstehenden Markteinführung noch bedeckt. Eine Orientierungshilfe bietet noch der Vorgänger: Da der bisherige Sebring mit V6-Motor zuletzt für etwa 28.000 Euro zu haben war, sollte der neue mit dem kleinen Vierzylinder in der Basisausstattung unter 25.000 Euro liegen, heißt es bei Chrysler.