Citroën C4: Hat man da noch Töne?
Citroën C4 Piepshow im Golf-Herausforderer
Urban Rythmik, Crystal Symphony oder Jungle Fantasy - wer sich durch die Soundmenüs des neuen Citroën C4 klickt, stoßt auf seltsame Begriffe. Und vor allem erklingen danach merkwürdige Töne. Egal ob Blinker oder Gurtwarner: Sobald per Tastendruck das Genre gewechselt wird, gibt es im neuen Auto was auf die Ohren. Man hört Bongotrommeln, ein grooviges Schnalzen oder sphärisches Trällern - und schüttelt den Kopf angesichts des Übermuts, den die Programmierer hier ausleben durften. Immerhin wurde nicht nur ein kleiner Synthesizer im Armaturenbrett versteckt, sondern auch noch eine Lichtorgel eingebaut: techno black, orange ray, steel, blue flame oder toffee heißen die Farbtöne, die man als Bildschirmbeleuchtung wählen kann.
"Für ein Auto mag das neu sein", räumt Citroën-Sprecher Thomas Albrecht ein, "aber aus der Consumer-Elektronik kennen wir das schon lange." Derartige Spielereien haben bei der Kompaktbaureihe C4 schon Tradition. "Der Vorgänger war das erste Auto mit einem eingebauten Parfümspender", ruft Albrecht in Erinnerung.
Jetzt also sind es Licht- und Sound-Gimmicks, und die sind das einzig Extravagante am jüngsten VW-Golf-Konkurrenten aus Frankreich. War der erste C4 noch ein stilistisches Statement, tritt die Neuauflage sehr viel biederer an. Auch eine Coupé-Variante wird es nicht mehr geben. Der neue C4 mit den großen Scheinwerfern, dem stämmigen Auftreten und dem breiten Heck sieht ernsthaft aus wie etwa der VW Golf - aber eben leider auch genau so langweilig. Das sei keine Ideenlosigkeit, sondern Kalkül.
Citroën-Historie: Ente, Granaten und die Göttin
"Konservative Kunden wollen konservative Autos", sagt Albrecht und erinnert an die großen Erfolge des Citroën Xsara, der zum Beispiel in Spanien viele Jahre das meistverkaufte Auto überhaupt gewesen sei. "Da wollen wir wieder hin." Für den Verkaufserfolg und die Hoffnung auf fünfstellige Zulassungszahlen in Deutschland wurde auch kräftig an der Preisschraube gedreht. Der Citroën C4 kostet künftig ab 15.950 Euro - das sind, bezieht man auch die Mehrausstattung in die Rechnung mit ein, 2000 Euro weniger als beim Vorgängermodell.
Auf Wunsch gibt es sogar Massagesitze im C4
Wer bei Citroën zuerst noch immer an Charme und Chic denkt, muss bis zum Frühjahr warten. Dann soll das Modell DS4 auf die Straße kommen, eine Art viertüriges Coupé mit erhöhter Bodenfreiheit, das eine neue Nische in der Kompaktklasse eröffnen soll.
Der C4 dagegen setzt auf Solidität. Im Innenraum ist das Ambiente nüchtern und nobel. Wo sich das Lenkrad bislang um eine feststehende Nabe drehte, gibt es jetzt wieder einen ganz normalen Pralltopf, um den zahlreiche Tasten gruppiert sind. Die Instrumente sind klar und mit großen Displays durchsetzt, die Kunststoffe wirken hochwertig, und statt ein paar verspielte Formen ins Plastik zu pressen, wurden einige praktische Ablagen im Interieur verteilt. Außerdem findet man - meist natürlich nur gegen Aufpreis - einige Extras, die es sonst nicht gibt in dieser Klasse. Elektronische Spurführungsassistenten oder eine Totwinkelüberwachung haben die anderen auch. Doch Massagesitze gibt es sonst nur in der Oberklasse, und eine 230 Volt-Steckdose in der Mittelkonsole meist nur zur Nachrüstung.
Mehr Platz im Innenraum und im Gepäckabteil
Als weiteres Argument für den neuen C4 führen die Franzosen das Platzangebot an: Um acht Zentimeter auf 4,33 Meter gestreckt, bietet der Wagen nicht nur ordentlich Kniefreiheit in beiden Sitzreihen, sondern vor allem den größten Kofferraum der Klasse: 408 Liter passen unter die große Klappe. Das sind fast 20 Prozent mehr als beim VW Golf.
Im Motorraum bietet Citroën ein durchschnittliches Programm aus bekannten Benzinern und Dieselaggregaten, die ein Leistungsspektrum von 92 bis 156 PS abdecken. Aber selbst mit dem stärksten Diesel - ein Common-Rail-Motor mit immerhin 150 PS und 340 Nm - bleibt der C4 überraschend unauffällig. Er ist zwar mit einem Sprintwert von 8,6 Sekunden und einem Spitzentempo von 207 km/h flott dabei, ganz ordentlich gedämmt und komfortabel gefedert - aber die Kategorie Fahrspaß stand im Lastenheft der Entwickler ganz sicher nicht an erster Stelle. Es fehlt dem großen Dieselmotor einfach der letzte Biss, dem Fahrwerk mangelt es an Bestimmtheit und der Lenkung an der nötigen Schärfe.
Neue Start-Stopp-Automatik der zweiten Generation
Die einzige technische Finesse ist die Start-Stopp-Automatik der zweiten Generation. Sie nutzt zum Wiederanlassen der Maschine nicht den herkömmlichen Anlasser, sondern einen Startergenerator, der über einen Keilriemen wirkt. So kann er mehr Kraft aufbringen und selbst den Diesel schneller und komfortabler anwerfen als die meisten anderen Systeme. 1000 Euro Aufpreis kostet das System. Dafür sinkt der Durchschnittsverbrauch des 110-PS-Motors zum Beispiel von 4,6 auf 4,2 Liter und macht den eHDI zum sparsamsten C4.
Ach ja, eine kleine Besonderheit entdeckt man spätestens beim Aussteigen doch noch: Alle Modelle haben eine elektrische Parkbremse. Und damit man die nicht vergisst, kommt noch einmal der Synthesizer zum Einsatz - mit einem spacigen Abschiedsgruß, der klingt wie das Hupen von Raumschiff Enterprise.