Citroën Berlingo Fahren im Blaumann
Beim Blick zurück zeigt Thomas Albrecht wenig Milde. "Vor gut zehn Jahren hatte unsere Marke kein Gesicht", sagt der Sprecher von Citroën. Saxo, Xsara, Xantia das waren alles keine schlechten Autos. Aber auch keine, die im Straßenbild irgendwie aufgefallen wären. "Ein Marktanteil von einem Prozent und kein Modell, das man kennt: Wir können froh sein, dass man uns nicht vergessen hat." Und so kam für die französische Marke der neue Berlingo 1996 gerade rechtzeitig insbesondere in Deutschland.
Als sympathisches, praktisches, pfiffiges und vor allem auffälliges Auto brachte der Kastenwagen die Marke zurück ins Gedächtnis. Der Berlingo war über Jahre der meistverkaufte Citroën hierzulande und machte gemeinsam mit dem baugleichen Peugeot Partner das Segment der Hochdachkombis salonfähig. "Erst ein Jahr später kam der Renault Kangoo auf den Markt", sagt Albrecht. Inzwischen buhlen rund ein halbes Dutzend Wettbewerber um die Kundschaft dieser praktischen, aber weitgehend imagefreien Autos.
Viel Platz für Firma und Familie
Damit der Citroën Berlingo weiter eine dominierende Rolle spielen kann, geht jetzt zu Preisen ab 15.550 Euro die Neuauflage an den Start. Auch die zweite Berlingo-Generation ist ein Auto für Firma und Familie geworden. Nach wie vor gibt es den Berlingo für Handel, Handwerk oder Gewerbe als praktischen Transporter und zugleich aus als Pkw im Blaumann. Denn immer mehr Kunden kaufen das Modell als Familienlaster. Zur Großraumlimousine reicht es zwar noch nicht. Aber ein Fahrwerk mit vielen Teilen aus dem C4 Picasso, modernere Elektronik und eine etwas bessere Materialauswahl machen die Nutzfahrzeuggeschichte vergessen. Deutlich mehr Platz bietet der neue obendrein.
Obwohl schon der Vorgänger ein Raumwunder war, hat Citroën beim Generationswechsel noch einmal kräftig zugelegt: Die Länge wuchs um 24, die Breite um 8 Zentimeter, und der Radstand wurde auf 2,72 Meter gestreckt. Auf jetzt 4,38 Metern bietet der Berlingo nun ordentlich Raum für Knie und Schultern. Und an der Kopffreiheit mangelt es bei einer Höhe von 1,81 Metern ohnehin nicht. Selbst in den Varianten mit Ablagefächern unterm Dach und der Fondklimatisierung unterm Gebälk kann man noch immer den Hut im Auto aufbehalten wenn man mag. Außerdem gibt es Oberlichter, die den Raum optisch erweitern.
Auf Wunsch gibt es drei variable Einzelsitze im Fond
Der Clou des neuen Berlingo ist jedoch die Option auf eine neue Fondgestaltung. Statt der fest montierten Bank gibt es dann drei Einzelsitze, die flachgelegt, umgeklappt und auch ausgebaut werden können. Auch die Neigung der Lehne lässt sich individuell einstellen. Die Lizenz zum Stühlerücken, die auf Wunsch auch auf den Beifahrersitz ausgeweitet wird, macht den Berlingo zum Meister der Möglichkeiten, der mit Umzugskisten so wenig Mühe hat wie mit ein paar Einkaufstauschen mehr. Der Stauraum lässt sich so schrittweise von 642 auf 3000 Liter erweitern. Und für Kleinkram gibt es ein gutes Dutzend Ablagen vom Geheimfach im Fußraum bis zum Deckenschrank hinter der Heckklappe , die zusammen noch einmal 170 Liter fassen.
Von der Nähe des Minilaster zum Pkw zeugt neben der Bestuhlung auch die Ausstattung. So sind nicht nur sechs Airbags serienmäßig an Bord, sondern bei den meisten Modellvarianten gibt es nun auch das ESP ohne Aufpreis. Außerdem sind Tempomat und Tempobegrenzer verfügbar, und Parksensoren warnen vor Remplern beim Rangieren. Nach wie vor aber fährt das Basismodell nur mit einer Schiebetüre vor; die zweite ist den teureren Varianten vorbehalten.
Der Wagen widersteht dem allgemeinen Wettrüsten
Dass die Wurzeln des Berlingo trotz allem zu den Nutzfahrzeugen weisen und die Kunden in diesem Segment eher auf Vernunft als Komfort setzten, sieht man unter der Haube. Denn dem allgemeinen Wettrüsten schließt sich der Charmeur mit der großen Klappe nicht an. Stattdessen gibt es zwei Benziner und drei Diesel, die allesamt je 1,6 Liter Hubraum haben und ein Leistungsspektrum von 75 bis 109 PS abdecken. Die Fahrleistungen sind entsprechend.
Natürlich kann man mit dem Berlingo locker auf der Autobahn mitschwimmen, und im Stadtverkehr spielt die Höchstgeschwindigkeit ohnehin keine Rolle doch mehr als 173 km/h sind nicht drin, der beste Sprintwert liegt bei 14,3 Sekunden. Immerhin ist der schnellste Wagen zugleich der sparsamste: Ihn treibt ein Diesel mit 109 PS an, der zwar laut brummt, aber dafür mit 5,6 Litern zufrieden ist. Die meisten Kunden werden sich über die innere Aufwertung des technisch immer noch grundvernünftigen Berlingo freuen auch wenn das Auto rund zehn Prozent teurer geworden ist als die bisherigen Modelle. Für all jene, bei denen die Parklücke kleiner oder der Geldbeutel schmaler ist, baut Citroën das jetzt alte Modell zu den alten Preisen und unter dem Namen Berlingo First einfach weiter.