Citroën Berlingo HDI 110: Der gute Kumpel - DER SPIEGEL
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Citroën Berlingo HDI 110 Der gute Kumpel

Mit dem Berlingo hat Citroën den Urvater aller modernen Hochdachkombis im Programm. Das Auto bietet alles, was man in diesem Segment erwartet: Zwei Schiebetüren, erstaunlich viel Platz und allerlei praktische Details. SPIEGEL ONLINE fuhr das Modell mit dem 109-PS-Dieselmotor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

1997 fuhr die französische Marke Citroën erstmals einen Hochdachkombi modernen Typs vor - und darf sich daher das Verdienst anheften, diese Fahrzeuggattung zu einer neuen Blüte verholfen zu haben. Die Idee selbst nämlich ist sehr viel älter. Ein früher Vorläufer der Autos, die als Pkw anfangen und Kleinlieferwagen enden, ist zum Beispiel der 1951 vorgestellte Citroën 2 CV mit Wellblechverschlag am Heck - die berühmte Kasten-Ente; oder der Renault R4, der zwischen 1961 und 1992 mehr als acht Millionen Mal produziert wurde.

Der aktuelle Citroën Berlingo hat mit diesen Ahnen jedoch nur noch die Grundidee gemein, möglichst viel nutzbaren Raum auf möglichst kompakter Grundfläche in einem insgesamt möglichst günstigen Auto anzubieten. Denn schon wenn man sich dem Wagen nähert, fallen die flüssigen Linien des Wagens auf, die die großvolumige Karosserie ganz gut kaschieren. Und im Innenraum gefällt der Berlingo (in der Ausstattungsvariante Multispace) durch fröhliche Farbgebung und hübsch geformtes Plastik. Zwar fehlt hier die übliche Deko, mit der so genannte Premiumhersteller ihre Massenprodukte garnieren, doch im Autoalltag zählt anderes als hübsch geschminkte Armaturen.

Zum Beispiel Laderaum. Wer die große Heckklappe öffnet, steht vor der großen Leere. Ein Kinderwagen passt hier ohne große Faltmanöver hinein, Getränkekisten oder kleinere Möbel auch. Wer öfter was zu transportieren hat, sollte die Bestellung des so genannten Modularitäts-Pakets (Aufpreis 490 Euro) erwägen. Dann sind die drei Einzelsitze in Reihe zwei klapp-, wickel- und herausnehmbar. Dazu gibt es eine 12-Volt-Steckdose im Laderaum und eine praktische Handleuchte. Außerdem ein Gepäcknetz und eine Ablagegalerie unter dem Dachhimmel (auch einzeln erhältlich, Aufpreis 140 Euro), auf der lange Gegenstände wie Skier, Gardinenstangen oder Regalelemente abgelegt werden können.

Die Konstruktion über den Köpfen wirkt zunächst zwar etwas zweifelhaft, funktioniert aber prima und bietet Platz für bis zu 2,50 Meter langes Ladegut. Nicht schlecht für ein Auto, das mit 4,38 Meter Länge durchaus noch als Kompaktwagen durchgeht. Die Ladebreite des Kofferraums beträgt übrigens 1,20 Meter. Und weil es nicht nur die großen Transportaufgaben gibt, sondern auch manchen Kleinkram, der mitfahren soll, bietet der Berlingo zum Beispiel Schubladen unter den Vordersitzen und Staufächer im Fond-Fußraum.

Prima Dieselmotor und unproblematisches Fahrverhalten

Als Motorisierungen bietet Citroën zwei Benzin- und drei Dieselaggregate an. Unser Testauto war mit dem stärksten Selbstzünder bestückt. Der Vierzylindermotor mit 1,6 Liter Hubraum leistet 109 PS und bringt den Wagen ordentlich auf Trab. Gedämmt ist der Motor allerdings weniger sorgfältig - das Gebrumm der Maschine dringt stetig ins Ohr, nicht unangenehm, aber auf Dauer eben doch etwas zermürbend.

Als Durchschnittsverbrauch gibt Citroën 5,3 Liter je 100 Kilometer an, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 140 Gramm je Kilometer. Nach unsere Test - mehr als 300 Kilometer mit meist vier Insassen plus Gepäck über Autobahn, Landstraßen und im Stadtverkehr - ergab sich ein Verbrauch von 6,1 Litern. Das ist ok für einen Wagen, der so viel wegstecken kann und eine massive Stirnfläche durch die Gegend schieben muss. Es wäre aber eine gute Idee, endlich mal ein Auto dieser Art als Sparmodell anzubieten: mit Leichtlaufreifen, aerodynamischen Optimierungen und am besten auch Start-Stopp-Automatik.

Eingeschränkte Rücksicht und krachende Schiebetüren

Etwas mehr Sparsamkeit wäre also durchaus noch möglich. Und auch die Familientauglichkeit ließe sich noch verbessern. Wäre es beispielsweise möglich, Schiebetüren zu konstruieren, die nicht mit einem Riesenknall ins Schloss krachen? Das hätte den Vorteil, dass die Besatzung der Kindersitze nicht jedes Mal kreischend aus dem Halbschlaf schreckt, wenn man die Türen schließt. Nicht optimal ist auch die Sicht nach hinten. Wer das Auto häufig in der Stadt bewegt und in Parklücken bugsieren muss, ist daher gut beraten, das City-Design-Paket zu ordern, das unter anderem eine Einparkhilfe am Heck umfasst (Aufpreis 850 Euro).

Serienmäßig an Bord sind bei allen Berlingo-Modellen vier Airbags, ein zweifach verstellbares Lenkrad, eine herausnehmbare Gepäckraumabdeckung und ein Beifahrersitz, dessen Lehne komplett nach vorne umgelegt werden kann, um sperriges Ladegut unterzubringen. Das Schleuderschutzsystem ESP gibt es erst ab dem zweiten Ausstattungsniveau, ebenso die Schlupfregelung, den höhenverstellbaren Fahrersitz, die durchgehenden Kopfairbags oder die Schiebetüren auf beiden Seiten. Den Einstiegspreis von 15.750 Euro für das Basismodell kann man daher getrost vergessen - interessant wird der Berlingo erst in der Multispace-Variante, und die kostet mindestens 17.250 Euro.

Trotz der kleinen Fallstricke in der Preis- und Ausstattungsliste gehört der multifunktionale Citroen zu den beliebtesten Hochdachkombis auf dem deutschen Markt; in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden hierzulande laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts 7278 Exemplare abgesetzt - das waren deutlich mehr als von der Konkurrenz von Peugeot und Renault.